Fangen wir mit etwas anderem an. Ja, Bushido ist traurig – aber hey, Bushido freut sich auch einen Ast ab! Denn, haltet euch fest, er hat eine geniale Idee für seine überteuerte (um die 50€) Fan-Box seines neuen Albums! Ja, anstatt, wie er stolz ankündigt, wie alle anderen Rapper irgendwelche nutzlosen Gebrauchsgegenstände in die Box zu packen – Moment, war das gerade ein Shindy-Diss? Wird Shindy auf CCN4 kaputt gedisst? -, will er etwas verlosen. Revolutionär sei diese Idee, noch nie dagewesen, und man fragt sich schon: Wird Bushido den oder die Glückliche(n) heiraten? Ihr/ihm einen selbst geschriebenen (!) Song widmen? Ja, was denn nun?

Achso, ein Wohnzimmerkonzert. Naja, das ist schon origineller als der Plunder, den andere Rapper in ihre Chart-Hilfen packen, da hat er Recht – aber so ungeheuer nie dagewesen wie Bushido es darstellt, ist die Sache nun auch wieder nicht.

Zudem muss vermerkt werden, dass es nur ein einziges Wohnzimmerkonzert zu gewinnen gibt. Das ist zwar verständlich, immerhin kann Bushido jetzt nicht anfangen, jahrelang durch die Wohnzimmer seiner Fans zu touren – das bedeutet aber eben auch, dass die allermeisten seiner Käufer absolut nichts von dem Spaß haben werden. Sie kaufen sich quasi einfach nur überteuerte Lose, die zu mehr als 99,9% keinen Gewinn einbringen werden. Die Box wird somit für die Käufer erst Recht zu einem Verlustgeschäft.

Nun, jedenfalls freut Bushido sich wirklich unheimlich darüber, diese tolle Idee gehabt zu haben, und erklärt auch im Video gleich wie so ein richtiger Gangster, wie er die Polizei abwimmeln werde, wenn die Nachbarn wegen Ruhestörung die Polizei rufen sollten. Er werde den Polizisten dann sagen, er würde die Musik leiser machen, und vier Minuten, nachdem sie wieder gefahren seien, erneut volle Kanne loslegen. Wenn die Polizei dann wieder käme, würde er sich damit herausreden, jemand sei aus Versehen an den Lautstärkeregler gekommen. Dann würde die Polizei schon wieder fahren, und ihn erst beim dritten Mal mitnehmen. Er werde das auf jeden Fall durchziehen. Wir merken: Bushido, das ist ein richtig harter Hund. Wer über Bitches, Kokain, Auftragsmorde und Arschficks rappt, der macht eben selbst vor nächtlicher Ruhestörung nicht halt.

Um so schnuckerliger wirkt dieses Versprechen Bushidos, da er sich über das junge Alter seiner Käuferschicht im Klaren zu sein scheint, spricht er doch davon, der oder die Gewinner(in) solle, falls deren/dessen Eltern Bushido nicht mögen sollten, ihn an einem Tag einladen, an dem die Eltern zufällig nicht zu Hause seien. Mannoman, da wirkt Bushido noch gleich viel härter, wenn er so einfühlsam zu seinen minderjährigen, bei Mama und Papa wohnenden Käufern ist.

Nunja, soviel zum fröhlichen Bushido. Denn Bushido ist auch sehr traurig. Er war bei der Post, und da mit dem Service so gar nicht zufrieden. Unfreundlich sei die Bedienung gewesen, die Schlange zu lang und zu wenige Schalter offen. Und über seinen Beschwerde-Tweet machen sich auch noch Leute lustig. So eine Dreistigkeit! Bushido ist so traurig und in einer ohnmächtigen Wut gefangen, dass er den ins Video geschnittenen Disstrack gegen ihn in einer Lautstärke eingefügt hat, die meine Nachbarn um drei Uhr Nachts aus dem Schlaf gerissen haben muss. Das mit der Ruhestörung übt er wohl schon mal. Also, hektisch die Lautstärke runterstellen, und sich diesen humorvollen Disstrack gegen Bushido anhören (hier das eigenständige Video verlinkt, für das Lautstärkeerlebnis bitte das weiter oben verlinkte Video ansehen, auf das sich im folgenden auch die Timestats beziehen).

Als der Track zuende ist, sagt der völlig empörte Bushido: „Das hier gerade eben übertrifft bei weitem alles was ich bisher an Hurensöhnen gesehen habe.“ (etwa Minute 18:50) Nun, aber warum denn? Die Antwort gibt er auch sogleich: „Das Problem bei der ganzen Geschichte ist ja die, dass viele, viele Leute ja auch echt denken, das ist ja auch witzig.“ (19:00) Er kann es also nicht fassen, dass Menschen Satire lustig finden. Und darum sei der Satiriker der größte Hurensohn der Welt. Ah ja … In diesem Tenor fährt er dann noch eine Weile fort, ab etwa Minute 22:50 lässt er das volle Arsenal des Bildungsneides los. Die Menschen, die ihn nun mit Spott bedenken, beschreibt er so:

Ich lebe die brotlose Kunst, weil ich bin ein gebildeter Student, der auch schon in der Schule gemerkt hat, dass das niedere Volk nicht mit meinem Humor korrespondiert, und ich deswegen so tue, als würde ich meine extreme Kreativität und vor allem auch meine Überlegenheit in irgendwelchen Hurensöhnenbeiträgen ausleben. [24:05]

Der gebildete Mensch ist das Feindbild des traurigen Bushido. Wie genau er darauf kommt, gebildete Studenten würden sich für etwas Besseres halten, begründet er nicht. Außer mit der schwammigen Standarderklärung, die würden „Rap nicht verstehen“ – als könne man sich mit dieser Phrase gegen Kritik immunisieren.

Jedenfalls bedenkt Bushido seinen Spötter auch mit folgenden Worten: „Ich habe mich beschwert über was – was auch mein Recht ist. Und du Hurensohn kommst her und nennst so ne Wörter?“ (24:30) Mit „so ne Wörter“ ist wohl die Line gemeint, Bushido würde keine Pakete von der DHL mehr geliefert bekommen und sitze nun mit dem Gerichtsvollzieher alleine in seiner Villa. Was an diesen Wörtern nun so unfassbar schlimm sein soll, lässt Bushido offen. Und er demontiert seine Empörung im selben Satz selbst durch seine Wortwahl – es ist schlicht blödsinnig, sich über die Wortwahl des Gegenübers zu echauffieren, während man dieses permanent als „Hurensohn“, „Schwanzlutscher“ und wasweißichnochwas bezeichnet.

Auch die angebliche Gelassenheit Bushidos angesichts des Hohnes über ihn („Und auch wenn ihr ganzen Schwanzlutscher da draußen immer noch über uns lacht – interessiert mich n Scheißdreck.“ (26:30)) muss ein schlechter Witz sein, bedenkt man seine Wut über den Disstrack und seine verbalen Ausfälle. Offensichtlich juckt es ihn ja doch, sonst hätte er sich nicht schon im Videotitel über diesen „Hurensohn“ aufgeregt.

Warum genau Bushido übrigens keine Pakete nach Hause geliefert bekommt, ist eine spannende Frage. Ich weiß es nicht, und er sagt es nicht, sondern weicht auf verdächtige Art und Weise aus. Sehr schwammig sagt Bushido, er bekomme keine Pakete mehr zugestellt „wegen irgendsoner komischen Sache“ (21:00). Diese lapidare Erklärung kann angesichts der Ausführlichkeit seines Aufbegehrens nur misstrauisch machen. Offensichtlich gibt es einen guten Grund für dieses Vorgehen der Post, sonst hätte er sich darüber ebenfalls lang und breit ausgelassen.

Der traurige Bushido übrigens ist ein noch härterer Hund als der fröhliche Bushido. Vollkommen ernst bedroht er den Rapper des Disstracks mit dem Tode:

Aber tu mir einen Gefallen: Dann sei wenigstens auch so krass und hab so viel Eier, dass wir das bis zum Ende mal austesten, wer von uns beiden denn dann irgendwie dann nochmal irgendwo sitzt und dann mal vielleicht auch von unserem Treffen berichten kann. Denn das wird nur einer von uns beiden sein. Und das meine ich ernst, Kollege. [25:10]

Das klingt nun schon eher nach einem gemeingefährlichen Mann als derjenige Bushido, der seinen jungen Käufern Tipps gibt, wie das Konzert trotz Abneigung ihrer Eltern gegen Bushido bei ihnen zu Hause stattfinden kann, und als der Bushido, der eiskalt Ruhestörung begehen will.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s