Sehen Antideutsche scheiße aus? Teil 2

Ein bisschen lang ist es jetzt her, dass ich den ersten Teil dieser Quadrologie schrieb – Hausarbeiten und Lustlosigkeit kamen mir dazwischen. Wie auch immer. Was bisher geschah: Thawra und Kaveh hatten 2015 ein Lied veröffentlicht, in dem sie mit unverhohlenem Antisemitismus die antideutsche Bewegung angriffen. Im ersten Part besticht besonders ein Abschnitt in seiner Deutlichkeit: „Haram, diese Tiere feiern Shuja3ya/ Sie lieben den Tod, sie sind übelst kultiviert/ Sie lieben Israel, denn ihr Geist ist okkupiert“. In drei Versen eine Entmenschlichung, ein Rückgriff auf religiöse Bewertungsmaßstäbe, und auf zwei antisemitische Stereotype – Respekt, da meint es jemand ernst.

Thawra retweetete meinen Artikel zum ersten Part mit dem Kommentar „Hallo, es ist 2017“ (oder so ähnlich, ich habe den Tweet nicht mehr gefunden, vielleicht hat sie ihn gelöscht). Meine Nachfrage, ob das eine halbherzige Distanzierung von dem Track sei, wurde nicht beantwortet – vermutlich ärgert sie sich lediglich darüber, dass Antisemitismus auch nach zwei Jahren noch thematisiert wird, und wollte auf etwas kryptische Art einen Schlussstrich ziehen. Das ist ja so lange her!

Wie dem auch sei; auf das dumme Intro Kavehs und einen Part Thawras folgt die Hook, in der die beiden Interpreten vor zwei Flaggen der palästinensischen Nationalbewegung und zwei roten Flaggen posieren, zusammen mit einer Meute in Palästinenser-Tücher gehüllter Menschen. Einer dieser Menschen ist übrigens Roldán Mendívil, und unter anderem wegen der Beteiligung an diesem Video erhält sie von der Freien Universität Berlin keinen weiteren Lehrauftrag mehr. Tja, dumm gelaufen.

Was rappen Thawra und Kaveh nun in der Hook? Folgende Verse:

Tahya Falastin, tahya Falastin
Kein Frieden mit dem Besatzungsregime
Tahya Falastin, tahya Falastin
Rote Fahnen über Ghazza und Jenin!
Freiheit für Falastin, Freiheit für Falastin
Kein Frieden mit dem Apartheidregime
Freiheit für Falastin, Freiheit für Falastin
Rote Fahnen über al-Quds und Tal Abib!

Israel wird also sowohl als „Besatzungsregime“ als auch als „Apartheidregime“ verunglimpft, was nicht nur die Opfer wahrer Apartheid verhöhnt, sondern zusammen mit der Forderung „Freiheit für Falastin“ offensichtlich die Vernichtung Israels fordert. Obendrein solle auch kein Frieden mit Israel geschlossen werden – offener kann man antisemitischen Terrorismus kaum legitimieren. Wer Frieden mit Israel ablehnt und die „Befreiung“ Palästinas fordert, will nichts anderes als die völlige Vernichtung Israels. Das zeigt auch die Verwendung der arabischen Städtenamen „al-Quds“ und „Tal Abib“ statt „Jerusalem“ und „Tel Aviv“ – die Auslöschung betrifft nicht nur den jüdischen Staat, nicht nur die jüdischen Menschen, sondern sämtliche Aspekte jüdischer Präsenz in Eretz Israel/Palästina. Über diesen Städten sollen „rote Fahnen“ wehen, im Video sind allerdings ebenso viele Fahnen der palästinensischen Nationalbewegung zu sehen. Anscheinend wird also eine Art nationaler Sozialismus gefordert, ein ethnisch reiner Nationalstaat mit (pseudo)sozialistischer/(pseudo)kommunistischer Ausrichtung. Die Querfront lässt grüßen.

Auf dieses Gejohle nach der völligen Vernichtung jeder jüdischen Präsenz in Eretz Israel/Palästina folgt Kavehs erster Part. Er beginnt gleich in dem selben Ton wie Thawra: „Ihre Ideologie geht über Leichen und verursacht Tote“. Während allerdings Thawra rappt, Antideutsche würden den Tod „lieben“, beschränkt sich Kaveh immerhin darauf, das Töten nicht als Selbstzweck, sondern als Begleiterscheinung der unterstellten Ideologie zu bezeichnen. Oder doch nicht – nur ein bisschen später heißt es dann auch bei Kaveh:

Die Empathie ist hinter ihrer Maske verblutet
Ich würds ja gerne sachte versuchen
Doch muss ich ihre Menschenverachtung verfluchen
Sie freuen sich, wenn Israel das Land zerbombt
Es sichert seine Kolonie dadurch, dass die Panzer kommen

Aber nicht nur seien Antideutsche empathielose Gesellen, die den Tod bejubelten – wenn er schon dabei ist, bezeichnet Kaveh natürlich auch noch gleich ganz Israel als „Kolonie“. Was in der Hook schon deutlich wurde, wird hier erneut unter Beweis gestellt: Vom Existenzrecht Israels halten weder Thawra noch Kaveh irgendetwas.

Auf diese Zeilen folgt allerdings auch auf einer rein ästhetischen Ebene der komplette Absturz. Man führe sich diese Reimkette zu Gemüte:

Egal ob von der Osten-Sacken oder BAK Shalom:
Ihre Köpfe sind so hohl wie n leerer Pappkarton
Völlig verloren wie ein entgleister Nachtwaggon
Feiern sie Israel als wäre es ein Marathon

Ok, Köpfe, die hohl wie ein leerer Pappkarton sind – der Vergleich ist nicht sonderlich kreativ, genau genommen ist er sogar ziemlich dämlich. Denn zu sagen, etwas sei hohl wie etwas das leer sei, ist textlich ungefähr auf einem Niveau mit dem Refrain von Bibis „How it ist (Wap Bap)“. Mir fallen spontan ähnlich gute Lines ein, vielleicht hat Kaveh ja Bedarf, er kann sich gerne bedienen:

Hier ist es hell, wie an einem Ort, wo Licht scheint
Es ist als wär der Eingang zu, denn du kommst nicht rein
Wir stehen fest auf dem Boden wie ein Tisch, der nicht wackelt
Du bist es, der hier wie so ein komischer kleiner langgezogener Hund mit kurzen Beinen rumdackelt

Aber Kaveh war mit seiner Reimkette ja noch nicht fertig. Dass es sich um einen „Pappkarton“, nicht um einen „Karton“ handelt, liegt natürlich am Reim – aus dem selben Grund ist es auch ein „Nachtwaggon“, kein „Zugwaggon“, der engleist. Der Vergleich („verloren wie etwas engleistes“) ist nicht nur schief, sondern fast ebenso unterirdisch wie der Vergleich in der Line davor, und die letzte Line dieser Reimkette sprengt nochmal alle Dimensionen der blöden Vergleiche. „Feiern sie Israel als wäre es ein Marathon“ – hä? Ist Israel ein Marathon? Oder bezieht sich der Marathon auf das Feiern? Aber ein Marathon ist doch ein sportlicher Wettbewerb, der sich durch seine zu Fuß zurückzulegende elendlange Distanz auszeichnet, nicht dadurch, dass man unaufhörlich jubelt. Oder bezieht sich das auf die Menschen am Rand, die den Läufern zujubeln? Aber dann wäre das ja ein „jubeln wie jubeln“ Vergleich. Naja, er wollte halt eine sicke Reimkette. Und wenn die Endreime inhaltlich eigentlich absolut nicht zusammenpassen, dann wurstet man das eben mit billigen Vergleichen hin. Wie ein Anfänger. Ich dachte Kaveh würde schon länger Rap machen?

Nach dem Beweis seiner Inkompetenz in Sachen Rap geht es dann auch mal wieder inhaltlich voran. Natürlich würden Antideutsche Muslime hassen, wären eigentlich selber total deutsch – naja, unkreativer als die depperten Vergleiche vorher kann es nicht mehr werden. Aber natürlich muss Kaveh noch schnell ein „Kauft nicht bei Juden“ raushauen: „Ich geb n Scheiß drauf, dass ich euch schockier/ Nur weil ich die Produkte Israels boykottier“. Schockieren dürfte das nur die wenigsten Leute – es widert mich an, wundert mich gleichzeitig aber nicht. Nur wer sich über die Virulenz des Antisemitismus nicht im Klaren ist und mit deutschem Rap selten bis gar nicht in Berührung kommt, würde sich über antisemitische Aussagen bei deutschen Rappern wundern, oder von diesen gar schockiert sein. Hm, naja – „euch schockier“ reimt sich eben ganz gut auf „boykottier“, sogar ohne dämlichen Vergleich.

Interessant ist an der Aussage von Kaveh übrigens besonders Folgendes: Anders als es normalerweise bei Antisemi- äh, Antizionisten der Fall ist, bezieht sich Kaveh nicht auf Produkte aus jüdischen Städten in Judäa und Samaria (sog. „Siedlerprodukte“), und redet sich also auch nicht damit heraus, er boykottiere ja nur ganz bestimmte Übeltäter und keinesfalls pauschal alle Juden in Eretz Israel/Palästina. Stattdessen ist es ganz explizit alles aus Israel – und wer würde daran zweifeln, damit sei nur alles jüdische in Israel gemeint, wo ihm doch an der palästinensischen Sache so viel liegt? Dies allerdings dürfte vor dem Hintergrund seiner Vernichtungsfantasien gegenüber Israel nur die wenigsten wundern. Und schockieren schon gar nicht.

Werbeanzeigen

„Die machen einen halt mundtot“ Oder: „Hoho, er hat Jude gesagt“

Nachdem Kollegah sich mit Kat Kaufmann und Shahak Shapira traf, um sich von ihnen die Absolution erteilen zu lassen, legte er gleich nach, dieses Mal in seinem Tourblog. Im Video vom 23.3.2017 über den Auftritt in Hannover greift er gleich zwei Themen auf – seine Homophobie, und seinen Antisemitismus.

Fast sechs Minuten Belanglosigkeit muss man skippen, um zu der ersten relevanten Stelle zu kommen; und bei dieser bin ich mir nicht sicher, ob Kollegah dabei auf das Gespräch mit Kaufmann und Shapira anspielt, oder ob er einfach nur ein unfassbar stumpfer  Schwulenhasser ist.

Die ganze Sache läuft wie folgt ab: Seyed – der in den Tourblogs dabei ist, um ein wenig von Kollegahs Fame abzukriegen – und Kollegah selbst stehen vor dem Auftritt in einem Treppenhaus. Seyed sagt zu Kollegah: „Bist du eigentlich auch so nervös?“ Beide lachen. Dann Kollegah, kichernd: „Wie schwul.“

Der Verdacht liegt nahe, es handele sich hier um eine Referenz auf das Persilschein-Gespräch, da in diesem Kollegah ein, äh, interessantes Beispiel nutzte, um zu zeigen, warum ja das Wort „Schwuchtel“ nicht homophob sei. Dort sagte Kollegah (ungefähr bei Minute 14:20 in diesem Video):

Wenn ich jetzt zu Seyed sage, wenn er sich irgendwie gerade, weiß ich nicht … Er ist im Tourbus, und er stößt sich den kleinen Zeh und sagt ‚aua‘, dann sagt man: ‚Heul nicht rum du Schwuchtel.‘ So. Ist man deswegen homophob?

Eine strunzdumme rethorische Frage, die man trotz ihrer Eigenschaft als rethorische Frage sehr gerne mit „Ja – und wer hat dir eigentlich ins Hirn geschissen?“ beantworten würde. Denn jeder denkende Mensch muss eigentlich die dieser Frage zu Grunde liegende Hommophobie glasklar erkennen. Nun, wie dem auch – in dem von Kollegah benutzen Beispiel ging es um Seyed, und wie er als „Schwuchtel“ beleidigt wurde, und im Tourblog ist es ebenfalls Seyed, der, dieses Mal tatsächlich, als „schwul“ beleidigt wird.

Eine Referenz könnte es daher sein, nur würde sich die Frage stellen: Warum ausgerechnet auf diese Sequenz des Persilschein-Gespräches rekurieren? Nicht einmal Kollegah und Seyed können so merkwürdig sein, dieses Beispiel noch im Nachhinein für eine gelungene Argumentation zu halten. Und Shapira (geschweige denn Kaufmann) war auf dieses Beispiel auch – komischerweise – überhaupt nicht eingegangen („Ne, aber ich rede ja von was ganz anderem“), sondern ist gleich zum nächsten Thema gehüpft. Der Grund für eine Referenz scheint also nicht unbedingt gegeben.

Vielleicht ist Kollegah halt einfach ein stumpfer Schwulenhasser, und das ist tatsächlich sein alltäglicher Sprachgebrauch. Das würde – nach der Aktion in Leipzig, die auch nicht das erste Mal war, dass Kollegah jemanden zusammengeschlagen hat – ein weiteres Mal zeigen, wie wenig die von Kollegah in seinen Tracks transportierten Werte und sein tatsächliches Weltbild auseinander liegen.

Hat man sich nach den ersten fünf geskippten Minuten die sechste angetan, geht es in der siebten nicht minder erschreckend weiter. Kollegah trifft nach dem Konzert einen Fan, um sich mit diesem zu unterhalten. Die ganze Atmosphäre dieses Gespräches erzeugt Fremdscham, haben die beiden doch offensichtlich zu Beginn wenig Ahnung, worüber sie jetzt eigentlich sprechen sollen, und es kommt eine gezwungene Halbunterhaltung über das Dog-Tag des Fans – das diesen als Kollegah-Fanboy outet, aber wen überrascht das schon – herum. Um die unangenehmen Gefühle zu minimieren, die der Zuschauer unweigerlich erleiden muss angesichts einer solch gezwungenen Konversation, gibt es dann einen Cut, und man hört, wie die beiden sich über Israel unterhalten. Auweia. Kollegah beklagt sich gleichmal, er käme ja gar nicht mehr nach „Palästina“, aber es gebe ja Schleichwege. Daraufhin enwickelt sich folgende Gesprächssequenz:

Fan: „Ich habe mir gestern noch das angeguckt was du gemacht hast, mit den, äh … mit den … Kat Kaufmann …“

Kollegah: „Mit den zwei Juden da.“

Fan (lacht, sagt dann, immernoch lachend): „Ja, genau“

Wer bei dem Wort „Jude“ schon so ein „Hoho, er hat ‚Jude‘ gesagt“ loslässt, hat offensichtlich eine andere Einstellung gegenüber Juden denn gegenüber anderen Religionsgemeinschaften. Oder würde er bei dem Wort „Christ“ ebenso lachen? Aber was ist denn am Wort „Jude“ so spektakulär? Jude, Jude, Jude. Kommt jetzt irgendwer und steinigt mich?

Offensichtlich hat dieser junge Mann also eine etwas verklemmte Ansicht bezüglich Juden, auf jeden Fall löst dieses Wort etwas in ihm aus, und zwar den Reiz des Tabubruches. Aber wie es dann weitergeht ist ja noch viel spannender. Der Typ regt sich nämlich im nächsten Atemzug darüber auf, er trenne ja strikt zwischen Juden und Zionisten und hätte nichts gegen Juden, sondern nur gegen Zionisten, aber es käme dann immer jemand und würde einen als Antisemit bezeichnen. Äh, bitte was?

Das ist an sich schonmal ein interessanter Sprung von „über das Wort ‚Jude‘ lachen, als hätte man heimlich genascht“ zu „Zionisten sind doof“ – aber das mag der Thematik des Persilschein-Gespräches geschuldet sein. Zudem stellt sich aber auch die Frage: Warum hat der Kerl was gegen Zionisten? Weiß er überhaupt, was Zionismus bedeutet? Wenn er es nicht weiß, und es dennoch mit etwas Negativem assoziiert, dann zeigt das höchstwahrscheinlich Antisemitismus. Und wenn er es doch weiß, dann frage ich mich – warum hat er nur etwas gegen die jüdische Nationalbewegung? Was ist an dieser denn so schlimm? Und ist es nicht vielmehr so, dass die jüdische Nationalbewegung auf dieser Welt eine der wenigen ist, die überhaupt einen vernünftigen Grund hat?

Kollegahs geistreicher Kommentar zu der Aussage seines Fanboys ist übrigens: „Die machen einen halt mundtot damit.“ Ahja, Kollegah, wie gut das mit dem „mundtot“ machen funktioniert, sieht man ja an deinen bestens besuchten Konzerten, an deinem Gespräch mit Shapira und Kaufmann, das schon jetzt über 250.000 Aufrufe auf Youtube hat, an deinem baldigen Auftritt beim Afrika-Karibik-Festival, an deiner „Doku“, die schon über 1,3 Mio Aufrufe auf Youtube hat, man sieht es daran, dass du mit der Single „Legacy“ Gold gegangen bist, dass du mit deinen Alben „Zuhältertape Volume 4“ und „Imperator“ Gold, und mit „King“ sogar dreifach Gold gegangen bist. Es ist ja wirklich furchtbar, wie man dich mundtot macht!

Mir drängt sich überdies die Frage auf: Wer sind „die“?

Aber der Fanboy setzt dem Ganzen noch die absolute Krönung des Unwissens auf:

Kollegah: „Man muss ja jede Politik kritisieren dürfen auf der Welt.“

Fan: „Würde man meinen, aber das ist ja auch in den staatlichen Medien ist es so, ne, sobald da was kommt, da wird die Kamera dann wieder weggeschwenkt, ne, wenn gerade wieder Gaza bombardiert wird.“

Offensichtlich guckt dieser Typ weder Tagesschau noch Heute Journal noch sonst irgendein Nachrichtenformat der Öffentlich-Rechtlichen, sonst wüsste er, was für einen Schwachsinn er da gelabert hat. Aber das sind eh die Witzigsten: Diejenigen, die sich über Medien ereifern, aber dort niemals einen Blick reinwerfen.

Sehen Antideutsche scheiße aus? Teil 1

Im deutschen Rap-Geschäft kommt es ja immer gut, ein wenig gegen Israel zu hetzen. Warum das so ist? Nun, mit stumpfer Israel-Hetze erreicht man ganz gute Medienaufmerksamkeit, man bekommt seinen kleinen Skandal, weil sich Leute über einen aufregen, aber so wirklich Probleme bekommt man nicht, denn Israel-Hass ist ja heutzutage irgendwie schick. Die jugendliche, meist muslimisch geprägte und sozial abgehängte Käuferschicht (die deutscher Rap nunmal überwiegend hat), die in dem Hass auf Israel und arabischem Nationalismus eine Flucht aus der Ohnmacht findet, applaudiert, und kauft kräftig das Album. Aufmerksamkeit und Geld – das ist alles, was der durchschnittliche Rapper haben will.

Und da spielt es dann auch keine Rolle, ob der/die Rapper(in) nun linksradikal, ein Macho und/oder ein(e) islamistischer Fundamentalist(in) ist. Bei Israel sind sie sich alle einig: Israel ist böse – und natürlich an allem Schuld.

Auch Kaveh und Thawra profilieren sich über Israel-Hass. In ihrem Lied „Antideutsche / Tahya Falastin“ bringen sie ihren Hass gegenüber allem, was nicht gegen den Staat Israel ist, zum Ausdruck. O-Ton Thawra: „Ich wollte vor allem erstmal meinen Hass auf die Antideutschen zeigen und deutlich machen.“

Interessant ist dabei zuallererst die Verwendung des Wortes „antideutsch“ als antisemitischer Kampfbegriff. Im Intro sagt Kaveh:

Viele Linke, die sich selbst nicht als Antideutsche sehen, benutzen trotzdem antideutsche Argumente. Antideutsche solidarisieren sich unkritisch mit Israel und den USA. Für sie ist Antizionismus gleichbedeutend mit Antisemitismus.

Für Kaveh definiert sich „antideutsch“ also zuallererst – das macht auch der Text des Liedes deutlich, in dem es fast ausschließlich um Israel geht, klar – über die Solidarität zum jüdischen Staat. Wenn er nun sagt, auch nicht antideutsche Linke würden „antideutsche Argumente“ benutzen, verkommt das Wort „antideutsch“ zu einem Kampfbegriff – einem Kampfbegriff, der all das diffamieren soll, was gegen Antizionismus ist. Dass Israel-solidarische Linke, vollkommen unabhängig zu ihrer tatsächlichen Positionierung zum Thema Deutschland, als „antideutsch“ bezeichnet werden, überträgt antisemitische Stereotype auf all jene, die sich gegen Antizionismus einsetzen. Denn jedem, der Israel-solidarisch ist, wird so vorgeworfen, ein „Vaterlandsloser Geselle“ zu sein, einer, der nicht loyal zu Deutschland, sondern nur loyal zum jüdischen Staat ist. Diese antisemitische Denke schlägt sich also in Kavehs Benutzung des Wortes „antideutsch“ nieder.

Die von Kaveh im Intro begonnene Übertragung antisemitischer Stereotype auf all jene, die sich gegen Antizionismus einsetzen, führt Thawra fort. „Sie lieben den Tod, sie sind übelst kultiviert“ rappt Thawra über Antideutsche. Die Unterstellung von Blutdurst und Arroganz ist ein Jahrhunderte altes antisemitisches Stereotyp, und wird hier nicht zufällig auf Israel-solidarische Menschen übertragen.

Und Thawra macht gleich munter weiter mit der Diffamierung von Antideutschen: „Haram, diese Tiere feiern Shuja3ya“ rappt sie – Dehumanisierung gleich innerhalb der ersten fünf Verse, na, das geht ja gut los! Leider habe ich keine Ahnung, was „Shuja3ya“ meint, dabei feiere ich Tier als Verwender „antideutscher Argumente“ das doch angeblich. Interessant ist hier allerdings neben der Dehumanisierung auch der Rückgriff auf islamische Kategorien zur Verurteilung des Gegners. „Haram“ wird den Antideutschen entgegengeschleudert – wer aber religiöse Kategorien als Maßstab für Gut und Böse heranzieht, der geht eine unheilige Allianz mit der Religion ein. Kommunistisch ist ein solches Anbiedern bei Klerikalen gewiss nicht. In der Religion entscheidet Gott darüber, was richtig und was falsch ist, und sein Urteil darf von Menschen nicht angezweifelt werden – schließlich ist Gott der anbetungswürdige, Unterwerfung fordernde Allwissende. Gott in Zweifel zu ziehen bedeutet Gott erniedrigen. Wenn Gott aber definiert, was Gut ist und was Böse, so entziehen sich diese Kategorien jeder Logik. Der Erfinder Gottes diktiert, was gut ist und was nicht, der Mensch ist entmachtet. So wird der Mensch Untertan der Religion. Wenn also Thawra das Wort „haram“ als abwertende Beschreibung Antideutscher verwendet, so offenbart sie, wie fremd ihr – zumindest in Bezug auf Israel und Juden – sowohl Rationalität als auch Kommunismus sind.

Dieser Eindruck verstärkt sich nur, beachtet man folgende Zeile von Thawra: „[Antideutsche] Sind für Zivilisation gegen den Islam“. Nun, selbstverständlich sind Antideutsche für Zivilisation – und welcher vernünftige Mensch ist das nicht? Und ja, da Kommunisten antiklerikal sind – was Thawra wohl zu begreifen partout nicht im Stande ist – sind sie auch gegen den Islam. Ebenso, wie sie gegen jede Religion sind, ob es nun Christentum, Judentum, olympische Götter oder was der Geier was ist.

Ein Denkfehler, der sich über das gesamte Lied erstreckt, offenbart sich schon innerhalb der ersten beiden Verse. „Ich hasse Antideutsche sehen alle scheiße aus/ mit ihren Stars and Stripes und ihrem Weiß und Blau“, rappt Thawra, polemisiert also gegen Antideutsche als angebliche Nationalisten. Dabei heißt das Lied, in dem sie diese Anschuldigung äußert „Tahya Falastin“, also „Freiheit für Palästina“, und in der Hook werden die Fahnen der palästinensischen Nationalbewegung geschwenkt. Auch das Tragen von Palästinenser-Tüchern – ganz dezidiert als politische Botschaft, wird in dem Track doch der Verbot dieses Tuches in antideutschen Clubs bemängelt – durch Thawra und Kaveh zeigt, wie sehr diese sich selbst vom Nationalismus distanzieren. Nämlich gar nicht.

screenshot-279

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=LpWzpLepDjo

Antideutschen aufgrund des Tragens von „Stars and Stripes und ihrem Weiß und Blau“ Nationalismus vorzuwerfen, während links und rechts von einem die Palästina-Flaggen wehen, ist schlichtweg absurd, und es muss sich die Frage gestellt werden, ob hier Dummheit oder Bosheit am Werk ist.

Ebenso widersprüchlich äußert sich Thawra, wenn sie zunächst den Antideutschen vorwirft: „Der deutsche Staat als Feind interessiert keine Sau“, dann aber nur ein paar Verse weiter behauptet, Antideutsche hätten „Komplexe wegen Opa in Stalingrad“. Ja, was denn nun – sind Antideutsche gegen Deutschland, oder nicht? Interessieren sie sich für Deutschland, oder nicht? Dass Thawra hier zudem auf den angeblichen „Schuldkult“ Bezug nimmt, ist offensichtlich, und zeigt ihre fatale Einstellung zur Holocaust-Bewältigung und -Erinnerung. Es würde nicht verwundern, käme als nächstes die Äußerung, Deutschland befände sich unter der Knute der Juden/Israelis.

Und tatsächlich, so ist es. „Sie lieben Israel, denn ihr Geist ist okkupiert“, rappt Thawra allen Ernstes (an dieser Stelle sei an die Verwendung des Wortes „antideutsch“ als antisemitischer Kampfbegriff sowie die Übertragung antisemitischer Stereotype auf Israel-solidarische Menschen erinnert). Wo man nun früher von „Goi“ oder „Judenknechten“ sprach, okkupieren heute die Israelis den deutschen Geist. Man könnte es fast für einen Witz halten, für Satire, aber die Frau meint das tatsächlich ernst. Und wenn sich schon nach gerade einmal sieben Versen der unverhohlene, affektiv ausgedrückte Judenhass Bahn bricht, vergeht mir wirklich jede Lust, den Track bis zum Ende durchlaufen zu lassen. Wann kommt das Feature mit MaKss Damage? Man könnte ja zusammen ein bisschen „Giftgas in jüdische Siedlungen leiten“, dann würde bestimmt auch die Okkupation des deutschen Geistes beendet. Thawra und MaKss Damage würden sich bestimmt prächtig verstehen – eine musikalische Querfront, juhu. Die Erklärung, Thawra brauche „keine Querfront um für Freiheit zu kämpfen“ offenbart immerhin, dass sie sich ihrer ideologischen Nähe zu Nazis durchaus bewusst ist, befände sie es doch sonst nicht für nötig, sich halbherzig und oberflächlich von diesen abzugrenzen.

Vollkommen irrational wird Thawra, wenn sie den Antideutschen vorwirft, „die Atombombe auf den Iran“ zu fordern. Hier finden wir Täter-Opfer-Umkehr par excellence: Obwohl es die iranische Regierung ist, die die Vernichtung Israels immer wieder lautstark ankündigt, wird so getan, als wäre es Israel, bzw. die Antideutschen, die den Iran vernichten wollen. Kein Antideutscher fordert die Atombombe auf den Iran. Vielmehr muss die iranische Opposition gestärkt werden, um die wahnsinnige Theokraten des iranischen Regimes zu stürzen. Die sind nämlich das Problem, nicht der durchschnittliche Iraner.

Während Thawra also vorbei an der Realität Antideutschen Vernichtungsfantasien unterstellt, hegt sie selbst ebensolche gegen die antideutsche Bewegung: „Mir gehts gut, denn die Strömung wird bald verschwinden:/ Antideutsche sind keine Linken.“

Antideutsche seien also überdies keine Linken – dies von einer sich Klerikalen anbiedernden Antisemitin zu hören ist irgendwo zwischen „interessant“, „lustig“ und „erschreckend“.

Soviel zum ersten Part dieser antisemitischen Hetzpropaganda. Die Teile 2, 3 und 4 folgen alsbald.

„Rap Slap“ – uninformiert, dumm, oder antisemitisch?

Nachdem einige Hip-Hop-Medien über die Antisemitismus-Affäre des Herrn Kollegah derartig berichteten, dass man schon beinahe von Fake-News sprechen könnte, schlägt der Youtube-Kanal „Rap Slap | Deutschland Rap News“ dem Fass den Boden aus. In dem Video „Kollegah steht wieder in der Kritik | Julien & Webber alles Fake? | Chakuza pleite?“ verdreht Rap Slap die Fakten beinahe bis zur Unkenntlichkeit und begibt sich auf argumentative Abwege, die ihresgleichen suchen.

Nicht nur glaubt Rap Slap, die im Offenen Brief des Zentralrates der Juden und anderer jüdischer Organisationen genannten Lines, die die Frauen- und Schwulenfeindlichkeit Kollegahs aufzeigen, würden in diesem Brief als Argument für Kollegahs Antisemitismus benutzt. Nein, er behauptet überdies auch noch, Kollegah werde mit der Begründung, er sei in Palästina gewesen und hätte dort den Menschen geholfen, Antisemitismus vorgeworfen. Dann darf natürlich ein Gejammere über Political Correctness nicht fehlen, und eine Prise Frauenfeindlichkeit ist auch noch drinn, wenn Frauen, die im Sommer gerne Haut zeigen, als „Nutten“ bezeichnet werden.

Wie man dieser kurzen Zusammenfassung schon entnehmen kann, hat Rap Slap es grundsätzlich nicht mit neutraler Berichterstattung – nein, Rap Slap ist ein Kanal, der davon lebt, sich bei Kollegah und Sun Diego einzuschmeicheln. Schließlich macht er mit News hauptsächlich über diese beiden Rapper seine Aufrufe, wie schon ein Blick auf die Titel seiner letzten 24 Videos zeigt; in fast jedem Titel taucht entweder „Spongebozz“, „Sun Diego“ oder „Kollegah“ auf.

RapSlap Clickbait.png

Es ist also in seinem Interesse, dass die Fanboys dieser beiden Künstler seine Meinung über diese Künstler gut finden – sonst fehlt es bald an Klicks. Zudem arbeitet Rap Slap eng mit dem Kanal Koenichsklasse zusammen, ein Kanal, der Alexander von Koenichsteyn gehört. Dieser war intensiv in die Promophase zu Kollegahs Album „King“ involviert und produzierte die Videos für Kollegah. Die Verbindung hält noch immer an – so ist auf Koenichsteyns Facebook-Seite der YT-Kanal Bosshaft TV verlinkt, der wiederum Kollegah gehört; auch benutzt Koenichsklasse die Beats von BosshafteBeats, den Beatproduzenten von Kollegah. Ein Schelm, wer denkt, Rap Slap wolle sich so dem Klientel des Herrn Kollegah anbiedern.

Nun ist es also nicht verwunderlich, dass Rap Slap für Kollegah Partei ergreift. Doch die Frage, wie das getan wird, ist ja entscheidend.

Rap Slap beginnt sein Geschimpfe über den Zentralrat der Juden mit folgender Aussage über dessen Offenen Brief, die der geneigte Leser im Hinterkopf behalten sollte: „Hier werden Sachen aus dem Zusammenhang gerissen, wo man sich echt fragen muss, ob die Leute überhaupt in irgendeiner Form recherchiert haben.“

Nun kommt Rap Slap zunächst mit dem langweiligen, allerdings in ziemlich empörtem Tonfall vorgetragenen „Argument“, die Line „Ich leih dir Geld, doch nie ohne nen jüdischen Zinssatz mit Zündsatz“ sei ja überhaupt nicht von Kollegah und dieser daher kein Antisemit. Bis zu dem Gedanken, dass Kollegah durchaus auch für die Texte seiner Feature-Parts auf seinem Album Verantwortung trägt, ist Rap Slap anscheinend nicht durchgedrungen. Kollegahs fehlender Einwand gegen judenfeindliche Lines ist selbst schon judenfeindlich – von wem genau die Line gesagt wurde, spielt eine untergeordnete Rolle, Fakt ist, sie ist auf Kollegahs Album.

Es folgt dieser denkwürdige Ausspruch: „Dazu werden – in Anführungszeichen – frauenverachtende Lines aufgeführt – was hat das jetzt mit der Thematik zu tun? Selbst wenn die Lines ernst gemeint wären – wo ist das jetzt Antisemitismus?“

Oh man, da fehlen einem echt die Worte … Das kann, das darf doch nicht wahr sein … Rap Slap glaubt nicht ernsthaft, die vom Zentralrat der Juden zitierten misogynen Lines sollten den Vorwurf des Antisemitismus stützen, oder? Bitte, das muss doch ein Scherz gewesen sein! Aber … nein. Offensichtlich hat Rap Slap den Offenen Brief entweder überhaupt nicht gelesen, oder war zu dumm, ihn zu verstehen.

Rap Slap treibt hier die Reduktion der Vorwürfe des Zentralrates auf die Spitze. Wo andere Medien die Kritik des Zentralrates verkürzt als Antisemitismus-Vorwurf bezeichnen, und die Vorwürfe des Rassismus, der Misogynie und der Homophobie schlicht unter den Tisch fallen lassen – vermutlich mit dem Hintergedanken, Antisemitismus-Vorwürfe wären das spektakulärere, skandalträchtigere, klickstärkere Thema – nimmt Rap Slap diese Vorwürfe nicht mehr als eigene Vorwürfe wahr, sondern deutet sie zu Argumenten für den Antisemitismus-Vorwurf um. Das ist Realitätsverzerrung, das sind Fake-News par excellence. Und eine solch dumme und/oder uninformierte Person wirft nun dem Zentralrat der Juden vor, schlecht recherchiert zu haben – es wäre zum Kaputtlachen, könnte man die fatale Wirkung dieses Videos außer Acht lassen.

Obendrein sagt Rap Slap auch noch allen Ernstes, die zitierten Lines seien „in Anführungszeichen“ frauenfeindlich – ganz so, als könne man bei der Line „Hure eins und Schlampe zwei, ich vergewaltige euch brutal“ davon ausgehen, dies sei nicht frauenfeindlich gemeint. Aber ne, Vergewaltigungen sind ja Komplimente, und Bezeichnungen wie „Hure“ und „Schlampe“ nett gemeint … oder so.

Doch natürlich belässt es Rap Slap bei dieser einen Dummheit nicht. Nein, ganz tollkühn prescht man nun hervor: „Und mal nebenbei bemerkt, lieber Zentralrat der Juden: Was ist denn bitte so schlimm daran, wenn man die israelische Politik kritisiert? Ist man dann automatisch ein Judenhasser?“

Nein, natürlich ist man nicht automatisch ein Judenhasser, wenn man die israelische Politik kritisiert. Aber was genau hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Rap Slap bezieht sich hier wohl auf die angebliche Antisemitismus-Keule, die auf jeden niederschmettern würde, der Israel kritisiere. Dieser imaginisierte Tabubruch der Israelkritik ist kompletter Unsinn – oftmals völlig überzogene Kritik an Israel ist in Deutschland ohne weiteres gesellschaftfähig, was schon jeder weiß, der ab und zu mal eine Zeitung liest. Die Antisemitismus-Keule-Keule ist allerdings längst etabliert: Jeder, der gegen Israel hetzt, zieht sich bei berechtigten Antisemitismus-Vorwürfen darauf zurück, es würde ja jede Kritik an Israel gleich als Antisemitismus bezeichnet. Das ist praktisch, erspart es dem Israelhasser doch eine sachliche Diskussion, an deren Ende er um so deutlicher als Antisemit entlarvt wäre.

Die Antisemitismus-Keule-Keule ist ein wirksames Instrument. Mit ihr lässt sich jeder antizionistische Antisemitismus gegen jedwede Kritik immunisieren. Darum will Rap Slap sie wohl auch für diesen Fall anwenden. Blöd nur, dass der Zentralrat der Juden an keiner Stelle seines Offenen Briefes auch nur irgendwie auf Israelkritik eingeht. Nicht einmal die umstrittene „Doku“ von Kollegah, diese Mischung aus Albumpromo und Israelhetze, wird vom Zentralrat erwähnt. Und ich wiederhole: Eine so dermaßen dumme und/oder uninformierte Person wirft nun dem Zentralrat der Juden vor, schlecht recherchiert zu haben. Ich schwanke mittlerweile zwischen Lachen und Weinen.

Im Anschluss an die Kollegah-Thematik folgt dann ein Gejammere über die „weichgespülte Scheißwelt“, in der man ja nichts mehr sagen dürfe, ohne dafür „an den Pranger gestellt“ zu werden. Nun muss man wirklich fragen, wer hier weichgespült ist: Derjenige, der Kritik übt, oder derjenige, der mit dieser Kritik nicht klar kommt? Wäre nicht gerade eine Welt, in der niemand für irgendetwas kritisiert wird, eine „weichgespülte Scheißwelt“?

Oh, und natürlich kann Rap Slap es nicht fassen, dass Feministinnen ihm Frauenfeindlichkeit vorwerfen, wenn er sagt, „dass Frauen im Sommer fast wie Nutten aus dem Saunaclub rumlaufen“. Vollverschleierung jetzt! Oder was will Rap Slap mit diesem intellektuellen Absturz ausdrücken? Ganz ehrlich: Wer glaubt, allen Frauen pauschal vorwerfen zu können, sich im Sommer zu freizügig zu kleiden, der hat offensichtlich ein Problem mit weiblicher Selbstbestimmung. Der Körper eines jeden Menschen gehört nur ihm selbst, und so gehört auch der Körper einer Frau nur ihr selbst – und natürlich darf sie im Sommer so knapp bekleidet rumlaufen, wie sie will, denn es ist ihre Sache, ob sie ihren Körper zeigt oder nicht. Doch obendrein sämtliche (!) Frauen als „Nutten aus dem Saunaclub“ abzuwerten kann überhaupt nicht anders als frauenfeindlich genannt werden.

Es ist bei dem Unsinn, den Rap Slap in diesem Video erzählt, kein Wunder, dass ein Kommentar wie dieser Topcomment ist:

rap-slap-antisemitismus

„Ich will ja keinen Zusammenhang unterstellen, aber die Juden …“

Es gibt ein großes Geplärre um den diesjährigen Hessentag. So sollte es während des Hessentages auch die „Rap-Night“ geben, bei der Genregrößen wie Kollegah, Azad und Eko Fresh auftreten sollten. Doch nachdem zahlreiche jüdische Organisationen einen Beschwerdebrief an den Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) geschickt hatten und darin die Homophobie, die Misogynie und den Antisemitismus Kollegahs kritisiert hatten, beugte Burghardt sich dem Druck – das Konzert wurde vorerst abgesagt. Vernünftiger wäre es gewesen, Leute wie Kollegah von vornherein nicht einzuladen, wie die Mehrheit der SPD sowie fast die gesamte LINKE es vor hatte, doch in der CDU hat man mit homophoben, misogynen Antisemiten offensichtlich erst dann ein Problem, wenn sie massiv kritisiert werden.

(Quellen: Jüdische Allgemeine, FAZ)

Neben diesem eigentlichen Skandal, also dem Verhalten vor allem der CDU, hängen mit diesem Vorfall noch zwei weitere Skandale zusammen. Da wäre zum einen die Berichterstattung der Hip-Hop-Medien (sicher nicht aller, aber einiger) über das Vorkommnis; exemplarisch seien hier hiphip.de und RapUdate.de genannt.

So titelte RapUdate.de am 1. Februar, als die Kritik an Kollegah bekannt wurde: „AUFTRITTSVERBOT FÜR KOLLEGAH? SIE WÄREN DARAN SCHULD!“ Der Artikel selbst ist nicht sonderlich problematisch – wie auch, bei knapp fünf Zeilen Text. Darin wird relativ sachlich geschildert, was denn nun passiert ist, und es wird auch nicht darauf hingewiesen, dass die Organisationen, die Kollegahs geplanten Auftritt kritisiert hatten, jüdisch sind. Allerdings folgt auf den Text ein Screenshot vom offenen Brief, wo oben sehr deutlich „Zentralrat der Juden in Deutschland“ steht, ebenso wie die weiteren jüdischen Organisationen aufgeführt sind. Es ist also durch den übergroßen Screenshot auch ohne explizite Erwähnung im Artikeltext selber sofort ersichtlich, von wem das „AUFTRITTSVERBOT“ erwirkt sei. Und genau dadurch wird die Überschrift des Artikels so problematisch: „SIE“, also die jüdischen Organisationen, woraus schnell „die Juden“ gemacht werden, „WÄREN DARAN SCHULD“, dass Kollegah angeblich „VERBOTEN“ wird, aufzutreten. Dabei gibt es ja de facto gar kein Auftrittsverbot – eine Konzertabsage ist schließlich etwas anderes als ein Auftrittsverbot für Kollegah. Dass es nicht die Kritiker sind, die an der Absage des Konzertes schuld wären, sondern die Homophobie, Misogynie und der Antisemitismus von Kollegah, kommt der RapUpdate.de-Redaktion zudem überhaupt nicht in den Sinn. Nein, für sie wären die Juden die Schuldigen, diejenigen, die jemanden mundtot machen wollen.

Der heutige Artikel von RapUpdate.de zum Thema ist ebenso problematisch. „KOLLEGAH VERFASST OFFENEN BRIEF AN ZENTRALRAT DER JUDEN!“ , heißt es in der Überschrift, und im Artikel (der nur aus einem Bild von Kollegah, einer Bildunterschrift und dem folgenden Satz besteht (soviel zur Qualität dieses Mediums)): „In einem Antwortbrief, welcher RapUpdate.de exklusiv vorliegt, rückt Kollegah die ganze Sache ins rechte Licht und bietet sogar eine offene Diskussionsrunde an.“

Objektiv ist hier überhaupt nichts. Die Meinung Kollegahs wird hier als Faktum dargestellt. Er rückt „die ganze Sache ins rechte Licht“, weiß man bei RapUdate.de – was theoretisch in Ordnung wäre, wäre dieser Artikel als Meinungsbeitrag gekennzeichnet. Das ist er aber nicht.

Doch während RapUpdate.de ohnehin wenig mehr als die Bild-Zeitung der Hip-Hop-Szene ist, enttäuscht besonders hiphop.de durch eine katastrophale Berichterstattung. Ein Artikel vom gestrigen Tage zum Thema ist übertitelt mit: „Antisemitismus-Vorwurf: Offener Brief soll Kollegah-Konzert doch noch verhindern“ . Auch hier ist zunächst eine Fehlinformation enthalten, oder zumindest eine Tatsachenverdrehung: schließlich soll nicht ein Kollegah-Konzert verhindert werden, sondern lediglich der Auftritt von Kollegah – ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Zudem werden die Kritikpunkte der jüdischen Organisationen auf den Vorwurf des Antisemitismus reduziert. Zwar werden im Artikel selbst dann auch die Homophobie und Misogynie erwähnt, doch ist die Überschrift eines Artikels prägend für die Rezeption des gesamten Artikels, lenkt also das Augenmerk auf einen ganz bestimmten Sachverhalt. Indem der Titel ausschließlich den Antisemitismus-Vorwurf aufgreift, reduziert er die Kritik in einem verfälschenden Maße – so, als hätten die jüdischen Organisationen kein Problem mit Homophobie und Misogynie, und würden sie erst bei Antisemitismus Alarm schlagen. Dem Leser wird zudem vermittelt, im offenen Brief der jüdischen Organisationen sei der Antisemitismus Hauptthema gewesen – was schlicht nicht der Fall ist.

Im Artikel selbst heißt es dann:

Fairerweise muss allerdings klargestellt werden, dass die [vom Zentralrat der Juden in Deutschland, Anm. d. Verf.] aufgeführte Zeile „Ich leih‘ dir Geld, doch nicht ohne ’nen jüdischen Zinssatz mit Zündsatz“ nicht von Kollegah selbst stammt, sondern von Favorite aus dem gemeinsamen Track Sanduhr, der 2014 veröffentlicht wurde.

Ja, die Line ist nicht von Kollegah selbst, und es ist richtig, darauf hinzuweisen – das entlastet Kollegah aber in keiner Weise. Schließlich hatte er offensichtlich keinerlei Probleme mit dieser Line, sonst hätte er von dem Feature Abstand genommen oder von Favorite eine Änderung der Line gefordert. Das Lied ist aber sogar auf Kollegahs Album „King“ vertreten. Wer antisemitische Äußerungen auf seinem Album duldet, der macht sich mitschuldig.

Dann heißt es bei hiphop.de noch:

Bei den anderen Beispiel-Zitaten [die vom Zentralrat der Juden angeführt wurden, Anm. d. Verf.] handelt es sich um Auszüge aus dem Track Edelpuffkiller, der bereits 2004 erschien und somit schon einige Jahre zurückliegt.

Es scheint dies eine Entschuldigung Kollegahs zu sein – aber das ist sie keineswegs. Die Lines liegen lange zurück, das mag sein. Nichts desto trotz hat Kollegah sie aber gebracht und sich bis heute in keiner Weise davon distanziert. Im Gegenteil, die antisemitischen Aussagen in seinen Texten nahmen gerade in letzter Zeit drastisch zu (ich berichtete (ha, die Formulierung wollte ich immer schonmal bringen!), und wer behauptet, Kollegah hätte sich seit 2004 in seinen Texten nicht mehr homophob oder misogyn geäußert, macht sich schlicht lächerlich.

Auch im Artikel vom heutigen Tag zum Thema reduziert hiphop.de die Kritik der jüdischen Organisationen auf den Antisemitismus-Vorwurf, und gibt so der Debatte einen völlig falschen Fokus. „Kollegah reagiert auf Antisemitismus-Vorwürfe“ – insbesondere, wo der Plural auf einmal herkommt, ist eine interessante Frage. Hier suggeriert hiphop.de noch dringlicher, die jüdischen Organisationen hätten sich auf Kollegah als einem Antisemiten eingeschossen, was schlicht nicht den Fakten entspricht. Im Artikel selbst ist lediglich von „schweren Vorwürfen“ die Rede, konkret eingegangen wird aber nur auf den Antisemitismus-Vorwurf. Gegen Ende des Artikels ist dann zu lesen: „Besser hätte Kollegah nicht auf derartige Vorwürfe antworten können, denn statt seine Musik nur zu verteidigen, schlägt er eine Zusammenarbeit mit dem Verband vor.“ Auch hier handelt es sich eindeutig nicht um eine objektive, rein informative Äußerung, sondern um eine Meinungsäußerung. Wie im vorherigen Fall wäre das in einem klar als Meinungsbeitrag gekennzeichneten Beitrag nicht zwingend ein Problem gewesen – der Artikel ist allerdings unter der Rubrik „News“ zu finden und an keiner Stelle als Meinungsbeitrag kenntlich gemacht. Nicht nur das: Es wird dem Zentralrat der Juden in der Folge sogar Rufschädigung an Kollegah vorgeworfen – nicht der Antisemitismus ist also das Problem, sondern die kritische Auseinandersetzung mit diesem. So wundert es auch nicht, dass der Artikel mit dem Satz schließt, die vom Zentralrat der Juden zitierten Lines seien über zehn Jahre alt – ganz so, als würde dies ihren homophoben, misogynen Charakter rechtfertigen. Oder aber die Lines wären ja nicht von Kollegah selbst – ganz so, als hätte er überhaupt nichts mit diesen zu tun (s.o., warum er dies doch hat).

Sehr viel weniger problematisch als der zuvor genannte Artikel ist der Artikel von rap.de, insbesondere, da man es hier fertig bringt, einen Meinungsbeitrag klar als einen solchen auszuweisen. Zwar ist auch hier die Konzentration auf den Antisemitismus-Vorwurf in der Überschrift zu bemängeln, doch ist der Beitrag insgesamt relativ nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist jedoch die Meinung des Autors Alexander Barbian, Kollegah sei „tatsächlich kein Antisemit“, da er versucht habe, „jenen Vorwurf [den des Antisemitismus, Anm. d. Verf.] gerade zu rücken und inhaltlich zu entkräften.“ Genau das hat Kollegah ja überhaupt nicht getan – dazu im Folgenden mehr. Begrüßenswert finde ich an diesem Artikel die Thematisierung der antisemitischen Ausfälle der Fangemeinschaft von Kollegah – ein Aspekt, der weder von Rapupdate.de noch von hiphop.de auch nur am Rande erwähnt wird.

Doch nun zu Kollegahs Reaktion. Dieser bezog nach der Veröffentlichung des offenen Briefes gleich Stellung, und postete auf Facebook:

Schalom Freunde, die Zinssatz Line is zwar vom Homie Favorite, aber cool dass ihr meine RBA-Runden von 2005 heute noch pumpt, props dafür.

Hier mal was aktuelleres:
„Wir sind Brüder, wir sind Schwestern, Nachkommen von Adam/
Ganz egal ob wir nun Jahwe, Gott oder Allah sagen“
(Kollegah – NWO)

Zum einen ignoriert Kollegah hier, wie oben bereits erwähnt, seine Verantwortung für die antisemitische Äußerung von Favorite auf seinem, Kollegahs, Album. Zum anderen distanziert er sich nicht von seinen alten Lines, sondern weist nur auf deren Alter hin – ganz so, als würde er sich heute nicht mehr misogyn und homophob äußern, und als wäre eine Distanzierung überhaupt nicht notwendig. Kollegah missversteht offensichtlich eine zeitliche Distanzierung als eine inhaltliche Distanzierung.

In dem Lied „NWO“, aus dem Kollegah hier eine Line zitiert, behandelt er krude Verschwörungstheorien und rappt unter anderem auch: „NWO, Camouflage, Langstreckenraketen/ Eine mächtige Minderheit, der Schandfleck des Planeten“, und meint damit ganz eindeutig die Juden.

Diese erste Stellungsnahme Kollegahs ist also inhaltlich kompletter Nonsens.

Heute äußerte er sich, wieder auf Facebook, erneut zu dem Thema:

OFFENER BRIEF

Lieber Herr Neumann vom Zentralrat der Juden,

Ich bin es gewohnt, dass Genrefremde leider auch im Jahre 2017 die Kunstform des Battleraps noch nicht verstanden haben und uns Rappern Homophobie oder Frauenfeindlichkeit unterstellen. Diese Ignoranz gegenüber der größten Jugendkultur unserer Zeit und daneben auch kommerziell erfolgreichsten Musiksparte ist aus meiner Sicht zwar unzeitgemäß, jedoch ist sie mir nicht neu.
Die Vorwürfe des Antisemitismus dagegen sind neu. Dazu sind sie völlig aus der Luft gegriffen und haltlos.
Den teilweise 13 Jahre alten, zum einen Teil aus „Battlerunden“ und zum anderen Teil nicht einmal von mir selbst stammenden von Ihnen herausgepickten Zeilen stehen übrigens aktuellere Zeilen von mir gegenüber wie: „Wir sind Brüder, wir sind Schwestern, Nachkommen von Adam. Ganz egal ob wir nun Jahwe, Gott oder Allah sagen“.
Nachdem ich Sie am Mittwoch persönlich anrief, haben Sie eingeräumt, dass Sie zum Zeitpunkt des Unterzeichnens des Schreibens nicht einmal selbst glaubten, ich sei Antisemit, dennoch waren Sie leider nicht gewillt, die Vorwürfe öffentlich zurückzunehmen. Dies finde ich sehr schade, gerade auch weil ich Ihnen aufrichtigen Herzens anbot, eine gemeinsame wohltätige Aktion speziell für hilfsbedürftige Juden zu starten, um zusammen auch gerade für unsere Jugend ein echtes Zeichen gegen Antisemetismus zu setzen.
Die Tatsache, dass in meinen bislang 13 Jahren Musikkarriere nie der Vorwurf des Antisemitismus auch nur im Raum stand und dies erstmalig ausgerechnet jetzt, kurz nach meiner Wohltätigkeitsreise in Palästina geschieht, mutet sonderbar an, jedoch will ich hier keinen Zusammenhang unterstellen. Vielmehr lade ich Sie zu einer öffentlichen Diskussionsrunde über das Thema im Sinne eines interkulturellen Austauschs ein.
Dies tue ich auch aus Rücksicht und Mitgefühl gegenüber der jüdischen Gemeinde in Deutschland, welche durch die haltlosen Vorwürfe seitens des Zentralrats womöglich tragischerweise mit in das Kreuzfeuer eines – zu verurteilenden – „Shitstorms“ gegen jüdische Menschen im Allgemeinen auf HipHop-Portalen und meiner Facebookseite geraten.

Wir sollten dem gemeinsam vorbeugen.

Herzlichst,
Felix Blume (Kollegah)

Zum einen ist Kollegahs „Distanzierung“ von Misogynie und Homophobie völlig unglaubwürdig. Er sagt eigentlich lediglich: „Bei uns ist man halt frauen- und schwulenfeindlich, darum ist es nicht frauen- und schwulenfeindlich“ – eine völlig unsinnige Argumentation. Überhaupt dienen die Darstellung von Homophobie und Misogynie in Kollegahs Texten ja nicht der Kritik an eben diesen. Zumindest würde es ja einer Sensation gleichkommen, wenn Kollegah sich als Feminist outen würde. Die Darstellung von Misogynie und Homophobie in Kollegahs Texten ist zwar auf einem solch krassen Level, dass sie kaum als bierernst gemeint verstanden werden kann – eine kritische Distanzierung wird aber an keiner Stelle irgendwie deutlich. Und eine Überhöhung eines Sachverhaltes stellt keine Kritik an diesem dar, sondern ist grundsätzlich erst einmal problematisch. Wenn im Actionfilm fünfzig Leute abgeknallt werden, ein Auto explodiert und der Held das mit einem lässigen Spruch kommentiert, würde ja auch niemand, der alle Sinne beisammen hat, behaupten, hier läge eine Kritik an Gewalt vor – obwohl der Sachverhalt ganz eindeutig nicht realistisch dargestellt wurde.

Ebenso wie die Hip-Hop-Medien greift auch Kollegah in der Folge nur noch den Antisemitismus-Vorwurf auf und bauscht ihn so über Gebühr auf (und weicht so bequemerweise der Reflexion seiner Misogynie und Homophobie aus). Zudem findet erneut keine Distanzierung von seinen zeitlich zurückliegenden Lines statt. Er verweist nur erneut auf dieselbe Line wie in seinem vorigen Post – warum dies ein unzulässiges Pseudo-Argument ist, lässt sich wie oben erwähnt an dieser Stelle nachlesen.

Falls, wie Kollegah behauptet, Herr Neumann tatsächlich glaubt, Kollegah sei kein Antisemit, kennt er wohl dessen jüngste Erzeugnisse nicht. Wie oben verlinkt ist Kollegah zweifelsohne ein (verkappter) Antisemit, und würde Herr Neumann meine Ausführungen kennen, würde er mir sicher zustimmen.

Kollegah schreibt dann:

Dies finde ich sehr schade, gerade auch weil ich Ihnen aufrichtigen Herzens anbot, eine gemeinsame wohltätige Aktion speziell für hilfsbedürftige Juden zu starten, um zusammen auch gerade für unsere Jugend ein echtes Zeichen gegen Antisemetismus zu setzen.

Dieses Angebot ist die pure Heuchelei. Anscheinend war Kollegah das Argument „Ich habe total viele jüdische Freunde“ dann doch zu dumm, und stattdessen will er sich auf andere Weise Alibi-Juden zulegen, die ihm ein „Ist-kein-Antisemit“-Zeugnis ausstellen. Es ist wirklich zu hoffen, dass kein hilfsbedürftiger Jude von einem Heuchler wie Kollegah instrumentalisiert wird, um ungestört (auch gegen genau diese) Juden hetzen zu können.

Jeden Anschein von Rationalität lässt Kollegah fallen, wenn er schreibt:

Die Tatsache, dass in meinen bislang 13 Jahren Musikkarriere nie der Vorwurf des Antisemitismus auch nur im Raum stand und dies erstmalig ausgerechnet jetzt, kurz nach meiner Wohltätigkeitsreise in Palästina geschieht, mutet sonderbar an, jedoch will ich hier keinen Zusammenhang unterstellen.

Würde er seine „Wohltätigkeitsreise“ (die tatsächlich eine Mischung aus Albumpromo und antizionistischer Hetze ist) tatsächlich nicht in Zusammenhang mit dem Antisemitismus-Vorwurf stellen wollen, so hätte er sie an dieser Stelle überhaupt nicht erwähnen brauchen. Dadurch, dass er es doch tut, stellt er genau diesen Zusammenhang schließlich erst her. Und seine Fanbase nimmt diese Unterstellung in der Kommentarsektion dieses Facebook-Posts dankbar-geifernd auf.

Die Erklärung Kollegahs, sich Sorgen um die jüdische Gemeinschaft zu machen, wirkt vor all diesen Zusammenhängen nur noch verlogen. Denn wie Kollegah mit seinem öffentlichen Auftreten Antisemitismus fördert, zeigen schon die vielgelikten antisemitischen Kommentare zu seinen beiden Facebook-Statements eindeutig.

Antisemitische Kolle-Fanboys.png

Kannst du Staiger fragen?

Es ist nicht alles schlecht.

Nein, es ist nicht alles schlecht, auch an Marcus Staiger nicht. Ohne Zweifel hat er viel für den deutschen Rap geleistet, und mit seiner tendenziell kritischen Haltung zu Homophobie, Sexismus, Antisemitismus und Rassismus ist er eine wichtige Stimme gegen die beunruhigenden Geschehnisse im deutschen Rap. Und er erhebt seine Stimme auch immer wieder gerne für die so dringend nötige Kritik – etwa an Fards und Snagas hetzerischem Track „Contraband“, oder an der „Palästina“-„Doku“ von Kollegah. Und er ist sich durchaus darüber im Klaren, dass Antisemitismus sich in unseren Zeiten gerne hinter Antizionismus versteckt. Das sind eigentlich wirklich gute Ansätze – aber, und jetzt kommt das große Aber (und jeder weiß: was vor dem Aber steht …):

Neben diesen guten Ansätzen hetzt Staiger gegen den jüdischen Staat, dämonisiert ihn, und verbreitet gar plumpe Lügen über ihn. Auch ist er zwar tendenziell kritisch gegenüber Antisemitismus und den Beweggründen für Antizionismus, allerdings mindestens auf einem Auge blind. So solidarisiert er sich mit dem Islamisten nahestehenden und antisemitische Aussagen likenden Fußballer Ben Hatira und spricht bei Kritik an diesem von „antimuslimischen Beißreflexen“ . Er behauptet, die Vorwürfe an der Organisation Ansaar seien veraltet – nun, diese Organisation wird im Verfassungsbericht des Landes NRW von 2015 thematisiert und ihre enge Verpflechtung mit der salafistischen Szene erläutert, sowie ihre Bejahung von islamistischem Terrorismus. Staiger ist also entweder extrem naiv oder extrem uninformiert – in beiden Fällen hätte er besser geschwiegen.

Auch seine Kritik an der äußerst problematischen „Doku“ von Kollegah ist prinzipiell begrüßenswert und enthält einige aufmerksame Hinweise auf Unstimmigkeiten. So kritisiert Staiger, dass Kollegah überhaupt nicht erwähnt, warum denn das von ihm besuchte Flüchtlingslager nichts von den Hilfszahlungen der EU erhält, er bemängelt das Fehlen fast jeglicher weiblicher Personen im Film und das direkte Interpretieren jeder Aussage durch Kollegah. Doch hin und wieder kommt dann doch die Lust in Staiger durch – die Lust, jetzt auch mal was gegen diese Juden zu sagen. Und so liest man dann, die israelischen Checkpoints seien „bestimmt eine der ekelhaftesten Erfindungen der Menschheitsgeschichte“ . Nun ist Kritik an den Checkpoints durchaus angebracht, doch in solch drastischen Worten die Checkpoints in die Nähe der Konzentrationslager der Nazis zu rücken, ist schlicht widerlich.

Auch kann man es Staiger einfach nicht recht machen. Zwar würdigt er die Bereitschaft Kollegahs zu helfen, gleichzeitig zieht er allerdings über die Art und Weise her. „Was dann passiert, ist Entwicklungshilfe 1950. Der weiße Mann packt an und die lila Scheine aus, fährt los und regelt das.“ Hätte Kollegah nicht sein eigenes Geld ausgegeben, sondern lediglich seine Fans zu Spenden aufgefordert, hätte Staiger dies nicht völlig zurecht kritisiert? Ist es nicht begrüßenswert, wenn ein wohlhabender Mann sein Geld einsetzt, um zu helfen? Und warum dieses Lamentieren über „den weißen Mann“ – bin ich der Einzige, der da einen rassistischen Unterton hört?

Ein wenig stutzig macht dann das Ende des Artikels über die „Doku“ von Kollegah, wenn Staiger das Video „Hardcore“ von Kollegah richtigerweise als faschistoid kritisiert – die extreme Nazi-Symbolik darin aber mit keinem Wort erwähnt.

Doch zurück zum Thema Israel, denn hier dreht Staiger in anderen Ergüssen noch mal richtig auf, und zieht gegen den Jud nochmal deftig vom Leder. In einem Beitrag aus dem Jahr 2014 zum Nahostkonflikt finden sich widerliche Aussagen, in denen sich der sekundäre Antisemitismus Staigers offenbart. Wer Israel als „Brückenkopf einer imperialistischen und kolonialistischen Politik des Westens“ und als „zu allem bereite[s], aggressive[s], hochgerüstete[s] Ungetüm“ bezeichnet, der betreibt eine ungeheuerliche Dämonisierung des jüdischen Staates. Da hilft auch Staigers Anmerkung, dass „Israel […] dieses aggressive, hochgerüstete und waffenstarrende Ungetüm sein muss“ nichts, wird hier doch zum einen die Bedrohungssituation Israels auf eine sehr abstrakte Ebene enthoben, ja nicht einmal direkt erläutert, und zum anderen Israel nach wie vor als „Ungetüm“ verunglimpft. In dem Tenor geht es weiter, wenn Staiger den jüdischen Staat ein „völkische[s], israelische[s] Apartheidsystem“ nennt, und damit nicht nur Assoziationen zu Nazis aufkommen lässt, sondern auch die Opfer wahrer Apartheid etwa in Südafrika verhöhnt.

Das „Ungetüm“ und „Apartheidsystem“ Israel ist laut Staiger natürlich auch fleißig dabei, die Palästinenser verdursten zu lassen. Ein Palästinenser hätte nur einen Liter Wasser am Tag, ein Israeli hingegen acht, fantasiert er die krudesten Zahlen herbei. Dass man sich nicht einmal mit acht Litern duschen kann und Israelis (und Palästinenser erst recht) von daher wie die Hölle stinken müssten, ist nur eine merkwürdige Fußnote dieser antisemitischen Faktenverdrehung. Doch wie weit man mit derlei antisemitischem Unfug kommen kann, beweist ja der Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, der sich tatsächlich erdreistete, vor der Knesset auf deutscher Sprache die Wasserlüge neu aufzukochen.

Absolut rätselhaft wird Staiger dann, wenn er schreibt: „Ich möchte solidarisch sein mit der geschundenen palästinensischen Bevölkerung, ohne gleichzeitig an das reaktionäre Regime der Hamas denken zu müssen.“ Ohne Zweifel ist die palästinensische Bevölkerung geschunden. Ohne Zweifel ist mehr Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung notwendig. Aber wer das grausame Hamas-Regime ignoriert und stattdessen stumpf gegen Israel hetzt, der ist eben nicht solidarisch mit den Palästinensern, sondern zeigt damit lediglich, dass es ihm nur darum geht, über Juden schimpfen zu dürfen, und keineswegs um die palästinensische Bevölkerung. Wer wahrlich solidarisch mit den Palästinenser ist, dessen erster und sorgenvollster Gedanke muss stets der Hamas gelten, die die eigene Zivilbevölkerung foltert, abschlachtet, unterdrückt und ausraubt. Und der zweite Gedanke sollte dem diktatorischen PA-Regime gelten, dessen „Präsident“ Mahmud Abbas, ein Holocaust-Leugner, sich im dreizehnten Jahr seiner vierjährigen Amtszeit befindet und offen gegen Juden hetzt, dem PA-Regime, das Gehälter für Judenmord vergibt. Es ist nicht möglich, solidarisch mit den Palästinensern zu sein, ohne ihnen die Befreiung von ihrer eigenen korrupten und islamofaschistischen Führung zu wünschen!

Unfreiwillig komisch wird Staiger in seinem Abschlusssatz:

Ich möchte in naher Zukunft eine Mannschaft aus dem Vorderen Orient oder Mesopotamien sehen, in der Menschen mit kurdischer, arabischer, persischer oder sonstiger Herkunft sowie mit jüdischem und muslimischem oder ganz ohne Glauben spielen.

Nun, er sollte vielleicht einfach mal einen Blick nach Israel werfen. In der israelischen Nationalmannschaft spielen Fußballer mit arabischen Wurzeln, und, man mag es kaum für mögliche halten, islamischem Glauben. Kannst du Staiger fragen? Bei so viel Unwissenheit: lieber nicht.

Nicht nur mit seinen eigenen Worten offenbart Staiger seinen sekundären Antisemitismus, er teilt auch die Worte anderer verkappter Antisemiten. So etwa das Positionspapier der ARAB zum Nahostkonflikt.

In diesem wird behauptet, die israelische Selbstverteidigung gegen den Raketen- und Tunnelterror der Hamas würde nur eine „größere Eskalation“ herbeiführen – erst das zur Wehr setzen der Juden gegen Judenmord wird hier also als Problem, als „Eskalation“ gesehen. Fast schon komisch wird es, wenn behauptet wird: „Das mit der Erziehung durch Waffen und dem Wegbomben von unliebsamen Nachbarn, das geht nicht gut. Das haben die Deutschen probiert und es ging schief.“ Da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Ja, welchem Land wurde denn die Demokratie eingebombt? Welches Land musste zweimal mit Waffengewalt in die Knie gezwungen werden, welchem Land musste man die Demokratie mit Waffengewalt aufstülpen? Und ist es gelungen? Ist Deutschland heute eine Demokratie? Da paart sich Geschichtsvergessenheit mit Antisemitismus, eine widerwärtige Mischung.

Es wird behauptet, die Hamas würde nicht palästinensische Zivilisten als Schutzschilde benutzen (totaler Blödsinn), und das Vorgehen der islamofaschistischen Hamas mit dem Vorgehen der israelischen Verteidigunsstreitkräfte gleichgesetzt.

Natürlich kann auch der standardmäßige Israel-Nazideutschland-Vergleich nicht fehlen. Es wird gefragt, „wo der Unterschied zwischen einer getöteten Mutter aus Gaza und einer jüdischen Mutter liegt, die in einem KZ getötet wurde?“ Damit wird das Leid der Juden während der Shoa bagatellisiert – ja, Gaza wird mit einem KZ gleichgesetzt, und Israel mit den Nazis.

Staiger, Staiger. Über die ganze Kritik, die du – nicht unberechtigter Weise – an vielen deutschen Rappern übst, vergisst du anscheinend die Reflexion deines eigenen Weltbildes. Vielleicht solltest du dich ein wenig mehr mit deinem sekundären Antisemitismus beschäftigen, und erst dann mit den Fehlern anderer.

„Jud Süß“ geht halt nicht mehr

Man hat es als Antisemit heute wirklich schwer. Damals, unter Hitler, als die Welt noch in Ordnung war, da hat man in „Jud Süß“ und „Die Rothschilds“ noch ganz ungeniert im Kino gegen Juden hetzen können – sowas geht ja heute gar nicht mehr. Heute muss man verschleiern. Muss die ganz üblen Lügen rauslassen, sich ein wenig beim bauchlinken Publikum anbiedern, alles ein wenig hinter einer friedlichen Maskerade verschleiern.

Am besten klappt das, wenn der antisemitische Hetz-Film einen jüdischen Regisseur hat. Denn wie jeder weiß, kann ein Jude ja gar kein Antisemit sein! Jawohl! Völlig ausgeschlossen! Es gibt ja auch keine Selbstmörder, oder Leute, die sich ritzen! Hass gegen sich selbst oder eine Gruppe, der man zugerechnet wird, ist völlig unmöglich! Bei einem Juden fragt keiner, ob er ein Antisemit ist; ein Jude ist über jeden Antisemitismusverdacht erhaben.

Udi Aloni genießt diese Freiheit. Er ist Jude, und wenn ein Jude etwas sagt, was dem gemeinen Antisemiten gefällt, dann hält dieser Jude als Kronzeuge gegen all die bösen Juden her. Es ist ja so toll, denn schließlich hat der Antisemit endlich einen Juden gefunden, der seine Meinung teilt, ein Jude, der die Juden ebenso hasst wie er. Und ein Jude kann ja kein Antisemit sein, ergo ist das, was er sagt, nicht antisemitisch, und dadurch ist das, was der Antisemit sagt, nicht antisemitisch, und ergo er selbst kein Antisemit, und außerdem, wer die Meinung eines Juden toll findet, der kann ja selbst kein Antisemit sein, neinnein! Udi Aloni ist der beste Freund jedes Antisemiten.

Besonders, da man ihn als „israelische Seite“ des Konfliktes präsentieren kann, also als eine Person, die vorgeblich für die Israelis steht. Da muss dann natürlich auch noch schön deutlich auf die Nationalität von Aloni verwiesen werden, damit auch auf jeden Fall deutlich wird, dass er ein Alibi-Jude ist: „Der Regisseur Udi Aloni und seine Crew sind der lebendige Beweis für die Tatsache, dass der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern anders ist als wir denken: Aloni ist ein israelisch-amerikanischer Regisseur.“[Hervorhebung im Original] Ah, und wenn sogar er als Israeli das sagt, dann, ja dann!

Dabei ist Udi Aloni nichts anderes als ein leidenschaftlicher Israelhasser. Er hasst den jüdischen Staat so sehr, dass er ihn zerstört sehen will. Er bezeichnet allen Ernstes die israelische Regierung als faschistisch. Er unterstützt die antisemitische Organisation BDS. Er ist ein Israelhasser, ein Antisemit.

Und so wundert es nicht, dass er für seinen neuesten Schmierenfilm, „Junction 48“, einen Mann ins Boot holt, der ihn in Sachen Antisemitismus noch einmal eindrucksvoll übertrifft.

Tamer Nafar ist ein arabischer Israeli. Der erste „Palästinenser“, der mit Rap bekannt geworden ist. Und Tamer Nafar spielt in „Junction 48“ die Hauptrolle, den Rapper „Kareem“ – generell basiert der Film auf dem Leben von Tamer Nafar. Doch wer ist dieser Tamer Nafar?

Nun, auch Tamer Nafar ist ein leidenschaftlicher Antisemit und Israelhasser. In dem Track „Min Irhabi“, was in etwa so viel bedeutet wie „Wer ist hier der Terrorist?“, rappt er über Israel (Hier die Lyrics in der englischen Fassung, wie sie auf der Seite von Tamer Nafars Rap-Crew DAM stehen):

Democracy [gemeint ist Israel, Anm. d. Verf.]? Why? It reminds me of the Nazis

You’ve raped the Arab soul

and it became pregnant, giving birth to a child called “ terror attack“

And then you call us terrorists. You’ve killed and looted

Zunächst darf natürlich – wie in jedem Text, der gegen Israel und das jüdische Volk hetzt – die Gleichsetzung der Juden mit den Nazis nicht fehlen. Das ist klassischer Antisemitismus, und eigentlich so langweilig und durchschnittlich, dass man sich kaum mehr darüber ereifern will. Aber zum Glück fällt Nafar für den Hoho-Effekt noch etwas Spektakuläres ein: Die Juden haben die arabische Seele vergewaltigt! Ja, Vergewaltigung, damit kriegt man die Leute! Und natürlich, das weiß der eifrige Nafar, sind die Juden selbst schuld daran, wenn man sie umbringt. Würde man Nafar fragen, er würde sicher bestätigen können, dass die Juden auch am  Holocaust selbst schuld waren. Wahrscheinlich, um „Palästina“ besetzen zu können oder so. Wenn es den Holocaust überhaupt gab, vielleicht ist das ja auch eine Lüge der Juden. Nafar könnte es sicher sagen.

Man muss sich allerdings fragen, wie die arabische Seele Terror gebären kann, wenn doch laut Nafar Palästinenser überhaupt gar keine Terroristen sein können. Er vertritt eine Blut-und-Boden-Ideologie, derzufolge er alles tun und lassen darf was er will, weil er in „Palästina“ geboren wurde: „How can I be a terrorist if I live in my homeland?“, fragt er scheinheilig in „Min Irhabi“. Er legitimiert also Judenmord durch die Zugehörigkeit zum „palästinensischen Volk“. Noch abartiger geht es kaum. Es verwundert nicht, dass Nafar Juden im gleichen Track auch als „Feinde“ bezeichnet – alle, unterschiedslos.

Einer der Leute aus seiner Rap-Crew DAM, Mahmood Jrery, formuliert seinen Judenhass ebenso eindeutig in „Min Irhabi“: „I’m not against peace, peace is against me/ It wants to eliminate me, to erase my heritage“. Frieden mit Juden, das kommt für Jrery nicht in Frage. Sie müssen getötet, vernichtet werden, sämtlich abgeschlachtet, friedliche Koexistenz, das weiß Jrery, ist nicht möglich, schließlich zerstört Frieden ihn. Na, dann doch lieber Juden töten. Das muss man doch verstehen. Der arme Mann.

Die Rap-Crew DAM steht für eliminatorischen Judenhass. Das zeigt auch ihr Logo, wie es etwa auf ihrer Website prangt:

dam-ist-scheise

Zu sehen ist eine stilisierte Abbildung von ganz „Palästina“, mit einem ebenso stilisierten Pfeil, der von Jordanien aus nach „Palästina“ hineinragt (und somit Ähnlichkeit zum Logo der palästinensischen Terroroganisation PFLP aufweist). Israel ist hier völlig ausgelöscht, wie es in „Min Irhabi“ herbeifantasiert wird.

Wenn also sowohl der Regisseur als auch der Hauptdarsteller leidenschaftliche Antisemiten sind, und der Film das Leben eines leidenschaftlichen Antisemiten behandelt, wundert es nicht, dass in diesem Film kein einziger Jude irgendwie positiv dargestellt wird. Im Gegenteil: Jeder Jude, der in diesem Hetzfilm auftaucht, ist ein schlechter, verdorbener Mensch, der nur Böses will.

Damit ist „Junction 48“ nichts anderes als der Versuch, „den alten unversöhnlichen arabischen Befreiungsnationalismus aufzuhübschen.“ Ein antisemitischer Propagandafilm, der sich freilich nicht ganz so viel traut wie „Jud Süß“ und „Die Rothschilds“, aber die Grenzen des gesellschaftlich tolerierten Judenhasses gründlich auslotet. Dass ein solcher Film beim deutschen Publikum gut ankommt und auf der Berlinale mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, wundert dann allerdings auch nur die unverbesserlichen Optimisten.