S. Castro – überall Nazis

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Artikel über S.Castro, in welchem ich auch auf der Grundlage des Liedes „Venganza“ über ihn ablästerte. Einige meiner Auslassungen irritieren mich heute selbst ein wenig stark, ich werde diesen Artikel wohl noch einmal gründlich überarbeiten. Wie dem auch sei; vor etwa einem Monat tauchte S.Castro, der bis dahin zwei Jahre nichts von sich hat hören lassen, plötzlich wieder auf, und veröffentlichte einen Trailer zu „Venganza II“. Das ließ schonmal Schlimmes fürchten.

Was S.Castro dann in „Venganza II“ für einen Müll erzählt, hat mich trotz meiner schlechten Erwartungen noch einmal überrascht. Aber der Reihe nach.

(Alle eingeklammerten Zeitangaben beziehen sich auf Venganza II)

S.Castro beginnt mit ein paar pathetischen Wörtern über die geknechtete Menschheit, um bereits innert der ersten Minute wie schon in „Venganza“ krude Verschwörungstheorien zu verbreiten: dieses Mal sind es freilich nicht die WTC-Türme, die von den Amis gesprengt wurden, sondern gleich der bevorstehende 3. Weltkrieg (0:45). Irgendwelche bösen Mächte würden diesen planen, um damit ihre Macht auszubauen oder dergleichen – der übliche Unsinn. Dass Rüstungsunternehmen sich freuen, wenn es auf der Welt Krieg gibt, weil sie mit Waffenverkauf Geld verdienen – geschenkt. Dass so ziemlich sämtliche Regierungen dieser Welt nur dann etwas gegen Krieg haben, wenn er ihren Interessen zuwiderläuft – geschenkt. Aber wie irre müssten die ominösen Verschwörer*innen denn sein, um in einer Welt von mit Nuklearwaffen bestückten Militärmächten einen Weltkrieg anzuzetteln? Überhaupt ist S.Castro davon überzeugt, sämtliche Politiker*innen seien Marionetten von „der Herrscherklasse“ (6:20, vgl. auch 1:59). Wer wohl diese Herrscherklasse ist? Überraschung, Überraschung: das raffende Kapital. Schließlich nennt S.Castro ausgerechnet Bankenchef*innen als Profiteure von westlichen Kriegseinsätzen (1:35), obwohl doch die Rüstungsindustrie der erste Wirtschaftszweig sein sollte, der hier als Profiteur in den Sinn kommen sollte. Aber nein, natürlich stecken die Banker*innen hinter allem Übel, und das wird dann auch mit dem passenden Bild unterlegt:

Screenshot (173)

(Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=TI1RNVSY_EY )

Das in den Hintergrund projizierte Bild zeigt einen irr blickenden Mann mit Hakennase, Bart und schlechten Zähnen. Das ist per se nicht antisemitisch – das Bild zeigt Blackbeard, einen Piraten aus One Piece, und ich habe diese Serie zwar nie gesehen, aber nach oberflächliche Recherche nichts darüber gefunden, dass diese Figur antisemitisch aufgeladen wäre (Freilich wäre das Platz für eine weitere Untersuchung: Warum wird ein Bösewicht in One Piece auf diese Weise dargestellt? Aber das würde hier zu weit führen, und ich kenne mich wie gesagt dafür zu wenig mit One Piece aus). Problematisch für die Verwendung in „Venganza II“ wird das Bild erst durch den spezifischen Kontext: „Und schon grinsen die Bankchefs“, ist die Line von S.Castro, der dieses Bild als Illustration dient. Einen geldgierigen Menschen nun mit eben jenen Stereotypen darzustellen, die die Nazis verwendeten, um Juden und Jüdinnen zu dämonisieren, ist klar antisemitisch.

Das wird auch nicht besser dadurch, dass S.Castro rappt, „sie“ würden sich „wie Bakterien vermehren“ (3:49), ist solches pseudo-biologische Gewäsch doch nichts anderes als Nazisprech. Etwas im Unklaren bleibt darüber hinaus, wer genau „sie“ denn sein sollen. Er spricht zuvor von der Regierung – aber war nicht die Regierung nur die Marionette der Herrscherklasse? Und es wäre ja auch seltsam, wenn die Regierung sich vermehren würde. Also vermehrt sich wohl die Herrscherklasse wie Bakterien, und, was haben wir eben gelernt, wer repräsentiert die Herrscherklasse? Die geldgierigen Bankenchef*innen. Aha, aha.

Wer so einen Müll verzapft, der rappt dann natürlich gegen Ende des Liedes auch noch in unfassbar peinlicher Manier – nämlich Buchstabe für Buchstabe -, die Menschen sollten doch bitte endlich aufwachen (8:08). Aus welcher Richtung diese Phrase kommt, sollte wohl eigentlich jedem klar sein; die Frage ist bloß, wann S.Castro seine abgewetzte Cap gegen einen Aluhut tauscht.

Nun, nun, damit könnte man diese Beitrag an und für sich beenden, und es wäre auch ein guter Schlusssatz gewesen, aber eine Sache wäre da noch: S.Castro bagatellisiert in diesem Lied die Verbrechen der Nationalsozialist*innen. Oder wie genau will man eine solche Line rechtfertigen: „Euer Überwachungsstaat übertrifft schon bei weitem die Nazis“ (3:36)? Alleine aufgrund der heute gegebenen technischen Möglichkeiten mag das sogar den Tatsachen entsprechen, doch wo genau der Sinn des Vergleiches liegt, erschließt sich mir nicht. Schließlich könnte man hier zuvorderst einwenden, dass, hätten die Nazis die technischen Möglichkeiten gehabt, die es heute gibt, sie diese ganz sicher auch eingesetzt hätten, und zwar in noch größerem Maße als die derzeitige Regierung. Darüber hinaus hat der Vergleich aber keinen tieferen Sinn, als die Verbrechen der Nazis als harmloser denn die der derzeitigen Regierung darzustellen, und das ist in letzter Konsequenz nichts anderes als Holocaustrelativierung. Umso abstruser, dass S.Castro dann auch noch rappt, man solle ihm doch jetzt nichts von Stasi erzählen – dabei war doch schon die Stasi in Sachen Überwachung den Nazis um einiges voraus.

Nun gut, ein unangebrachter Nazivergleich, das ist doch keine Holocaustrelativierung, werden jetzt viele sagen. Aber es ist nicht EIN unangebrachter Nazivergleich (die sind ja ohnehin fast immer unangebracht, aber das wäre wieder ein anderes Thema), sondern zig davon. Bei 2:44 rappt S.Castro: „Joseph Goebbels wird heut represented von der Bild“. Jaja, die Bild ist scheiße und ein mieses Hetzblatt. Aber ausgerechnnet Joseph Goebbels zum Vergleich heranzerren? Das ist in den Dimensionen einfach vollkommen absurd. Nun, dann kommt natürlich noch „Germanys next Hitler“ (4:20), und, in Bezug auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung (5:00):

Seid willkommen in den 30ern, die SS steht Schmiere
Und wartet auf den Einsatz im brutalsten ihrer Spiele
Die Juden dienten damals als ein Sündenbock für Kriege
Aber heute machen wir ihnen einen Strich durch ihre Ziele

30er? Wie bitte? SS? Wovon rappt der Kerl bitte? Wie bescheuert muss man sein, um soetwas zu verbreiten? Ohne Zweifel ist die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung grausam und rassistisch, und ja, im „deutschen Volk“ brodelt wie immer die Lust aufs Pogrom, die sich auch immer häufiger Bahn bricht – aber das mit der Deportierung von Juden und Jüdinnen, Sinti und Roma, Kommunist*innen etc. in Konzentrationslager durch die SS zu vergleichen ist absurd.

Die dermaßen inflationäre und völlig sinnlose Benutzung des Nazivergleichs führt schlussendlich nur zur Bagatellisierung der deutschen Verbrechen und ist ein Instrument der Täter-Opfer-Umkehr. Ob S.Castro sich dessen bewusst ist?

Zu guter letzt darf natürlich ein Gruß S.Castros an die Antideutschen nicht fehlen: „Antideutsche Pest findet geil, dass Palästina brennt“ (8:53). Nun, erste Frage: Palästina brennt? Habe ich was verpasst? Zweite Frage: Soll die Wortwahl „verbrennen“ – und dieser Verdacht drängt sich angesichts all der Nazivergleiche nun wirklich auf – etwa einen Bezug zum Holocaust (von griech. „Brandopfer“) darstellen, also die Juden und Jüdinnen als Täter*innen eben jenes Verbrechens schuldig sprechen, das sie einst erlitten haben?

Achso, und das mit der „Pest“ ist irgendwie auch nicht so nett.

PS: Vielleicht machst du ja wieder ein paar Jahre Pause und bringst dann Venganza III raus, in welchem du noch herberen Müll erzählst. Mich würde es freuen. Nicht wegen des Liedes, aber wegen der Pause.

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Wenn sich Rechts und Links die Hände reichen

Es gibt viel an dem Lied „Antideutsche/Tahya Falastin“ von Thawra und Kaveh zu kritisieren. Die dummen Vergleiche und peinlichen Reimketten von Kaveh, den antisemitischen und völkischen Gehalt, die üblen Diffamierungen gegenüber der antideutschen Bewegung – eine Komponente aber sticht noch einmal extrem heraus. Und das ist Kaveh selbst, denn offensichtlich handelt es sich bei ihm um einen Querfröntler – was nebenbei bemerkt auch kein gutes Licht auf Thawra wirft. Da wirkt die halbherzige Distanzierung Thawras von der Querfront in „Antideutsche/Tahya Falastin“ noch lächerlicher – zusammen mit einem Querfröntler ein antisemitisches Lied machen, und in diesem sagen, man wäre ja gegen die Querfront, ist, äh … naja, seltsam bis dumm.

Nun ja, jetzt aber zu Kaveh. Ich könnte diesen Artikel nun mit dem Hinweis darauf beenden, dass dieser Mensch sich von Russia Today und Ken Jebsen zu Interviews einladen lässt, also von einem Propagandakanal des Kreml und einem Verschwörungstheorien verbreitenden Antisemiten, die beide ein rechtes Publikum ansprechen. Aber dann würde ja völlig unter den Tisch fallen, was für verbalen Abfall er in diesen Interviews produziert hat.

Im Interview mit RT etwa halluziniert er eine Verschwörung der Medien herbei, die seiner Aussage nach gezielt Leute aus ihrer Berichterstattung ausschlössen, die propalästinensisch sind (Minute 1:30). Angesichts der Einstellung der meisten deutschen Journalist*innen zum Nahostkonflikt und der tendenziösen, antiisraelischen Berichterstattung der meisten Medien ist diese Aussage schlicht lachhaft; kaum ein Land wird von deutschen Medien so oft kritisiert und so oft mit Nazi-Deutschland verglichen wie Israel. Und in den Hip-Hop-Medien ist dies noch um ein Vielfaches verstärkt, wie sich etwa in der Berichterstattung über Kollegahs Antisemitismusskandal zeigte. Wenn Kaveh also von deutschen (Hip-Hop)Medien nicht wahrgenommen wird, so liegt das nicht an einer anti-palästinensischen Haltung dieser, sondern vielleicht einfach an der Irrelevanz von Kaveh.

In einem anderen Interview mit RT – Kaveh scheint dort Stammgast zu sein – behauptet Kaveh, Deutschland habe aufgrund der Shoah eine Verantwortung gegenüber den jüdischen Menschen, aber eben auch den Palästinenser*innen, schließlich hätte, so Kaveh, der israelische Staat es ohne die Shoah sehr viel schwerer gehabt (7:30). Diese perverse Verdrehung muss ein Mensch erstmal hinkriegen: Die Deutschen, die noch vor 70 Jahren Juden industriell getötet haben, hätten eben darum die Aufgabe, den Jüd*innen auf die Finger zu schauen, dass sie auch ja nichts Böses tun.

Diesen sehr deutschen Gedanken gräbt Kaveh auch im Interview mit Ken Jebsen aus, wo er behauptet, Deutschland hätte ebenso eine Verantwortung für die Palästinenser*innen wie für die Jüd*innen, da Deutschland mit der Shoah „schuld“ an der Gründung Israels gewesen sei und es in diesem Rahmen zur „Nakba“ gekommen sei (38:45). Den auf die Vernichtung der Jüd*innen abzielenden Überfall der arabischen Staaten auf Israel nur Stunden nach dessen Gründung, in dessen Rahmen es überhaupt erst zu den Vertreibungen kam, lässt Kaveh natürlich unter den Tisch fallen. Ebenso vergisst er, dass es 1948 mehr jüdische Menschen gab, die aus arabischen Staaten vertrieben wurden, als arabische Menschen, die aus dem jüdischen Staat vertrieben wurden – weil all das antiisraelische Gejaule von der „Nakba“ in einem völlig anderen Licht erscheinen ließe. Überhaupt ist der deutsche Staat ganz gewiss nicht schuld an der Vertreibung irgendeines Arabers aus Israel und hat auch keine besondere Verantwortung gegenüber den Palästinensern, schon gar nicht eine irgendwie vergleichbare wie die gegenüber den Jüd*innen. Die arabischen Staaten, die den jungen israelischen Staat überfielen, sind schuld, denn ohne diesen Überfall hätte es auch die Vertreibungen nicht gegeben.

Heute würden 6 Millionen Palästinenser*innen „außerhalb des ursprünglichen Staatsgebietes“ leben – was genau Kaveh wohl mit „ursprünglichem Staatsgebiet“ meint? Da es nie einen palästinensischen Staat gab, kann es schließlich kein solches Gebiet geben. Er meint wohl das Land, das im UN-Teilungsplan für einen weiteren arabischen Staat vorgesehen war. Bloß haben die Araber eben diesen Teilungsbeschluss abgelehnt – heute von diesem Gebiet als dem „usprünglichen Staatsgebiet“ Palästinas zu sprechen ist also im höchsten Maße heuchlerisch.

In diesem Zuge empfiehlt Kaveh dann auch gleich noch Bücher von Norman Finkelstein (40:35), einem Hisbollah-Sympathisanten, der bei Rechten und anderen Antisemiten sehr beliebt ist, weil er zB. den Kampf der Hisbollah gegen Israel mit dem Kampf von Partisanen gegen Nazideutschland gleichsetzte.

Natürlich verbreitet ein Mensch wie Kaveh dann auch munter die Mär vom „größten Freiluftgefängnis der Welt.“ (1:02:20) Gaza sei „eine der am meisten unterdrückten Regionen der Welt“, und Israel „das aggressivste siedlerkolonialistischste Land der Welt.“ Dass Ägypten den Gazastreifen völlig abgeriegelt hat, weil es keinen Bock auf Terroristen hat – geschenkt. Laut Kaveh ist es alleine Israel, welches Gaza in dieses „Gefängnis“ verwandelt. Dabei lässt er die Versorgung Gazas durch Israel natürlich außen vor, ebenso die faktische Möglichkeit, den Gazastreifen zu verlassen, etwa bei medizinischen Notfällen. Der Aussage mit dem Grad der Unterdrückung könnte man vielleicht noch gerade so zustimmen – wenn er damit die Hamas meinen würde, die die Bewohner des Gazastreifens unterdrückt und immer wieder sogenannte „Kollaborateure“ abschlachtet. Aber soweit kann Kaveh nicht denken, für ihn ist immer der Jud schuld. Der Siedler-Jud. Der Kolonialisten-Jud. Nein schlimmer: Der Siedler-Kolonialisten-Jud. Daher, so Kaveh: „Ich denke, es ist die Pflicht jedes Menschen, sich für Palästina einzusetzen“. Für ihn ist Judenfeindschaft also ein konstituierendes Element von Menschlichkeit, Antisemitismus nicht nur ein Menschenrecht, sondern gar eine Menschenpflicht.

Antideutsche hingegen seien böse Rassisten. Immerhin würden sie doch glatt behaupten, dass die Palästinenser*innen, gäbe es eine Einstaaten-„Lösung“, die Jüd*innen in Eretz Israel/Palästina töten würden (43:45). Nun, diese Annahme ist keinesfalls rassistisch, sondern leider richtig. Die Hamas fordert in Artikel 2 ihrer Charta die völlige Vernichtung Israels; behauptet in Artikel 7, das komplette Land gehöre nur den Muslimen; die Hamas erzieht Kinder gemäß ihrer ekelhaften antisemitischen Ideologie; steckt sie in Terrorcamps; indoktriniert sie mit antisemitischen Kindersendungen; Hamas-Offizielle leugnen den Holocaust und behaupten, die Juden seien schlimmer als die Nazis; Hamas-Kleriker rufen zur Tötung jedes einelnen Juden auf. Laut einer Studie der Konrad-Adenauer Stiftung von 2014 waren 94% der Bewohner des Gazastreifens zufrieden mit dem militärischen Handeln der Hamas, also mit dem Raketenbeschuss auf israelische Zivilisten, dem Missbrauch von palästinensischen Zivilisten als menschliche Schutzschilde, und dem Graben von Terrortunneln, um Jüd*innen umzubringen. Hätte es zu diesem Zeitpunkt Wahlen in den palästinensischen Gebieten gegeben, so wird in der Studie auch festgehalten, hätte die Hamas gewonnen. Aber nunja, selbst ein Herr Abbas preist ja jeden Tropfen Blut, um Jerusalem willen vergossen werde; also ist das eigentlich auch egal. Es ist nunmal eine traurige Tatsache, dass Jüd*innen ziemlich übel dran wären, wenn es Israel nicht mehr gäbe.

Israel aber sei natürlich sowohl eine Theokratie als auch eine Ethnokratie (1:03:50), und überhaupt genauso schlimm wie der Iran. Natürlich, Israel ist eine Ethnokratie – das beweisen ja die zahlreichen arabischen Abgeordneten in der Knesset, die arabischen Richter, die drusischen Soldaten. Welch gar schröckliche Ethnokratie! (Dass es auch in Israel Rassismus gibt ist eine Tatsache – aber wo gibt es keinen Rassismus? Wäre dann nicht jedes Land eine Ethnokratie?) Der Vergleich mit dem Iran ist schon deshalb völlig deppert, weil im Iran der Ayatollah das Staatsoberhaupt ist. Der Iran ist also tatsächlich eine Theokratie – Israel aber nicht.

Das iranische Regime, so Kaveh, sei natürlich schon irgendwie doof, aber immerhin habe es seit 200 Jahren keinen Krieg angefangen, während Israel „mindestens fünf Kriege vom Zaun gebrochen hat“. Die zahlreichen Drohungen des iranischen Regimes, Israel auszulöschen, nimmt Kaveh nicht wahr, die Hinrichtungen Oppositioneller, die Unterdrückung der Frauen, die Unterdrückung von generell so ziemlich allem im Iran, die Finanzierung von Terrororganisationen und die Unterstützung für Assad – aber hey, die Juden, das sind Kriegstreiber! Sie „brechen Kriege vom Zaun“, wie Kaveh im schönsten antisemitischen Code von sich gibt. Welchem Zweck diese Kriege dienten, ob sie notwendig, wer die Gegner waren – egal. Die Gazakriege wurden natürlich auch nicht von der Hamas begonnen, die tausende Raketen auf Israel abschoss, sondern immer von Israel (man merke: Wenn die Jüd*innen sich wehren, dann haben sie angefangen) Die Juden, das sind Landräuber und Kriegstreiber, das weiß Kaveh. So sei Israel natürlich auch am Syrienkonflikt schuld (1:11:00) – äh, wie bitte?

Wenn Ken Jebsen dann den Drohnenkrieg mit dem Holocaust vergleicht, hat Kaveh keinerlei Einwände (1:23:10), und wenn Jebsen Verschwörungstheorien verzapft von irgendwelchen ominösen Leuten, die wollen, dass Flüchtlinge nach Europa kommen, erfolgt von Kaveh nur ganz schüchterner Widerspruch (1:29:30). „Sog. ‚Verschwörungstheoretiker‘ wie Ken Jebsen werden partout und zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt“, schrieb Kaveh mal. Ja … man merkt’s …

Der völkische Schulterschluss mit Jebsen muss auch noch erfolgen. Kaveh bemängelt, es gebe im Nahen Osten keine starke nationalistische Bewegung (1:26:50). Schon zuvor, als es um das Thema Fluchtursachen ging, hatte Kaveh darauf hingewiesen, die bösen USA würden all die schönen Nationalstaaten in der Region kaputt machen. Diese Faible für Nationalisten hat nun wirklich so gar nichts linkes an sich.

Wen würde es also schon wundern, wenn in der Kommentarsektion eines Interviews von Kaveh mit RT Nazis und Stalinisten Hand in Hand die Vernichtung der Antideutschen fordern würden?

Kavehs Fanboys

Sehen Antideutsche scheiße aus? Teil 2

Ein bisschen lang ist es jetzt her, dass ich den ersten Teil dieser Quadrologie schrieb – Hausarbeiten und Lustlosigkeit kamen mir dazwischen. Wie auch immer. Was bisher geschah: Thawra und Kaveh hatten 2015 ein Lied veröffentlicht, in dem sie mit unverhohlenem Antisemitismus die antideutsche Bewegung angriffen. Im ersten Part besticht besonders ein Abschnitt in seiner Deutlichkeit: „Haram, diese Tiere feiern Shuja3ya/ Sie lieben den Tod, sie sind übelst kultiviert/ Sie lieben Israel, denn ihr Geist ist okkupiert“. In drei Versen eine Entmenschlichung, ein Rückgriff auf religiöse Bewertungsmaßstäbe, und auf zwei antisemitische Stereotype – Respekt, da meint es jemand ernst.

Thawra retweetete meinen Artikel zum ersten Part mit dem Kommentar „Hallo, es ist 2017“ (oder so ähnlich, ich habe den Tweet nicht mehr gefunden, vielleicht hat sie ihn gelöscht). Meine Nachfrage, ob das eine halbherzige Distanzierung von dem Track sei, wurde nicht beantwortet – vermutlich ärgert sie sich lediglich darüber, dass Antisemitismus auch nach zwei Jahren noch thematisiert wird, und wollte auf etwas kryptische Art einen Schlussstrich ziehen. Das ist ja so lange her!

Wie dem auch sei; auf das dumme Intro Kavehs und einen Part Thawras folgt die Hook, in der die beiden Interpreten vor zwei Flaggen der palästinensischen Nationalbewegung und zwei roten Flaggen posieren, zusammen mit einer Meute in Palästinenser-Tücher gehüllter Menschen. Einer dieser Menschen ist übrigens Roldán Mendívil, und unter anderem wegen der Beteiligung an diesem Video erhält sie von der Freien Universität Berlin keinen weiteren Lehrauftrag mehr. Tja, dumm gelaufen.

Was rappen Thawra und Kaveh nun in der Hook? Folgende Verse:

Tahya Falastin, tahya Falastin
Kein Frieden mit dem Besatzungsregime
Tahya Falastin, tahya Falastin
Rote Fahnen über Ghazza und Jenin!
Freiheit für Falastin, Freiheit für Falastin
Kein Frieden mit dem Apartheidregime
Freiheit für Falastin, Freiheit für Falastin
Rote Fahnen über al-Quds und Tal Abib!

Israel wird also sowohl als „Besatzungsregime“ als auch als „Apartheidregime“ verunglimpft, was nicht nur die Opfer wahrer Apartheid verhöhnt, sondern zusammen mit der Forderung „Freiheit für Falastin“ offensichtlich die Vernichtung Israels fordert. Obendrein solle auch kein Frieden mit Israel geschlossen werden – offener kann man antisemitischen Terrorismus kaum legitimieren. Wer Frieden mit Israel ablehnt und die „Befreiung“ Palästinas fordert, will nichts anderes als die völlige Vernichtung Israels. Das zeigt auch die Verwendung der arabischen Städtenamen „al-Quds“ und „Tal Abib“ statt „Jerusalem“ und „Tel Aviv“ – die Auslöschung betrifft nicht nur den jüdischen Staat, nicht nur die jüdischen Menschen, sondern sämtliche Aspekte jüdischer Präsenz in Eretz Israel/Palästina. Über diesen Städten sollen „rote Fahnen“ wehen, im Video sind allerdings ebenso viele Fahnen der palästinensischen Nationalbewegung zu sehen. Anscheinend wird also eine Art nationaler Sozialismus gefordert, ein ethnisch reiner Nationalstaat mit (pseudo)sozialistischer/(pseudo)kommunistischer Ausrichtung. Die Querfront lässt grüßen.

Auf dieses Gejohle nach der völligen Vernichtung jeder jüdischen Präsenz in Eretz Israel/Palästina folgt Kavehs erster Part. Er beginnt gleich in dem selben Ton wie Thawra: „Ihre Ideologie geht über Leichen und verursacht Tote“. Während allerdings Thawra rappt, Antideutsche würden den Tod „lieben“, beschränkt sich Kaveh immerhin darauf, das Töten nicht als Selbstzweck, sondern als Begleiterscheinung der unterstellten Ideologie zu bezeichnen. Oder doch nicht – nur ein bisschen später heißt es dann auch bei Kaveh:

Die Empathie ist hinter ihrer Maske verblutet
Ich würds ja gerne sachte versuchen
Doch muss ich ihre Menschenverachtung verfluchen
Sie freuen sich, wenn Israel das Land zerbombt
Es sichert seine Kolonie dadurch, dass die Panzer kommen

Aber nicht nur seien Antideutsche empathielose Gesellen, die den Tod bejubelten – wenn er schon dabei ist, bezeichnet Kaveh natürlich auch noch gleich ganz Israel als „Kolonie“. Was in der Hook schon deutlich wurde, wird hier erneut unter Beweis gestellt: Vom Existenzrecht Israels halten weder Thawra noch Kaveh irgendetwas.

Auf diese Zeilen folgt allerdings auch auf einer rein ästhetischen Ebene der komplette Absturz. Man führe sich diese Reimkette zu Gemüte:

Egal ob von der Osten-Sacken oder BAK Shalom:
Ihre Köpfe sind so hohl wie n leerer Pappkarton
Völlig verloren wie ein entgleister Nachtwaggon
Feiern sie Israel als wäre es ein Marathon

Ok, Köpfe, die hohl wie ein leerer Pappkarton sind – der Vergleich ist nicht sonderlich kreativ, genau genommen ist er sogar ziemlich dämlich. Denn zu sagen, etwas sei hohl wie etwas das leer sei, ist textlich ungefähr auf einem Niveau mit dem Refrain von Bibis „How it ist (Wap Bap)“. Mir fallen spontan ähnlich gute Lines ein, vielleicht hat Kaveh ja Bedarf, er kann sich gerne bedienen:

Hier ist es hell, wie an einem Ort, wo Licht scheint
Es ist als wär der Eingang zu, denn du kommst nicht rein
Wir stehen fest auf dem Boden wie ein Tisch, der nicht wackelt
Du bist es, der hier wie so ein komischer kleiner langgezogener Hund mit kurzen Beinen rumdackelt

Aber Kaveh war mit seiner Reimkette ja noch nicht fertig. Dass es sich um einen „Pappkarton“, nicht um einen „Karton“ handelt, liegt natürlich am Reim – aus dem selben Grund ist es auch ein „Nachtwaggon“, kein „Zugwaggon“, der engleist. Der Vergleich („verloren wie etwas engleistes“) ist nicht nur schief, sondern fast ebenso unterirdisch wie der Vergleich in der Line davor, und die letzte Line dieser Reimkette sprengt nochmal alle Dimensionen der blöden Vergleiche. „Feiern sie Israel als wäre es ein Marathon“ – hä? Ist Israel ein Marathon? Oder bezieht sich der Marathon auf das Feiern? Aber ein Marathon ist doch ein sportlicher Wettbewerb, der sich durch seine zu Fuß zurückzulegende elendlange Distanz auszeichnet, nicht dadurch, dass man unaufhörlich jubelt. Oder bezieht sich das auf die Menschen am Rand, die den Läufern zujubeln? Aber dann wäre das ja ein „jubeln wie jubeln“ Vergleich. Naja, er wollte halt eine sicke Reimkette. Und wenn die Endreime inhaltlich eigentlich absolut nicht zusammenpassen, dann wurstet man das eben mit billigen Vergleichen hin. Wie ein Anfänger. Ich dachte Kaveh würde schon länger Rap machen?

Nach dem Beweis seiner Inkompetenz in Sachen Rap geht es dann auch mal wieder inhaltlich voran. Natürlich würden Antideutsche Muslime hassen, wären eigentlich selber total deutsch – naja, unkreativer als die depperten Vergleiche vorher kann es nicht mehr werden. Aber natürlich muss Kaveh noch schnell ein „Kauft nicht bei Juden“ raushauen: „Ich geb n Scheiß drauf, dass ich euch schockier/ Nur weil ich die Produkte Israels boykottier“. Schockieren dürfte das nur die wenigsten Leute – es widert mich an, wundert mich gleichzeitig aber nicht. Nur wer sich über die Virulenz des Antisemitismus nicht im Klaren ist und mit deutschem Rap selten bis gar nicht in Berührung kommt, würde sich über antisemitische Aussagen bei deutschen Rappern wundern, oder von diesen gar schockiert sein. Hm, naja – „euch schockier“ reimt sich eben ganz gut auf „boykottier“, sogar ohne dämlichen Vergleich.

Interessant ist an der Aussage von Kaveh übrigens besonders Folgendes: Anders als es normalerweise bei Antisemi- äh, Antizionisten der Fall ist, bezieht sich Kaveh nicht auf Produkte aus jüdischen Städten in Judäa und Samaria (sog. „Siedlerprodukte“), und redet sich also auch nicht damit heraus, er boykottiere ja nur ganz bestimmte Übeltäter und keinesfalls pauschal alle Juden in Eretz Israel/Palästina. Stattdessen ist es ganz explizit alles aus Israel – und wer würde daran zweifeln, damit sei nur alles jüdische in Israel gemeint, wo ihm doch an der palästinensischen Sache so viel liegt? Dies allerdings dürfte vor dem Hintergrund seiner Vernichtungsfantasien gegenüber Israel nur die wenigsten wundern. Und schockieren schon gar nicht.

Sehen Antideutsche scheiße aus? Teil 1

Im deutschen Rap-Geschäft kommt es ja immer gut, ein wenig gegen Israel zu hetzen. Warum das so ist? Nun, mit stumpfer Israel-Hetze erreicht man ganz gute Medienaufmerksamkeit, man bekommt seinen kleinen Skandal, weil sich Leute über einen aufregen, aber so wirklich Probleme bekommt man nicht, denn Israel-Hass ist ja heutzutage irgendwie schick. Die jugendliche, meist muslimisch geprägte und sozial abgehängte Käuferschicht (die deutscher Rap nunmal überwiegend hat), die in dem Hass auf Israel und arabischem Nationalismus eine Flucht aus der Ohnmacht findet, applaudiert, und kauft kräftig das Album. Aufmerksamkeit und Geld – das ist alles, was der durchschnittliche Rapper haben will.

Und da spielt es dann auch keine Rolle, ob der/die Rapper(in) nun linksradikal, ein Macho und/oder ein(e) islamistischer Fundamentalist(in) ist. Bei Israel sind sie sich alle einig: Israel ist böse – und natürlich an allem Schuld.

Auch Kaveh und Thawra profilieren sich über Israel-Hass. In ihrem Lied „Antideutsche / Tahya Falastin“ bringen sie ihren Hass gegenüber allem, was nicht gegen den Staat Israel ist, zum Ausdruck. O-Ton Thawra: „Ich wollte vor allem erstmal meinen Hass auf die Antideutschen zeigen und deutlich machen.“

Interessant ist dabei zuallererst die Verwendung des Wortes „antideutsch“ als antisemitischer Kampfbegriff. Im Intro sagt Kaveh:

Viele Linke, die sich selbst nicht als Antideutsche sehen, benutzen trotzdem antideutsche Argumente. Antideutsche solidarisieren sich unkritisch mit Israel und den USA. Für sie ist Antizionismus gleichbedeutend mit Antisemitismus.

Für Kaveh definiert sich „antideutsch“ also zuallererst – das macht auch der Text des Liedes deutlich, in dem es fast ausschließlich um Israel geht, klar – über die Solidarität zum jüdischen Staat. Wenn er nun sagt, auch nicht antideutsche Linke würden „antideutsche Argumente“ benutzen, verkommt das Wort „antideutsch“ zu einem Kampfbegriff – einem Kampfbegriff, der all das diffamieren soll, was gegen Antizionismus ist. Dass Israel-solidarische Linke, vollkommen unabhängig zu ihrer tatsächlichen Positionierung zum Thema Deutschland, als „antideutsch“ bezeichnet werden, überträgt antisemitische Stereotype auf all jene, die sich gegen Antizionismus einsetzen. Denn jedem, der Israel-solidarisch ist, wird so vorgeworfen, ein „Vaterlandsloser Geselle“ zu sein, einer, der nicht loyal zu Deutschland, sondern nur loyal zum jüdischen Staat ist. Diese antisemitische Denke schlägt sich also in Kavehs Benutzung des Wortes „antideutsch“ nieder.

Die von Kaveh im Intro begonnene Übertragung antisemitischer Stereotype auf all jene, die sich gegen Antizionismus einsetzen, führt Thawra fort. „Sie lieben den Tod, sie sind übelst kultiviert“ rappt Thawra über Antideutsche. Die Unterstellung von Blutdurst und Arroganz ist ein Jahrhunderte altes antisemitisches Stereotyp, und wird hier nicht zufällig auf Israel-solidarische Menschen übertragen.

Und Thawra macht gleich munter weiter mit der Diffamierung von Antideutschen: „Haram, diese Tiere feiern Shuja3ya“ rappt sie – Dehumanisierung gleich innerhalb der ersten fünf Verse, na, das geht ja gut los! Leider habe ich keine Ahnung, was „Shuja3ya“ meint, dabei feiere ich Tier als Verwender „antideutscher Argumente“ das doch angeblich. Interessant ist hier allerdings neben der Dehumanisierung auch der Rückgriff auf islamische Kategorien zur Verurteilung des Gegners. „Haram“ wird den Antideutschen entgegengeschleudert – wer aber religiöse Kategorien als Maßstab für Gut und Böse heranzieht, der geht eine unheilige Allianz mit der Religion ein. Kommunistisch ist ein solches Anbiedern bei Klerikalen gewiss nicht. In der Religion entscheidet Gott darüber, was richtig und was falsch ist, und sein Urteil darf von Menschen nicht angezweifelt werden – schließlich ist Gott der anbetungswürdige, Unterwerfung fordernde Allwissende. Gott in Zweifel zu ziehen bedeutet Gott erniedrigen. Wenn Gott aber definiert, was Gut ist und was Böse, so entziehen sich diese Kategorien jeder Logik. Der Erfinder Gottes diktiert, was gut ist und was nicht, der Mensch ist entmachtet. So wird der Mensch Untertan der Religion. Wenn also Thawra das Wort „haram“ als abwertende Beschreibung Antideutscher verwendet, so offenbart sie, wie fremd ihr – zumindest in Bezug auf Israel und Juden – sowohl Rationalität als auch Kommunismus sind.

Dieser Eindruck verstärkt sich nur, beachtet man folgende Zeile von Thawra: „[Antideutsche] Sind für Zivilisation gegen den Islam“. Nun, selbstverständlich sind Antideutsche für Zivilisation – und welcher vernünftige Mensch ist das nicht? Und ja, da Kommunisten antiklerikal sind – was Thawra wohl zu begreifen partout nicht im Stande ist – sind sie auch gegen den Islam. Ebenso, wie sie gegen jede Religion sind, ob es nun Christentum, Judentum, olympische Götter oder was der Geier was ist.

Ein Denkfehler, der sich über das gesamte Lied erstreckt, offenbart sich schon innerhalb der ersten beiden Verse. „Ich hasse Antideutsche sehen alle scheiße aus/ mit ihren Stars and Stripes und ihrem Weiß und Blau“, rappt Thawra, polemisiert also gegen Antideutsche als angebliche Nationalisten. Dabei heißt das Lied, in dem sie diese Anschuldigung äußert „Tahya Falastin“, also „Freiheit für Palästina“, und in der Hook werden die Fahnen der palästinensischen Nationalbewegung geschwenkt. Auch das Tragen von Palästinenser-Tüchern – ganz dezidiert als politische Botschaft, wird in dem Track doch der Verbot dieses Tuches in antideutschen Clubs bemängelt – durch Thawra und Kaveh zeigt, wie sehr diese sich selbst vom Nationalismus distanzieren. Nämlich gar nicht.

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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=LpWzpLepDjo

Antideutschen aufgrund des Tragens von „Stars and Stripes und ihrem Weiß und Blau“ Nationalismus vorzuwerfen, während links und rechts von einem die Palästina-Flaggen wehen, ist schlichtweg absurd, und es muss sich die Frage gestellt werden, ob hier Dummheit oder Bosheit am Werk ist.

Ebenso widersprüchlich äußert sich Thawra, wenn sie zunächst den Antideutschen vorwirft: „Der deutsche Staat als Feind interessiert keine Sau“, dann aber nur ein paar Verse weiter behauptet, Antideutsche hätten „Komplexe wegen Opa in Stalingrad“. Ja, was denn nun – sind Antideutsche gegen Deutschland, oder nicht? Interessieren sie sich für Deutschland, oder nicht? Dass Thawra hier zudem auf den angeblichen „Schuldkult“ Bezug nimmt, ist offensichtlich, und zeigt ihre fatale Einstellung zur Holocaust-Bewältigung und -Erinnerung. Es würde nicht verwundern, käme als nächstes die Äußerung, Deutschland befände sich unter der Knute der Juden/Israelis.

Und tatsächlich, so ist es. „Sie lieben Israel, denn ihr Geist ist okkupiert“, rappt Thawra allen Ernstes (an dieser Stelle sei an die Verwendung des Wortes „antideutsch“ als antisemitischer Kampfbegriff sowie die Übertragung antisemitischer Stereotype auf Israel-solidarische Menschen erinnert). Wo man nun früher von „Goi“ oder „Judenknechten“ sprach, okkupieren heute die Israelis den deutschen Geist. Man könnte es fast für einen Witz halten, für Satire, aber die Frau meint das tatsächlich ernst. Und wenn sich schon nach gerade einmal sieben Versen der unverhohlene, affektiv ausgedrückte Judenhass Bahn bricht, vergeht mir wirklich jede Lust, den Track bis zum Ende durchlaufen zu lassen. Wann kommt das Feature mit MaKss Damage? Man könnte ja zusammen ein bisschen „Giftgas in jüdische Siedlungen leiten“, dann würde bestimmt auch die Okkupation des deutschen Geistes beendet. Thawra und MaKss Damage würden sich bestimmt prächtig verstehen – eine musikalische Querfront, juhu. Die Erklärung, Thawra brauche „keine Querfront um für Freiheit zu kämpfen“ offenbart immerhin, dass sie sich ihrer ideologischen Nähe zu Nazis durchaus bewusst ist, befände sie es doch sonst nicht für nötig, sich halbherzig und oberflächlich von diesen abzugrenzen.

Vollkommen irrational wird Thawra, wenn sie den Antideutschen vorwirft, „die Atombombe auf den Iran“ zu fordern. Hier finden wir Täter-Opfer-Umkehr par excellence: Obwohl es die iranische Regierung ist, die die Vernichtung Israels immer wieder lautstark ankündigt, wird so getan, als wäre es Israel, bzw. die Antideutschen, die den Iran vernichten wollen. Kein Antideutscher fordert die Atombombe auf den Iran. Vielmehr muss die iranische Opposition gestärkt werden, um die wahnsinnige Theokraten des iranischen Regimes zu stürzen. Die sind nämlich das Problem, nicht der durchschnittliche Iraner.

Während Thawra also vorbei an der Realität Antideutschen Vernichtungsfantasien unterstellt, hegt sie selbst ebensolche gegen die antideutsche Bewegung: „Mir gehts gut, denn die Strömung wird bald verschwinden:/ Antideutsche sind keine Linken.“

Antideutsche seien also überdies keine Linken – dies von einer sich Klerikalen anbiedernden Antisemitin zu hören ist irgendwo zwischen „interessant“, „lustig“ und „erschreckend“.

Soviel zum ersten Part dieser antisemitischen Hetzpropaganda. Die Teile 2, 3 und 4 folgen alsbald.

#ProudToBeInfluencer

Die Youtuber haben es schon lange erkannt: Heutzutage reicht es nicht mehr, einfach nur Kunst zu machen, um Geld zu verdienen, insbesondere, wenn man künstlerisch absolut unbegabt ist und am liebsten einfach nur Geld scheißen würde, ohne etwas dafür zu tun. Daher werden sie zu Werbefiguren. Sie halten Produkte in die Kamera und werden dafür bezahlt, sie packen Affiliate-Links in die Videobeschreibung, und sie verkaufen Werbung auf ihren Social-Media-Plattformen. Um dem Klickvieh den Blick darauf zu verstellen, dass das de facto nichts anderes ist als Werbung, nennen sie sich „Influencer“ – ein auch nicht sonderlich schöner Ausdruck, aber welches durchschnittliche zwölfjährige Kind kann schon vernünftiges Englisch?

Aber ich will hier ja gar nicht über Youtuber lästern, sondern über einen Rapper. Majoes Promophase ist vorbei, sein Album draußen, und die letzten paar Singleauskopplungen seines Albums werden mit Videos versehen auf Youtube hochgeladen. Eines dieser Musikvideos heißt wie folgt: „Majoe & McFIT present XWENN DIE SONNE AUFGEHTX[ official Video ] #ProudToBeMcFIT

Wie gesagt, es handelt sich um ein Musikvideo, und dieser Fakt alleine lässt den Titel schon absurd wirken. Es scheint ja fast, als hätte Majoe hier ein Feature vom Rapper McFIT bekommen, steht der Name des Rappers und eventueller Featuregäste bei Rapvideos doch immer an genau der Stelle, wo bei diesem Video „Majoe & McFIT“ steht. Aber nein, McFIT ist kein Rapper, sondern eine Firma, und ein Feature mit einer Firma wäre ja doch sehr seltsam. McFIT hat Majoe anscheinend schlicht und ergreifend dafür bezahlt, im Videotitel zu stehen. Der peinliche Hashtag „#ProudToBeMcFIT“ am Ende des Videotitels macht die Sache nicht besser, sondern nur noch lächerlicher.

Würde McFIT in dem Video wenigstens irgendeine Rolle spielen, könnte ich die Sache ja verstehen. Hätte Majoe in einem Fitnesscenter gedreht, oder wenigstens darüber gerappt was für krasse Muskeln er hat – dann hätte die Sache ja noch irgendwie Sinn ergeben. Das hätte man mit McFIT in Verbindung bringen können, und es wäre nicht mehr so absurd, dass McFIT im Videotitel steht. Aber nein, der Song ist nur der durchschnittliche Motivationstrack, der auf keinem Mainstream-Rap-Album fehlen darf. Es besteht absolut kein Bezug zu McFIT. Außer einer guten Bezahlung für die Werbung, versteht sich.

Wie er generell so zu Werbung und dem Job als „Influencer“ steht, verrät Majoe im Interview mit BMTV Urban. Auf die Frage, ob er es gut fände, dass Rapper zunehmend durch Werbung Geld verdienen können (ab ca. 1:30), antwortet Majoe:

Ja, auf jeden Fall. Also ich glaub auch, dass wir ne riesen Vorbildfunktion für die Jugend haben. Und das ist ja dann auch für die Fans super natürlich, ihr Vorbild, sag ich mal, als Gesicht von McFIT oder einfach nur in ner Fernsehwerbung oder in ner Kooperation in nem Musikvideo zu sehen.

Majoe ist also der Meinung, er würde seinen Fans einen Dienst erweisen, indem er in den Videotitel „McFIT“ und einen peinlichen Werbehashtag schreibt. Was genau seine Fans nun davon haben verrät er nicht so genau. Vermutlich dürfen sie stolz darauf sein, dass ihr Vorbild doch tatsächlich für Werbung bezahlt wird.

Seine Antwort verrät allerdings noch viel mehr: Er nutzt seine Fans aus. Er ist sich über seine Vorbildfunktion für die Kinder, die seine Musik hören, durchaus im Klaren, und setzt dies gezielt ein, um als „Influencer“ tätig zu werden und ordentlich Geld zu scheffeln. Anstatt seinen Fans vernünftige Werte zu vermitteln, funktioniert er sie lieber zu Gelddruckmaschinen um. Und seine Fans sollen ihm auch noch dankbar sein dafür. So funktioniert Rap heute.

Gibt es noch etwas Interessantes zum Song selbst zu sagen? Eigentlich nicht. Wie gesagt, es ist der Standard „oh-ich-brauch-noch-was-Deepes-damit-sich-das-Album-besser-verkauft“-Song. Rein handwerklich nicht schlecht gemacht, die E-Gitarrenelemente täuschen ein wenig über die Durchschnittlichkeit hinweg, die Reime sind solide – nur der Inhalt, oh, der Inhalt. Eine Line war ganz gut: „Auf grader Strecke um die Welt, doch wir drehen uns im Kreis“. Warum genau wir uns nun auf gerader Strecke um die Welt bewegen ist nicht ganz ersichtlich, wodurch die Line natürlich etwas zusammenhanglos ist und schwächer ist, als sie es verdient hätte. Aber das Wortspiel mit der geraden Strecke, trotz derer wir uns im Kreis drehen, hat was. Wäre die Line besser in den Kontext eingearbeitet, könnte ich sie wirklich feiern. So viel zu den guten Lines in diesem Lied. Der Rest ist Einheitsbrei. Verlorene Liebe, der doofe Chef – worüber man sich eben so auslässt, wenn einem sonst nichts besseres einfällt.

Unschöne Elemente, die wohl Produkt eines bedenklichen Weltbildes sind, finden sich allerdings auch. So ist der Ausbruch aus der Bedrückung und Niedergeschlagenheit im Video durch Gewalt gekennzeichnet. Begleitet von lauten Drumms und dem aggressiven Geschrebbel der E-Gitarren haben die Darsteller im Video auf einmal riesige Hämmer in ihren Händen. Ein Hammerkopf wird auf den Boden gestampft, das Bild wackelt. Manisch brüllende Menschen werden gezeigt, sie prügeln mit den riesigen Hämmern auf eine Steinwand ein. Der Weg aus der Bedrückung wird so unnötig brutalisiert. Nicht das Schöne, das Hoffnungsvolle wird in den Fokus gerückt, sondern Wut, Zerstörung und animalische Triebe. In den Lyrics findet sich dieses brutalisierende Element ebenfalls, wenn deutlich reduzierter. In der Line „zu jedem Sieg gehört ein Kampf“ spiegelt sich das Denken in Gewaltakten wieder, wird doch hier behauptet, jedes Erfolgserlebnis komme nur durch das Unterdrücken anderer Menschen zustande. Dem jugendlichen Zuhörer wird durch die Kombination von Video und Text Gewalt als Lösung allen Übels verkauft.

Vielleicht findet sich hier die Brücke zu McFIT? Vielleicht ist die Message: Wenn du deine Probleme lösen willst, dann hilft dir nur brachiale Gewalt, und für brachiale Gewalt brauchst du dicke Muskeln, und bei McFIT bekommst du dicke Muskeln.

Majoe jedenfalls, der Eindruck entsteht, begreift Rap vor allem als ein durchkalkuliertes Geschäft, und was er mit seinen Produkten bei der jugendlichen Käuferschicht anrichtet, ist ihm zwar bewusst, aber völlig egal.

„Jud Süß“ geht halt nicht mehr

Man hat es als Antisemit heute wirklich schwer. Damals, unter Hitler, als die Welt noch in Ordnung war, da hat man in „Jud Süß“ und „Die Rothschilds“ noch ganz ungeniert im Kino gegen Juden hetzen können – sowas geht ja heute gar nicht mehr. Heute muss man verschleiern. Muss die ganz üblen Lügen rauslassen, sich ein wenig beim bauchlinken Publikum anbiedern, alles ein wenig hinter einer friedlichen Maskerade verschleiern.

Am besten klappt das, wenn der antisemitische Hetz-Film einen jüdischen Regisseur hat. Denn wie jeder weiß, kann ein Jude ja gar kein Antisemit sein! Jawohl! Völlig ausgeschlossen! Es gibt ja auch keine Selbstmörder, oder Leute, die sich ritzen! Hass gegen sich selbst oder eine Gruppe, der man zugerechnet wird, ist völlig unmöglich! Bei einem Juden fragt keiner, ob er ein Antisemit ist; ein Jude ist über jeden Antisemitismusverdacht erhaben.

Udi Aloni genießt diese Freiheit. Er ist Jude, und wenn ein Jude etwas sagt, was dem gemeinen Antisemiten gefällt, dann hält dieser Jude als Kronzeuge gegen all die bösen Juden her. Es ist ja so toll, denn schließlich hat der Antisemit endlich einen Juden gefunden, der seine Meinung teilt, ein Jude, der die Juden ebenso hasst wie er. Und ein Jude kann ja kein Antisemit sein, ergo ist das, was er sagt, nicht antisemitisch, und dadurch ist das, was der Antisemit sagt, nicht antisemitisch, und ergo er selbst kein Antisemit, und außerdem, wer die Meinung eines Juden toll findet, der kann ja selbst kein Antisemit sein, neinnein! Udi Aloni ist der beste Freund jedes Antisemiten.

Besonders, da man ihn als „israelische Seite“ des Konfliktes präsentieren kann, also als eine Person, die vorgeblich für die Israelis steht. Da muss dann natürlich auch noch schön deutlich auf die Nationalität von Aloni verwiesen werden, damit auch auf jeden Fall deutlich wird, dass er ein Alibi-Jude ist: „Der Regisseur Udi Aloni und seine Crew sind der lebendige Beweis für die Tatsache, dass der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern anders ist als wir denken: Aloni ist ein israelisch-amerikanischer Regisseur.“[Hervorhebung im Original] Ah, und wenn sogar er als Israeli das sagt, dann, ja dann!

Dabei ist Udi Aloni nichts anderes als ein leidenschaftlicher Israelhasser. Er hasst den jüdischen Staat so sehr, dass er ihn zerstört sehen will. Er bezeichnet allen Ernstes die israelische Regierung als faschistisch. Er unterstützt die antisemitische Organisation BDS. Er ist ein Israelhasser, ein Antisemit.

Und so wundert es nicht, dass er für seinen neuesten Schmierenfilm, „Junction 48“, einen Mann ins Boot holt, der ihn in Sachen Antisemitismus noch einmal eindrucksvoll übertrifft.

Tamer Nafar ist ein arabischer Israeli. Der erste „Palästinenser“, der mit Rap bekannt geworden ist. Und Tamer Nafar spielt in „Junction 48“ die Hauptrolle, den Rapper „Kareem“ – generell basiert der Film auf dem Leben von Tamer Nafar. Doch wer ist dieser Tamer Nafar?

Nun, auch Tamer Nafar ist ein leidenschaftlicher Antisemit und Israelhasser. In dem Track „Min Irhabi“, was in etwa so viel bedeutet wie „Wer ist hier der Terrorist?“, rappt er über Israel (Hier die Lyrics in der englischen Fassung, wie sie auf der Seite von Tamer Nafars Rap-Crew DAM stehen):

Democracy [gemeint ist Israel, Anm. d. Verf.]? Why? It reminds me of the Nazis

You’ve raped the Arab soul

and it became pregnant, giving birth to a child called “ terror attack“

And then you call us terrorists. You’ve killed and looted

Zunächst darf natürlich – wie in jedem Text, der gegen Israel und das jüdische Volk hetzt – die Gleichsetzung der Juden mit den Nazis nicht fehlen. Das ist klassischer Antisemitismus, und eigentlich so langweilig und durchschnittlich, dass man sich kaum mehr darüber ereifern will. Aber zum Glück fällt Nafar für den Hoho-Effekt noch etwas Spektakuläres ein: Die Juden haben die arabische Seele vergewaltigt! Ja, Vergewaltigung, damit kriegt man die Leute! Und natürlich, das weiß der eifrige Nafar, sind die Juden selbst schuld daran, wenn man sie umbringt. Würde man Nafar fragen, er würde sicher bestätigen können, dass die Juden auch am  Holocaust selbst schuld waren. Wahrscheinlich, um „Palästina“ besetzen zu können oder so. Wenn es den Holocaust überhaupt gab, vielleicht ist das ja auch eine Lüge der Juden. Nafar könnte es sicher sagen.

Man muss sich allerdings fragen, wie die arabische Seele Terror gebären kann, wenn doch laut Nafar Palästinenser überhaupt gar keine Terroristen sein können. Er vertritt eine Blut-und-Boden-Ideologie, derzufolge er alles tun und lassen darf was er will, weil er in „Palästina“ geboren wurde: „How can I be a terrorist if I live in my homeland?“, fragt er scheinheilig in „Min Irhabi“. Er legitimiert also Judenmord durch die Zugehörigkeit zum „palästinensischen Volk“. Noch abartiger geht es kaum. Es verwundert nicht, dass Nafar Juden im gleichen Track auch als „Feinde“ bezeichnet – alle, unterschiedslos.

Einer der Leute aus seiner Rap-Crew DAM, Mahmood Jrery, formuliert seinen Judenhass ebenso eindeutig in „Min Irhabi“: „I’m not against peace, peace is against me/ It wants to eliminate me, to erase my heritage“. Frieden mit Juden, das kommt für Jrery nicht in Frage. Sie müssen getötet, vernichtet werden, sämtlich abgeschlachtet, friedliche Koexistenz, das weiß Jrery, ist nicht möglich, schließlich zerstört Frieden ihn. Na, dann doch lieber Juden töten. Das muss man doch verstehen. Der arme Mann.

Die Rap-Crew DAM steht für eliminatorischen Judenhass. Das zeigt auch ihr Logo, wie es etwa auf ihrer Website prangt:

dam-ist-scheise

Zu sehen ist eine stilisierte Abbildung von ganz „Palästina“, mit einem ebenso stilisierten Pfeil, der von Jordanien aus nach „Palästina“ hineinragt (und somit Ähnlichkeit zum Logo der palästinensischen Terroroganisation PFLP aufweist). Israel ist hier völlig ausgelöscht, wie es in „Min Irhabi“ herbeifantasiert wird.

Wenn also sowohl der Regisseur als auch der Hauptdarsteller leidenschaftliche Antisemiten sind, und der Film das Leben eines leidenschaftlichen Antisemiten behandelt, wundert es nicht, dass in diesem Film kein einziger Jude irgendwie positiv dargestellt wird. Im Gegenteil: Jeder Jude, der in diesem Hetzfilm auftaucht, ist ein schlechter, verdorbener Mensch, der nur Böses will.

Damit ist „Junction 48“ nichts anderes als der Versuch, „den alten unversöhnlichen arabischen Befreiungsnationalismus aufzuhübschen.“ Ein antisemitischer Propagandafilm, der sich freilich nicht ganz so viel traut wie „Jud Süß“ und „Die Rothschilds“, aber die Grenzen des gesellschaftlich tolerierten Judenhasses gründlich auslotet. Dass ein solcher Film beim deutschen Publikum gut ankommt und auf der Berlinale mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, wundert dann allerdings auch nur die unverbesserlichen Optimisten.

Das Rumgehacke auf die deutsche Sprache

Majoe befindet sich momentan in seiner Promophase, und diesem Rahmen macht er „Majoephono“, ein Format, in welchem er Telefonstreiche spielt. Dazu sucht er sich Interviews eines Rappers und schneidet Sätze und Wortsequenzen heraus (bzw. er lässt das jemand anderen tun). Anschließend ruft er bei Leuten an und versucht ein mehr oder minder lustiges Gespräch nur anhand dieser Interviewfetzen zu führen.

Nun rief Majoe in der ersten Folge von „Majoephono“ mit Schnipseln von Farid Bang bei Casper an. Dieser ging zunächst nicht ran, rief aber später zurück, und es entwickelte sich ein Streitgespräch (etwa ab Minute 11:45), das man in etwa so zusammenfassen kann:

Casper: „Wer ist dran?“

Majoe: „Farid Bang. Warum schreibst du mit meiner Ex-Freundin?“

Casper: „Was geht dich das an?“

Majoe: „Übertreib nicht!

Casper: „… Kannst du auch normal reden? Oder ist dein Intelligenzquotient jenseits des Fußbodens?“

Majoe: „Du Bastard. Du Hurensohn. Du Hurensohn. Ich ficke deine Mutter. Du Hurensohn.“

Im Interview mit Rooz beschwerte sich Majoe dann über Caspers Reaktion, er sagte (ca. bei Minute 10:25): „Casper hat ein bisschen ekelhaft reagiert, deshalb hab ich dann auch die Tabu-Tasten ausgepackt so. […] Weißt du, was ich gar nicht mag? Dieses Rumgehacke auf die deutsche Sprache.“ Auch sagte er: „Diese Tasten kamen so richtig aus dem Herzen, weißt du. So du Hurensohn und so. Andere haben doch auch cool reagiert.“

Nun kann ich den Kritikpunkt von Majoe schon nachvollziehen. Es ist nicht unbedingt ein guter Argumentationsstil, sich nur auf die Ausdrucksweise des Gegenübers zu stürzen und dieses als dumm darzustellen. Ein solches argumentum ad hominem dient schließlich letztendlich eher dazu, sich über Wasser zu halten, wenn einem die inhaltlichen Argumente ausgehen.

Auch folgen gesprochene und geschriebene Sprache nunmal unterschiedlichen Regeln, und was in der Schriftlichkeit falsch ist, muss in der Mündlichkeit nicht deshalb auch falsch sein. So ist die Formulierung mit weil + Verbzweitstellung in der Schriftlichkeit ein absolutes Desaster, in der Mündlichkeit jedoch vollkommen gängig und daher nicht im Mindesten Ausdruck eines schlechten Sprachniveaus. Auch Expansion, Dativ-Possessiv-Konstruktion und viele weitere sind in der Mündlichkeit derart häufig genutzt, dass hier schlicht von ungrammatischen Ausdrücken nicht ausgegangen werden kann. Gesprochene und geschriebene Sprache folgen nicht zwangsläufig denselben Regeln, sondern in vielen Fällen unterschiedlichen.

Eine vom Standard abweichende Artikulationsweise, die Farid Bang sicherlich aufweist, und die zumeist von Menschen aus einem bestimmten, insgesamt eher weniger gebildeten Milieu verwendet wird, sollte auch kein Grund sein, einen Menschen zu beleidigen. Nicht umsonst garantiert das Grundgesetzt in Artikel 3 Absatz 3 den Schutz nicht nur vor Diskriminierung aufgrund der „Rasse“, Herkunft, Religion oder Behinderung, sondern auch vor Diskriminierung aufgrund der Sprache.

Allerdings hat Casper in meinen Augen dennoch nicht falsch reagiert. Da ruft (angeblich) ein Casper wohl bekannter Gangsterrapper mit dem vielsagenden Namen „Farid Bang“ an, der in schönstem Assi-Slang redet und fragt, warum Casper mit seiner Ex-Freundin schreibe. Casper hat völlig Recht, wenn er daraufhin fragt, was Farid das überhaupt angehe. Es zeugt von einem äußerst machohaften Weltbild Farids, wenn er glaubt, darüber verfügen zu können, mit wem seine Ex-Freundin schreiben darf (so stellte sich die Situation jedenfalls für Casper dar).

Wenn Farid auf diese Frage, warum ihn das etwas angehe, überhaupt nicht eingeht, sondern nur sagt „Übertreib nicht“, dann ist eine inhaltliche, konstruktive Diskussion offensichtlich nicht möglich. In diesem Moment sieht sich Casper also mit einer Person konfrontiert, die ein misogynes Weltbild hat und ihn irgendwie anschnauzen will. Es ist absolut verständlich, wenn man in solch einem Gespräch auf ein argumentum ad hominem zurückgreift. Das Gespräch ist ohnehin nicht konstruktiv, es geht also nur noch darum, es in eine Richtung zu lenken, in der man es halbwegs kontrollieren kann. Die einfachste Art, Farid Bang auszumanövrieren, ist, auf seinen Intellekt einzugehen.

Lustigerweise streitet Majoe gar nicht ab, dass Farid Bang dumm ist, sagt er doch, er finde es blöd „dann direkt auf den Intelligenzquotient einen zu reduzieren“, was in Anbetracht von Caspers Äußerung einen niedrigen IQ seitens Farid Bang impliziert.

Majoe bemängelt auch, andere hätten ja „cool reagiert“, dann hätte Casper das doch auch tun müssen. Das ist natürlich Quatsch – nur weil andere Leute auf eine bestimmte Art und Weise reagieren, heißt das nicht, dass Casper exakt gleich reagieren muss oder seine tatsächliche Reaktion deshalb illegitim wäre. Da klingt aus Majoe eher der eingeschnappte Junge, der auf die anderen zeigt, weil die das ja auch so gemacht haben.

Schließlich ist Majoe überhaupt nicht in der Position, Casper für sein Verhalten in diesem Gespräch zu kritisieren, hat er ihn doch ab etwa der Mitte des Gespräches fast durchgehend beleidigt. Hier auf der einen Seite Casper für seine Beleidigung des Intelligenzquotienten zu kritisieren, und dann ohne jede kritische Reflexion – selbst im Nachhinein nicht – permanent sein Gegenüber einen Hurensohn zu nennen, ist reichlich merkwürdig.

Rumgehacke auf die deutsche Sprache ist also nicht begrüßenswert, manchmal aber durchaus verständlich.

S. Castro – Truther, Putinfreund, Israelhasser

Es gibt Rapper, die rappen, weil es ihnen Spaß macht. Dann gibt es sicher noch Rapper, die rappen, weil sie damit Geld verdienen wollen. Eine Menge Rapper hat vielleicht aus Spaß angefangen und wegen des Geldes weitergemacht. Und dann gibt es da noch diejenigen Rapper, die rappen, um Menschen zu beeinflussen.

Ein solcher Rapper ist S. Castro. Im Interview mit RT Deutsch (dumm genug) sagte er auf die Frage, welche Rolle Musik bei seiner politischen Aktivität spiele:

Die Musik spielt für mich ne sehr große Rolle. Und zwar weil ich einfach schon in der Zeit gemerkt habe, wo ich selber noch keine Rapmusik gemacht habe, da hab ich schon gemerkt, dass Musik einen großen Einfluss auf mich und meine Umgebung hat, dass besonders die Jugend sehr krass auf Rapmusik abfährt. Und da habe ich mir gedacht: Wenn es so einen großen Einfluss hat, warum überlassen wir das Feld, als politische Menschen, warum überlassen wir das Feld an Leute, die sowieso nur dieses System beschönigen? Warum übernehmen wir das nicht selber? Warum nehmen wir das nicht selber in die Hand, um den Leuten richtigen Input zu geben? Oder zumindest um sie zum Hinterfragen zu bringen? Deswegen dachte ich mir, dass ich auf jeden Fall selber in der Musik aktiv werden muss.

S. Castro also ist ein Rapper, der einzig und alleine darum rappt, um politische Propaganda zu verbreiten, der Rapmusik gezielt einsetzt, um Menschen dann zu erreichen, wenn sie am leichtesten zu manipulieren sind: in ihrer Jugend. Politische Agititation, das ist sein Ziel, und wie er in „Wir werden sein“ rappt: „Ich kam durch Hass zum Rap“. Ein hasserfüllter Mensch, der durch seinen Rap die Jugend mit seinem Hass beeinflussen möchte. Das ist ja … super.

Nun, ein hasserfüllter, politisch interessierter Mensch – wen hasst so jemand wohl? Vielleicht haben Sie es schon erraten, geneigter Leser: Natürlich die Juden. Äh, pardon, Israel. „Kritisiere sie und du kriegst Antisemiten-Gelaber“, würde S. Castro jetzt wohl sagen, wie er es in „Venganza“ tut. Nun ist es vollkommen absurd, dass jeder, der Israel kritisiert, sofort als Antisemit bezeichnet wird. Natürlich darf und kann Israel kritisiert werden, genau wie jeder andere Staat auf dieser Welt auch. S. Castro aber übt keine Kritik an Israel, sondern er rappt:

Denn ich war, bin und werde immer sein

So wie der Serhildan in Rojava, Intifada in Gaza

Heb‘ die Fahne zum Kampf für den Frieden so wie Guevara

Denn sie zielen und belagern, schießen, stapeln Kadaver

Kritisiere sie und du kriegst Antisemiten Gelaber

Israel und Palästina, ein Riese mit atomarer Artillerie patroulliert aggressiv

Doch im Panorama sieht man wie sie als mutige Krieger

Die Krisen als wahrer Friedenspfarrer besiegen und die fiesen Muslime ballern

Komm, sieh in die Tiefe und du siehst die Propaganda

Wie die Medien dirigieren, Rezeptivität unterwandern

Nun zeugt es schon von verschwörungstheoretischem Denken, „den Medien“ als einer homogenen Masse eine bestimmte Agenda zu unterstellen. Dass diese aber angeblich sei, Israel gut darzustellen, ist schlicht grotesk, berichten doch die meisten deutschen – und auch insgesamt westlichen – Medien sehr antiisraelisch, was sich in ungewöhnlich häufigen NS-Vergleichen und Realitätsverdrehung äußert (auch lesenwert: welt). Dieses Missverständnis über die Rolle „der Medien“ im Nahostkonflikt geht natürlich einher mit der präventiven Beschwerde über Antisemitismusvorwürfe – so weit, so Standard. Doch was kritisert S. Castro denn außer „den Medien“? Eigentlich nichts so recht. Stattdessen behauptet er, Israel würde Gaza belagern und Kadaver stapeln, was nichts anderes als ein etwas schüchterner KZ-Vergleich ist. Sowieso ist es blödsinnig, die Gazablockade als Belagerung zu bezeichnen, denn humanitäre und kommerzielle Güter können durchaus nach Gaza eingeführt werden, und Personen können Gaza betreten und verlassen. Das „Kadaver stapeln“ ist dann nichts anderes als eine Dämonisierung Israels, ein verklausulierter Genozid-Vorwurf, der ebenso unsinnig ist: Im gesamten israelisch-palästinensisch/arabischen Konflikt starben erst 35.000 Palästinenser durch politische Gewalt – das ist ein äußert merkwürdiger Genozid. Insbesondere, da die Bevölkerung in Gaza kontinuierlich zunimmt.

Zudem spricht S. Castro von einer nie vergänglichen „Intifada in Gaza“, worauf die Line folgt: „Heb‘ die Fahne zum Kampf für den Frieden so wie Guevara“. Den Kampf der Hamas gegen Israel als Kampf für den Frieden zu bezeichnen ist grotesk, außer man meint mit „Frieden“ die Vernichtung des jüdischen Volkes – schließlich ist genau dies das Ziel der Hamas (siehe Artikel 7 der Hamas-Gründungscharta – auch in der neuen Charta der Hamas wird die Vernichtung Israels und der Stopp der „Judaisierung“ gefordert). Es passt allerdings, die Hamas und Che Guevara im selben Atemzug zu erwähnen, denn auch Guevara war ein Feind des Individualismus und ein Massenmörder. Die Line ist also in sich stimmig, was sie allerdings nicht besser macht, ganz im Gegenteil.

Aber so ein paar alte, durchgekaute Klischees über Israel zu erzählen, bei denen die große Masse bestätigend nickt, reicht natürlich nicht. Es muss noch ein bisschen deftiger werden, um aufzufallen, um dem Zuhörer ein „hohoho, endlich traut sich mal einer“ zu entlocken, und so rappt S. Castro in „Venganza“ an späterer Stelle: „Faschisten pissen auf das Völkerrecht/ Palästina, Kolonie der Vampire, die Hölle brennt“. Israel als einen faschistischen Staat, der gegen das Völkerrecht verstößt, zu bezeichnen, ist so langweilig und durchschnittlich wie falsch. Besonders widerlich ist an dieser Stelle allerdings das Aufgreifen eindeutig antisemitischer Stereotype, wenn Palästina als „Kolonie der Vampire“ bezeichnet wird. Hier wird sehr deutlich auf die Ritualmordlegende referiert, derzufolge Juden Christenkinder töten, um aus deren Blut Mazzen zu backen, ernähren sich Vampire doch vom Blut ihrer Opfer. Juden als Vampire zu verunglimpfen ist eindeutig antisemitisch, da gibt es keinen Zweifel. Umso erbärmlicher ist nur das präventive Rumgejammere über den völlig zurecht erwarteten Antisemitismusvorwurf.

Wer sich als links versteht und gegen Juden hetzt trägt natürlich auch die dazu passenden Klamotten: So posiert S. Castro auf seinem Facebook-Profil mit einem roten Palästinenser-Tuch verhüllt vor einem Hafen, und trägt dieses Tuch auch in einem Rapvideo. Das Palästinenser-Tuch hat eine eindeutige politische Botschaft: Terror, Unterdrückung des Individualismus, Nationalismus, Islamismus. Gerade der antisemitische und völkische Gehalt dieses Kleidungsstückes führt dazu, dass es auch von Nazis gerne getragen wird. Während die klassisch schwarz-weiße Variante des Palästinenser-Tuches von Anarchisten bevorzugt wird, tragen Kommunisten eher die rote Variante. In der Farbwahl bestätigt sich also, dass S. Castro dieses Tuch nicht einfach so trägt, sondern sich des politischen Gehaltes dieses Kleidungsstückes bewusst ist, passt doch selbst die Farbwahl zu seiner politischen Gesinnung.

Auch im Track „Krieger 2“ trägt S. Castro das rote Palästinenser-Tuch, und während er aggressive Zeilen rappt, hebt die Masse hinter ihm die rechte Faust nach oben – und einer der Kerle trägt eine rote Armbinde. Eine interessante Bildsprache.

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Wer nun wiederum von einer Verschwörung der Medien faselt und gegen Juden hetzt, der weiß natürlich auch, dass diese Welt von irgendjemandem kontrolliert wird: „Eine handvoll Idioten kontrollieren die ganze Welt“, tut er in „Wir werden sein“ kund. Na, wenn er da mal nicht die Juden meint …

Im selben Track rappt S. Castro auch: „die größte Lüge auf der Welt ist die Demokratie“. Damit hat er zwar nicht unrecht; in der Tat ist es fraglich, wie demokratisch die westlichen Demokratien tatsächlich sind. Und ja, in der Tat kann man die Demokratie daher als Lüge bezeichnen, verspricht sie doch Freiheit, Gleichheit, und „Brüderlichkeit“, wo de facto Überwachungsstaat, Rassismus und soziale Ungleichheit und Konkurrenzdruck herrschen. Wer sich aber von Russia Today Deutsch interviewen lässt, einem vom Kreml gesteuerten Propagandasender., der muss sich schon fragen lassen, in welcher Hinsicht denn das faschistische russische System besser sei als die sogenannten westlichen Demokratien. Aber klar, während S. Castro präventiv über Antisemitismusvorwürfe wegen seiner „Israelkritik“ jammert, bezeichnet er im selben Track Kritik gegenüber dem russischen Regime als „Russophobie“. Wenn S. Castro also gut darin tut, die westlichen Demokratien zu kritisieren, so muss sich doch ernstlich gefragt werden, wodurch er sie ersetzen will – und ich vermute ganz stark, dass das nichts Gutes sein wird.

Und wie jeder Putinversteher muss auch S. Castro gegen den Westen hetzen. „Ich buchstabiere euch den Tod: N – A – T – O“, rappt er in „Wir werden sein“. Beständig ist in seinen Texten von imperialistischen Kriegen zu hören, böse Imperialisten da, arme Völker hier – und natürlich erblödet er sich auch, den Anschlag auf das World Trade Center als Inside Job hinzustellen, der von den Amerikanern ausgeführt worden sei, um einen Krieg beginnen zu können („Venganza“). Nun muss man die Machtpolitik der Nato nicht gut finden, um zu erkennen, dass etwa die russische Regierung in Syrien Fassbomben auf Zivilisten wirft oder die Ukraine mit Krieg überzieht, und also auch in keinem Fall als friedlich zu bezeichnen ist. Der Nato schuld an allem zu geben, ist ziemlich blöde; fast noch blöder, als zu glauben, die Nato sei ein humanitäres, nach moralischen Prinzipien handelndes Bündnis zur Wahrung der Menschenrechte.

Es ist als Glück zu bezeichnen, dass S. Castro seit einem Jahr keinen Track mehr veröffentlicht hat. Noch mehr Tracks, in denen Israel dämonisiert, antisemitischer Terror verherrlicht und Verschwörungstheorien verbreitet werden, braucht wirklich keiner.

Erschreckend allerdings ist, dass S. Castro Lehrer wird. Raten sie für welche Fächer – Spanisch, und, natürlich: Geschichte. Da hat wohl jemand neben der Musik noch ein weiteres Feld entdeckt, wo er Jugendliche indoktrinieren kann. Was ein Mensch wie S. Castro im Geschichtsunterricht lehrt, möchte ich glaube ich am liebsten gar nicht wissen.