Während ein anderer Hip-Hop-Reporter gerade damit beschäftigt ist, Nazis bei ihrem Einzug in den Bundestag zu helfen, würde ich gerne ein Wort über Rooz verlieren. Dass Rooz über keinerlei Haltung verfügt und eigentlich nicht viel mehr als ein Speichellecker ist, dürfte jedem klar sein, der*die auch nur eines seiner Interviews gesehen hat. Neben dieser einen unsympathischen Persönlichkeitsfacette ist Rooz allerdings auch richtig eklig unterwegs – nämlich wenn es um Antisemitismus geht.

Klar, irgendwie ist er schon dagegen, ist man ja heute. Und so erzählt er im Interview mit Ben Salomo auch, dass er mal mit jemandem gesprochen hätte, der gesagt habe, Juden und Jüdinnen würden die Welt kontrollieren, woraufhin Rooz ironisch geantwortet habe: „Dann lass uns doch Juden werden.“

Ganz soweit her ist es mit seiner Haltung gegen Antisemitismus dann aber doch nicht – nur wenige Minuten später, im selben Interview, verharmlost er Antisemitismus. Viele deutsche Rapper würden doch nur aus Like-Geilheit antisemitische Sachen posten („Juden haben wieder das gemacht“, gibt Rooz diese Postings sinngemäß wider), die wären aber auf gar keinen Fall wirklich Antisemiten! Ja klar. Wer schreibt „Juden haben wieder dies und jenes schlimme Verbrechen verübt“, der ist gewiss kein Antisemit … wer ist dann überhaupt noch Antisemit?

Ben Salomo weist ihn entsprechend zurecht, und erklärt nicht nur, warum genau der von Rooz zitierte Satz eben doch antisemitisch ist, sondern auch, warum dieser „Antisemitismus für Likes“ besonders gefährlich ist: weil er nämlich Jugendliche mehr oder minder unterschwellig mit Antisemitismus in Kontakt bringt und diese so indoktriniert. Rooz fühlt sich ertappt: wie es seine Art ist, stimmt er seinem Interviewpartner sofort ohne jede Einschränkung zu, ganz so, als hätte er genau das schon immer eigentlich sagen wollen.

Interessanterweise hat Rooz dies offensichtlich schon knapp anderthalb Minuten später wieder vergessen. Er erzählt nämlich alsbald, es sei ja doch in Ordnung, in Raptexten Verschwörungstheorien über die Rothschild-Familie zu verbreiten, weil … weil … „bis zu einem gewissen Punkt finde ich es ok, mit Lyrics zu spielen.“

Also fassen wir dieses eine (!) Interview mal zusammen: Es ist nicht antisemitisch, wenn man auf Facebook schreibt, „Juden haben wieder dieses oder jene Verbrechen verübt“, gleichzeitig ist genau das viel gefährlicher als „richtiger“ Antisemitismus, aber in Raptexten ist es ok, weil man ja damit spielen darf. Das ergibt offensichtlich keinen Sinn, aber es zeigt, wie Rooz denkt: Antisemitismus ist ok, solange man ihn nicht als solchen bezeichnet; man könnte ihn also einen verkappten Antisemiten nennen.

Denn auch ist Rooz selber einer dieser Menschen, die auf Facebook antisemitischen Müll posten, etwa während des Gazakrieges 2014:

Offensichtlich bemüht Rooz hier den Mythos herbei, es stelle in Deutschland einen Tabubruch dar, Israel zu kritisieren. Bemerkenswert ist dabei allerdings, dass Rooz ganz explizit davon spricht, Israel würde Deutschland „beherrschen“, also ein uraltes antisemitisches Stereotyp hervorkramt. Die Aufforderung an seine Follower, in den Kommentaren keinen Hass zu verbreiten, wirkt angesichts dessen nur noch zynisch.

Es würde mich ja wundern, dass Rooz diesen offensichtlich antisemitischen Facebookpost nicht längst gelöscht hat – aber nun ja, das hier ist Deutschland.

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Ein Gedanke zu “Rooz und die Allmacht der Juden und Jüdinnen

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