Sehen Antideutsche scheiße aus? Teil 2

Ein bisschen lang ist es jetzt her, dass ich den ersten Teil dieser Quadrologie schrieb – Hausarbeiten und Lustlosigkeit kamen mir dazwischen. Wie auch immer. Was bisher geschah: Thawra und Kaveh hatten 2015 ein Lied veröffentlicht, in dem sie mit unverhohlenem Antisemitismus die antideutsche Bewegung angriffen. Im ersten Part besticht besonders ein Abschnitt in seiner Deutlichkeit: „Haram, diese Tiere feiern Shuja3ya/ Sie lieben den Tod, sie sind übelst kultiviert/ Sie lieben Israel, denn ihr Geist ist okkupiert“. In drei Versen eine Entmenschlichung, ein Rückgriff auf religiöse Bewertungsmaßstäbe, und auf zwei antisemitische Stereotype – Respekt, da meint es jemand ernst.

Thawra retweetete meinen Artikel zum ersten Part mit dem Kommentar „Hallo, es ist 2017“ (oder so ähnlich, ich habe den Tweet nicht mehr gefunden, vielleicht hat sie ihn gelöscht). Meine Nachfrage, ob das eine halbherzige Distanzierung von dem Track sei, wurde nicht beantwortet – vermutlich ärgert sie sich lediglich darüber, dass Antisemitismus auch nach zwei Jahren noch thematisiert wird, und wollte auf etwas kryptische Art einen Schlussstrich ziehen. Das ist ja so lange her!

Wie dem auch sei; auf das dumme Intro Kavehs und einen Part Thawras folgt die Hook, in der die beiden Interpreten vor zwei Flaggen der palästinensischen Nationalbewegung und zwei roten Flaggen posieren, zusammen mit einer Meute in Palästinenser-Tücher gehüllter Menschen. Einer dieser Menschen ist übrigens Roldán Mendívil, und unter anderem wegen der Beteiligung an diesem Video erhält sie von der Freien Universität Berlin keinen weiteren Lehrauftrag mehr. Tja, dumm gelaufen.

Was rappen Thawra und Kaveh nun in der Hook? Folgende Verse:

Tahya Falastin, tahya Falastin
Kein Frieden mit dem Besatzungsregime
Tahya Falastin, tahya Falastin
Rote Fahnen über Ghazza und Jenin!
Freiheit für Falastin, Freiheit für Falastin
Kein Frieden mit dem Apartheidregime
Freiheit für Falastin, Freiheit für Falastin
Rote Fahnen über al-Quds und Tal Abib!

Israel wird also sowohl als „Besatzungsregime“ als auch als „Apartheidregime“ verunglimpft, was nicht nur die Opfer wahrer Apartheid verhöhnt, sondern zusammen mit der Forderung „Freiheit für Falastin“ offensichtlich die Vernichtung Israels fordert. Obendrein solle auch kein Frieden mit Israel geschlossen werden – offener kann man antisemitischen Terrorismus kaum legitimieren. Wer Frieden mit Israel ablehnt und die „Befreiung“ Palästinas fordert, will nichts anderes als die völlige Vernichtung Israels. Das zeigt auch die Verwendung der arabischen Städtenamen „al-Quds“ und „Tal Abib“ statt „Jerusalem“ und „Tel Aviv“ – die Auslöschung betrifft nicht nur den jüdischen Staat, nicht nur die jüdischen Menschen, sondern sämtliche Aspekte jüdischer Präsenz in Eretz Israel/Palästina. Über diesen Städten sollen „rote Fahnen“ wehen, im Video sind allerdings ebenso viele Fahnen der palästinensischen Nationalbewegung zu sehen. Anscheinend wird also eine Art nationaler Sozialismus gefordert, ein ethnisch reiner Nationalstaat mit (pseudo)sozialistischer/(pseudo)kommunistischer Ausrichtung. Die Querfront lässt grüßen.

Auf dieses Gejohle nach der völligen Vernichtung jeder jüdischen Präsenz in Eretz Israel/Palästina folgt Kavehs erster Part. Er beginnt gleich in dem selben Ton wie Thawra: „Ihre Ideologie geht über Leichen und verursacht Tote“. Während allerdings Thawra rappt, Antideutsche würden den Tod „lieben“, beschränkt sich Kaveh immerhin darauf, das Töten nicht als Selbstzweck, sondern als Begleiterscheinung der unterstellten Ideologie zu bezeichnen. Oder doch nicht – nur ein bisschen später heißt es dann auch bei Kaveh:

Die Empathie ist hinter ihrer Maske verblutet
Ich würds ja gerne sachte versuchen
Doch muss ich ihre Menschenverachtung verfluchen
Sie freuen sich, wenn Israel das Land zerbombt
Es sichert seine Kolonie dadurch, dass die Panzer kommen

Aber nicht nur seien Antideutsche empathielose Gesellen, die den Tod bejubelten – wenn er schon dabei ist, bezeichnet Kaveh natürlich auch noch gleich ganz Israel als „Kolonie“. Was in der Hook schon deutlich wurde, wird hier erneut unter Beweis gestellt: Vom Existenzrecht Israels halten weder Thawra noch Kaveh irgendetwas.

Auf diese Zeilen folgt allerdings auch auf einer rein ästhetischen Ebene der komplette Absturz. Man führe sich diese Reimkette zu Gemüte:

Egal ob von der Osten-Sacken oder BAK Shalom:
Ihre Köpfe sind so hohl wie n leerer Pappkarton
Völlig verloren wie ein entgleister Nachtwaggon
Feiern sie Israel als wäre es ein Marathon

Ok, Köpfe, die hohl wie ein leerer Pappkarton sind – der Vergleich ist nicht sonderlich kreativ, genau genommen ist er sogar ziemlich dämlich. Denn zu sagen, etwas sei hohl wie etwas das leer sei, ist textlich ungefähr auf einem Niveau mit dem Refrain von Bibis „How it ist (Wap Bap)“. Mir fallen spontan ähnlich gute Lines ein, vielleicht hat Kaveh ja Bedarf, er kann sich gerne bedienen:

Hier ist es hell, wie an einem Ort, wo Licht scheint
Es ist als wär der Eingang zu, denn du kommst nicht rein
Wir stehen fest auf dem Boden wie ein Tisch, der nicht wackelt
Du bist es, der hier wie so ein komischer kleiner langgezogener Hund mit kurzen Beinen rumdackelt

Aber Kaveh war mit seiner Reimkette ja noch nicht fertig. Dass es sich um einen „Pappkarton“, nicht um einen „Karton“ handelt, liegt natürlich am Reim – aus dem selben Grund ist es auch ein „Nachtwaggon“, kein „Zugwaggon“, der engleist. Der Vergleich („verloren wie etwas engleistes“) ist nicht nur schief, sondern fast ebenso unterirdisch wie der Vergleich in der Line davor, und die letzte Line dieser Reimkette sprengt nochmal alle Dimensionen der blöden Vergleiche. „Feiern sie Israel als wäre es ein Marathon“ – hä? Ist Israel ein Marathon? Oder bezieht sich der Marathon auf das Feiern? Aber ein Marathon ist doch ein sportlicher Wettbewerb, der sich durch seine zu Fuß zurückzulegende elendlange Distanz auszeichnet, nicht dadurch, dass man unaufhörlich jubelt. Oder bezieht sich das auf die Menschen am Rand, die den Läufern zujubeln? Aber dann wäre das ja ein „jubeln wie jubeln“ Vergleich. Naja, er wollte halt eine sicke Reimkette. Und wenn die Endreime inhaltlich eigentlich absolut nicht zusammenpassen, dann wurstet man das eben mit billigen Vergleichen hin. Wie ein Anfänger. Ich dachte Kaveh würde schon länger Rap machen?

Nach dem Beweis seiner Inkompetenz in Sachen Rap geht es dann auch mal wieder inhaltlich voran. Natürlich würden Antideutsche Muslime hassen, wären eigentlich selber total deutsch – naja, unkreativer als die depperten Vergleiche vorher kann es nicht mehr werden. Aber natürlich muss Kaveh noch schnell ein „Kauft nicht bei Juden“ raushauen: „Ich geb n Scheiß drauf, dass ich euch schockier/ Nur weil ich die Produkte Israels boykottier“. Schockieren dürfte das nur die wenigsten Leute – es widert mich an, wundert mich gleichzeitig aber nicht. Nur wer sich über die Virulenz des Antisemitismus nicht im Klaren ist und mit deutschem Rap selten bis gar nicht in Berührung kommt, würde sich über antisemitische Aussagen bei deutschen Rappern wundern, oder von diesen gar schockiert sein. Hm, naja – „euch schockier“ reimt sich eben ganz gut auf „boykottier“, sogar ohne dämlichen Vergleich.

Interessant ist an der Aussage von Kaveh übrigens besonders Folgendes: Anders als es normalerweise bei Antisemi- äh, Antizionisten der Fall ist, bezieht sich Kaveh nicht auf Produkte aus jüdischen Städten in Judäa und Samaria (sog. „Siedlerprodukte“), und redet sich also auch nicht damit heraus, er boykottiere ja nur ganz bestimmte Übeltäter und keinesfalls pauschal alle Juden in Eretz Israel/Palästina. Stattdessen ist es ganz explizit alles aus Israel – und wer würde daran zweifeln, damit sei nur alles jüdische in Israel gemeint, wo ihm doch an der palästinensischen Sache so viel liegt? Dies allerdings dürfte vor dem Hintergrund seiner Vernichtungsfantasien gegenüber Israel nur die wenigsten wundern. Und schockieren schon gar nicht.

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Sehen Antideutsche scheiße aus? Teil 1

Im deutschen Rap-Geschäft kommt es ja immer gut, ein wenig gegen Israel zu hetzen. Warum das so ist? Nun, mit stumpfer Israel-Hetze erreicht man ganz gute Medienaufmerksamkeit, man bekommt seinen kleinen Skandal, weil sich Leute über einen aufregen, aber so wirklich Probleme bekommt man nicht, denn Israel-Hass ist ja heutzutage irgendwie schick. Die jugendliche, meist muslimisch geprägte und sozial abgehängte Käuferschicht (die deutscher Rap nunmal überwiegend hat), die in dem Hass auf Israel und arabischem Nationalismus eine Flucht aus der Ohnmacht findet, applaudiert, und kauft kräftig das Album. Aufmerksamkeit und Geld – das ist alles, was der durchschnittliche Rapper haben will.

Und da spielt es dann auch keine Rolle, ob der/die Rapper(in) nun linksradikal, ein Macho und/oder ein(e) islamistischer Fundamentalist(in) ist. Bei Israel sind sie sich alle einig: Israel ist böse – und natürlich an allem Schuld.

Auch Kaveh und Thawra profilieren sich über Israel-Hass. In ihrem Lied „Antideutsche / Tahya Falastin“ bringen sie ihren Hass gegenüber allem, was nicht gegen den Staat Israel ist, zum Ausdruck. O-Ton Thawra: „Ich wollte vor allem erstmal meinen Hass auf die Antideutschen zeigen und deutlich machen.“

Interessant ist dabei zuallererst die Verwendung des Wortes „antideutsch“ als antisemitischer Kampfbegriff. Im Intro sagt Kaveh:

Viele Linke, die sich selbst nicht als Antideutsche sehen, benutzen trotzdem antideutsche Argumente. Antideutsche solidarisieren sich unkritisch mit Israel und den USA. Für sie ist Antizionismus gleichbedeutend mit Antisemitismus.

Für Kaveh definiert sich „antideutsch“ also zuallererst – das macht auch der Text des Liedes deutlich, in dem es fast ausschließlich um Israel geht, klar – über die Solidarität zum jüdischen Staat. Wenn er nun sagt, auch nicht antideutsche Linke würden „antideutsche Argumente“ benutzen, verkommt das Wort „antideutsch“ zu einem Kampfbegriff – einem Kampfbegriff, der all das diffamieren soll, was gegen Antizionismus ist. Dass Israel-solidarische Linke, vollkommen unabhängig zu ihrer tatsächlichen Positionierung zum Thema Deutschland, als „antideutsch“ bezeichnet werden, überträgt antisemitische Stereotype auf all jene, die sich gegen Antizionismus einsetzen. Denn jedem, der Israel-solidarisch ist, wird so vorgeworfen, ein „Vaterlandsloser Geselle“ zu sein, einer, der nicht loyal zu Deutschland, sondern nur loyal zum jüdischen Staat ist. Diese antisemitische Denke schlägt sich also in Kavehs Benutzung des Wortes „antideutsch“ nieder.

Die von Kaveh im Intro begonnene Übertragung antisemitischer Stereotype auf all jene, die sich gegen Antizionismus einsetzen, führt Thawra fort. „Sie lieben den Tod, sie sind übelst kultiviert“ rappt Thawra über Antideutsche. Die Unterstellung von Blutdurst und Arroganz ist ein Jahrhunderte altes antisemitisches Stereotyp, und wird hier nicht zufällig auf Israel-solidarische Menschen übertragen.

Und Thawra macht gleich munter weiter mit der Diffamierung von Antideutschen: „Haram, diese Tiere feiern Shuja3ya“ rappt sie – Dehumanisierung gleich innerhalb der ersten fünf Verse, na, das geht ja gut los! Leider habe ich keine Ahnung, was „Shuja3ya“ meint, dabei feiere ich Tier als Verwender „antideutscher Argumente“ das doch angeblich. Interessant ist hier allerdings neben der Dehumanisierung auch der Rückgriff auf islamische Kategorien zur Verurteilung des Gegners. „Haram“ wird den Antideutschen entgegengeschleudert – wer aber religiöse Kategorien als Maßstab für Gut und Böse heranzieht, der geht eine unheilige Allianz mit der Religion ein. Kommunistisch ist ein solches Anbiedern bei Klerikalen gewiss nicht. In der Religion entscheidet Gott darüber, was richtig und was falsch ist, und sein Urteil darf von Menschen nicht angezweifelt werden – schließlich ist Gott der anbetungswürdige, Unterwerfung fordernde Allwissende. Gott in Zweifel zu ziehen bedeutet Gott erniedrigen. Wenn Gott aber definiert, was Gut ist und was Böse, so entziehen sich diese Kategorien jeder Logik. Der Erfinder Gottes diktiert, was gut ist und was nicht, der Mensch ist entmachtet. So wird der Mensch Untertan der Religion. Wenn also Thawra das Wort „haram“ als abwertende Beschreibung Antideutscher verwendet, so offenbart sie, wie fremd ihr – zumindest in Bezug auf Israel und Juden – sowohl Rationalität als auch Kommunismus sind.

Dieser Eindruck verstärkt sich nur, beachtet man folgende Zeile von Thawra: „[Antideutsche] Sind für Zivilisation gegen den Islam“. Nun, selbstverständlich sind Antideutsche für Zivilisation – und welcher vernünftige Mensch ist das nicht? Und ja, da Kommunisten antiklerikal sind – was Thawra wohl zu begreifen partout nicht im Stande ist – sind sie auch gegen den Islam. Ebenso, wie sie gegen jede Religion sind, ob es nun Christentum, Judentum, olympische Götter oder was der Geier was ist.

Ein Denkfehler, der sich über das gesamte Lied erstreckt, offenbart sich schon innerhalb der ersten beiden Verse. „Ich hasse Antideutsche sehen alle scheiße aus/ mit ihren Stars and Stripes und ihrem Weiß und Blau“, rappt Thawra, polemisiert also gegen Antideutsche als angebliche Nationalisten. Dabei heißt das Lied, in dem sie diese Anschuldigung äußert „Tahya Falastin“, also „Freiheit für Palästina“, und in der Hook werden die Fahnen der palästinensischen Nationalbewegung geschwenkt. Auch das Tragen von Palästinenser-Tüchern – ganz dezidiert als politische Botschaft, wird in dem Track doch der Verbot dieses Tuches in antideutschen Clubs bemängelt – durch Thawra und Kaveh zeigt, wie sehr diese sich selbst vom Nationalismus distanzieren. Nämlich gar nicht.

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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=LpWzpLepDjo

Antideutschen aufgrund des Tragens von „Stars and Stripes und ihrem Weiß und Blau“ Nationalismus vorzuwerfen, während links und rechts von einem die Palästina-Flaggen wehen, ist schlichtweg absurd, und es muss sich die Frage gestellt werden, ob hier Dummheit oder Bosheit am Werk ist.

Ebenso widersprüchlich äußert sich Thawra, wenn sie zunächst den Antideutschen vorwirft: „Der deutsche Staat als Feind interessiert keine Sau“, dann aber nur ein paar Verse weiter behauptet, Antideutsche hätten „Komplexe wegen Opa in Stalingrad“. Ja, was denn nun – sind Antideutsche gegen Deutschland, oder nicht? Interessieren sie sich für Deutschland, oder nicht? Dass Thawra hier zudem auf den angeblichen „Schuldkult“ Bezug nimmt, ist offensichtlich, und zeigt ihre fatale Einstellung zur Holocaust-Bewältigung und -Erinnerung. Es würde nicht verwundern, käme als nächstes die Äußerung, Deutschland befände sich unter der Knute der Juden/Israelis.

Und tatsächlich, so ist es. „Sie lieben Israel, denn ihr Geist ist okkupiert“, rappt Thawra allen Ernstes (an dieser Stelle sei an die Verwendung des Wortes „antideutsch“ als antisemitischer Kampfbegriff sowie die Übertragung antisemitischer Stereotype auf Israel-solidarische Menschen erinnert). Wo man nun früher von „Goi“ oder „Judenknechten“ sprach, okkupieren heute die Israelis den deutschen Geist. Man könnte es fast für einen Witz halten, für Satire, aber die Frau meint das tatsächlich ernst. Und wenn sich schon nach gerade einmal sieben Versen der unverhohlene, affektiv ausgedrückte Judenhass Bahn bricht, vergeht mir wirklich jede Lust, den Track bis zum Ende durchlaufen zu lassen. Wann kommt das Feature mit MaKss Damage? Man könnte ja zusammen ein bisschen „Giftgas in jüdische Siedlungen leiten“, dann würde bestimmt auch die Okkupation des deutschen Geistes beendet. Thawra und MaKss Damage würden sich bestimmt prächtig verstehen – eine musikalische Querfront, juhu. Die Erklärung, Thawra brauche „keine Querfront um für Freiheit zu kämpfen“ offenbart immerhin, dass sie sich ihrer ideologischen Nähe zu Nazis durchaus bewusst ist, befände sie es doch sonst nicht für nötig, sich halbherzig und oberflächlich von diesen abzugrenzen.

Vollkommen irrational wird Thawra, wenn sie den Antideutschen vorwirft, „die Atombombe auf den Iran“ zu fordern. Hier finden wir Täter-Opfer-Umkehr par excellence: Obwohl es die iranische Regierung ist, die die Vernichtung Israels immer wieder lautstark ankündigt, wird so getan, als wäre es Israel, bzw. die Antideutschen, die den Iran vernichten wollen. Kein Antideutscher fordert die Atombombe auf den Iran. Vielmehr muss die iranische Opposition gestärkt werden, um die wahnsinnige Theokraten des iranischen Regimes zu stürzen. Die sind nämlich das Problem, nicht der durchschnittliche Iraner.

Während Thawra also vorbei an der Realität Antideutschen Vernichtungsfantasien unterstellt, hegt sie selbst ebensolche gegen die antideutsche Bewegung: „Mir gehts gut, denn die Strömung wird bald verschwinden:/ Antideutsche sind keine Linken.“

Antideutsche seien also überdies keine Linken – dies von einer sich Klerikalen anbiedernden Antisemitin zu hören ist irgendwo zwischen „interessant“, „lustig“ und „erschreckend“.

Soviel zum ersten Part dieser antisemitischen Hetzpropaganda. Die Teile 2, 3 und 4 folgen alsbald.

S. Castro – Truther, Putinfreund, Israelhasser

Es gibt Rapper, die rappen, weil es ihnen Spaß macht. Dann gibt es sicher noch Rapper, die rappen, weil sie damit Geld verdienen wollen. Eine Menge Rapper hat vielleicht aus Spaß angefangen und wegen des Geldes weitergemacht. Und dann gibt es da noch diejenigen Rapper, die rappen, um Menschen zu beeinflussen.

Ein solcher Rapper ist S. Castro. Im Interview mit RT Deutsch (dumm genug) sagte er auf die Frage, welche Rolle Musik bei seiner politischen Aktivität spiele:

Die Musik spielt für mich ne sehr große Rolle. Und zwar weil ich einfach schon in der Zeit gemerkt habe, wo ich selber noch keine Rapmusik gemacht habe, da hab ich schon gemerkt, dass Musik einen großen Einfluss auf mich und meine Umgebung hat, dass besonders die Jugend sehr krass auf Rapmusik abfährt. Und da habe ich mir gedacht: Wenn es so einen großen Einfluss hat, warum überlassen wir das Feld, als politische Menschen, warum überlassen wir das Feld an Leute, die sowieso nur dieses System beschönigen? Warum übernehmen wir das nicht selber? Warum nehmen wir das nicht selber in die Hand, um den Leuten richtigen Input zu geben? Oder zumindest um sie zum Hinterfragen zu bringen? Deswegen dachte ich mir, dass ich auf jeden Fall selber in der Musik aktiv werden muss.

S. Castro also ist ein Rapper, der einzig und alleine darum rappt, um politische Propaganda zu verbreiten, der Rapmusik gezielt einsetzt, um Menschen dann zu erreichen, wenn sie am leichtesten zu manipulieren sind: in ihrer Jugend. Politische Agititation, das ist sein Ziel, und wie er in „Wir werden sein“ rappt: „Ich kam durch Hass zum Rap“. Ein hasserfüllter Mensch, der durch seinen Rap die Jugend mit seinem Hass beeinflussen möchte. Das ist ja … super.

Nun, ein hasserfüllter, politisch interessierter Mensch – wen hasst so jemand wohl? Vielleicht haben Sie es schon erraten, geneigter Leser: Natürlich die Juden. Äh, pardon, Israel. „Kritisiere sie und du kriegst Antisemiten-Gelaber“, würde S. Castro jetzt wohl sagen, wie er es in „Venganza“ tut. Nun ist es vollkommen absurd, dass jeder, der Israel kritisiert, sofort als Antisemit bezeichnet wird. Natürlich darf und kann Israel kritisiert werden, genau wie jeder andere Staat auf dieser Welt auch. S. Castro aber übt keine Kritik an Israel, sondern er rappt:

Denn ich war, bin und werde immer sein

So wie der Serhildan in Rojava, Intifada in Gaza

Heb‘ die Fahne zum Kampf für den Frieden so wie Guevara

Denn sie zielen und belagern, schießen, stapeln Kadaver

Kritisiere sie und du kriegst Antisemiten Gelaber

Israel und Palästina, ein Riese mit atomarer Artillerie patroulliert aggressiv

Doch im Panorama sieht man wie sie als mutige Krieger

Die Krisen als wahrer Friedenspfarrer besiegen und die fiesen Muslime ballern

Komm, sieh in die Tiefe und du siehst die Propaganda

Wie die Medien dirigieren, Rezeptivität unterwandern

Nun zeugt es schon von verschwörungstheoretischem Denken, „den Medien“ als einer homogenen Masse eine bestimmte Agenda zu unterstellen. Dass diese aber angeblich sei, Israel gut darzustellen, ist schlicht grotesk, berichten doch die meisten deutschen – und auch insgesamt westlichen – Medien sehr antiisraelisch, was sich in ungewöhnlich häufigen NS-Vergleichen und Realitätsverdrehung äußert (auch lesenwert: welt). Dieses Missverständnis über die Rolle „der Medien“ im Nahostkonflikt geht natürlich einher mit der präventiven Beschwerde über Antisemitismusvorwürfe – so weit, so Standard. Doch was kritisert S. Castro denn außer „den Medien“? Eigentlich nichts so recht. Stattdessen behauptet er, Israel würde Gaza belagern und Kadaver stapeln, was nichts anderes als ein etwas schüchterner KZ-Vergleich ist. Sowieso ist es blödsinnig, die Gazablockade als Belagerung zu bezeichnen, denn humanitäre und kommerzielle Güter können durchaus nach Gaza eingeführt werden, und Personen können Gaza betreten und verlassen. Das „Kadaver stapeln“ ist dann nichts anderes als eine Dämonisierung Israels, ein verklausulierter Genozid-Vorwurf, der ebenso unsinnig ist: Im gesamten israelisch-palästinensisch/arabischen Konflikt starben erst 35.000 Palästinenser durch politische Gewalt – das ist ein äußert merkwürdiger Genozid. Insbesondere, da die Bevölkerung in Gaza kontinuierlich zunimmt.

Zudem spricht S. Castro von einer nie vergänglichen „Intifada in Gaza“, worauf die Line folgt: „Heb‘ die Fahne zum Kampf für den Frieden so wie Guevara“. Den Kampf der Hamas gegen Israel als Kampf für den Frieden zu bezeichnen ist grotesk, außer man meint mit „Frieden“ die Vernichtung des jüdischen Volkes – schließlich ist genau dies das Ziel der Hamas (siehe Artikel 7 der Hamas-Gründungscharta – auch in der neuen Charta der Hamas wird die Vernichtung Israels und der Stopp der „Judaisierung“ gefordert). Es passt allerdings, die Hamas und Che Guevara im selben Atemzug zu erwähnen, denn auch Guevara war ein Feind des Individualismus und ein Massenmörder. Die Line ist also in sich stimmig, was sie allerdings nicht besser macht, ganz im Gegenteil.

Aber so ein paar alte, durchgekaute Klischees über Israel zu erzählen, bei denen die große Masse bestätigend nickt, reicht natürlich nicht. Es muss noch ein bisschen deftiger werden, um aufzufallen, um dem Zuhörer ein „hohoho, endlich traut sich mal einer“ zu entlocken, und so rappt S. Castro in „Venganza“ an späterer Stelle: „Faschisten pissen auf das Völkerrecht/ Palästina, Kolonie der Vampire, die Hölle brennt“. Israel als einen faschistischen Staat, der gegen das Völkerrecht verstößt, zu bezeichnen, ist so langweilig und durchschnittlich wie falsch. Besonders widerlich ist an dieser Stelle allerdings das Aufgreifen eindeutig antisemitischer Stereotype, wenn Palästina als „Kolonie der Vampire“ bezeichnet wird. Hier wird sehr deutlich auf die Ritualmordlegende referiert, derzufolge Juden Christenkinder töten, um aus deren Blut Mazzen zu backen, ernähren sich Vampire doch vom Blut ihrer Opfer. Juden als Vampire zu verunglimpfen ist eindeutig antisemitisch, da gibt es keinen Zweifel. Umso erbärmlicher ist nur das präventive Rumgejammere über den völlig zurecht erwarteten Antisemitismusvorwurf.

Wer sich als links versteht und gegen Juden hetzt trägt natürlich auch die dazu passenden Klamotten: So posiert S. Castro auf seinem Facebook-Profil mit einem roten Palästinenser-Tuch verhüllt vor einem Hafen, und trägt dieses Tuch auch in einem Rapvideo. Das Palästinenser-Tuch hat eine eindeutige politische Botschaft: Terror, Unterdrückung des Individualismus, Nationalismus, Islamismus. Gerade der antisemitische und völkische Gehalt dieses Kleidungsstückes führt dazu, dass es auch von Nazis gerne getragen wird. Während die klassisch schwarz-weiße Variante des Palästinenser-Tuches von Anarchisten bevorzugt wird, tragen Kommunisten eher die rote Variante. In der Farbwahl bestätigt sich also, dass S. Castro dieses Tuch nicht einfach so trägt, sondern sich des politischen Gehaltes dieses Kleidungsstückes bewusst ist, passt doch selbst die Farbwahl zu seiner politischen Gesinnung.

Auch im Track „Krieger 2“ trägt S. Castro das rote Palästinenser-Tuch, und während er aggressive Zeilen rappt, hebt die Masse hinter ihm die rechte Faust nach oben – und einer der Kerle trägt eine rote Armbinde. Eine interessante Bildsprache.

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Wer nun wiederum von einer Verschwörung der Medien faselt und gegen Juden hetzt, der weiß natürlich auch, dass diese Welt von irgendjemandem kontrolliert wird: „Eine handvoll Idioten kontrollieren die ganze Welt“, tut er in „Wir werden sein“ kund. Na, wenn er da mal nicht die Juden meint …

Im selben Track rappt S. Castro auch: „die größte Lüge auf der Welt ist die Demokratie“. Damit hat er zwar nicht unrecht; in der Tat ist es fraglich, wie demokratisch die westlichen Demokratien tatsächlich sind. Und ja, in der Tat kann man die Demokratie daher als Lüge bezeichnen, verspricht sie doch Freiheit, Gleichheit, und „Brüderlichkeit“, wo de facto Überwachungsstaat, Rassismus und soziale Ungleichheit und Konkurrenzdruck herrschen. Wer sich aber von Russia Today Deutsch interviewen lässt, einem vom Kreml gesteuerten Propagandasender., der muss sich schon fragen lassen, in welcher Hinsicht denn das faschistische russische System besser sei als die sogenannten westlichen Demokratien. Aber klar, während S. Castro präventiv über Antisemitismusvorwürfe wegen seiner „Israelkritik“ jammert, bezeichnet er im selben Track Kritik gegenüber dem russischen Regime als „Russophobie“. Wenn S. Castro also gut darin tut, die westlichen Demokratien zu kritisieren, so muss sich doch ernstlich gefragt werden, wodurch er sie ersetzen will – und ich vermute ganz stark, dass das nichts Gutes sein wird.

Und wie jeder Putinversteher muss auch S. Castro gegen den Westen hetzen. „Ich buchstabiere euch den Tod: N – A – T – O“, rappt er in „Wir werden sein“. Beständig ist in seinen Texten von imperialistischen Kriegen zu hören, böse Imperialisten da, arme Völker hier – und natürlich erblödet er sich auch, den Anschlag auf das World Trade Center als Inside Job hinzustellen, der von den Amerikanern ausgeführt worden sei, um einen Krieg beginnen zu können („Venganza“). Nun muss man die Machtpolitik der Nato nicht gut finden, um zu erkennen, dass etwa die russische Regierung in Syrien Fassbomben auf Zivilisten wirft oder die Ukraine mit Krieg überzieht, und also auch in keinem Fall als friedlich zu bezeichnen ist. Der Nato schuld an allem zu geben, ist ziemlich blöde; fast noch blöder, als zu glauben, die Nato sei ein humanitäres, nach moralischen Prinzipien handelndes Bündnis zur Wahrung der Menschenrechte.

Es ist als Glück zu bezeichnen, dass S. Castro seit einem Jahr keinen Track mehr veröffentlicht hat. Noch mehr Tracks, in denen Israel dämonisiert, antisemitischer Terror verherrlicht und Verschwörungstheorien verbreitet werden, braucht wirklich keiner.

Erschreckend allerdings ist, dass S. Castro Lehrer wird. Raten sie für welche Fächer – Spanisch, und, natürlich: Geschichte. Da hat wohl jemand neben der Musik noch ein weiteres Feld entdeckt, wo er Jugendliche indoktrinieren kann. Was ein Mensch wie S. Castro im Geschichtsunterricht lehrt, möchte ich glaube ich am liebsten gar nicht wissen.