Majoe befindet sich momentan in seiner Promophase, und diesem Rahmen macht er „Majoephono“, ein Format, in welchem er Telefonstreiche spielt. Dazu sucht er sich Interviews eines Rappers und schneidet Sätze und Wortsequenzen heraus (bzw. er lässt das jemand anderen tun). Anschließend ruft er bei Leuten an und versucht ein mehr oder minder lustiges Gespräch nur anhand dieser Interviewfetzen zu führen.

Nun rief Majoe in der ersten Folge von „Majoephono“ mit Schnipseln von Farid Bang bei Casper an. Dieser ging zunächst nicht ran, rief aber später zurück, und es entwickelte sich ein Streitgespräch (etwa ab Minute 11:45), das man in etwa so zusammenfassen kann:

Casper: „Wer ist dran?“

Majoe: „Farid Bang. Warum schreibst du mit meiner Ex-Freundin?“

Casper: „Was geht dich das an?“

Majoe: „Übertreib nicht!

Casper: „… Kannst du auch normal reden? Oder ist dein Intelligenzquotient jenseits des Fußbodens?“

Majoe: „Du Bastard. Du Hurensohn. Du Hurensohn. Ich ficke deine Mutter. Du Hurensohn.“

Im Interview mit Rooz beschwerte sich Majoe dann über Caspers Reaktion, er sagte (ca. bei Minute 10:25): „Casper hat ein bisschen ekelhaft reagiert, deshalb hab ich dann auch die Tabu-Tasten ausgepackt so. […] Weißt du, was ich gar nicht mag? Dieses Rumgehacke auf die deutsche Sprache.“ Auch sagte er: „Diese Tasten kamen so richtig aus dem Herzen, weißt du. So du Hurensohn und so. Andere haben doch auch cool reagiert.“

Nun kann ich den Kritikpunkt von Majoe schon nachvollziehen. Es ist nicht unbedingt ein guter Argumentationsstil, sich nur auf die Ausdrucksweise des Gegenübers zu stürzen und dieses als dumm darzustellen. Ein solches argumentum ad hominem dient schließlich letztendlich eher dazu, sich über Wasser zu halten, wenn einem die inhaltlichen Argumente ausgehen.

Auch folgen gesprochene und geschriebene Sprache nunmal unterschiedlichen Regeln, und was in der Schriftlichkeit falsch ist, muss in der Mündlichkeit nicht deshalb auch falsch sein. So ist die Formulierung mit weil + Verbzweitstellung in der Schriftlichkeit ein absolutes Desaster, in der Mündlichkeit jedoch vollkommen gängig und daher nicht im Mindesten Ausdruck eines schlechten Sprachniveaus. Auch Expansion, Dativ-Possessiv-Konstruktion und viele weitere sind in der Mündlichkeit derart häufig genutzt, dass hier schlicht von ungrammatischen Ausdrücken nicht ausgegangen werden kann. Gesprochene und geschriebene Sprache folgen nicht zwangsläufig denselben Regeln, sondern in vielen Fällen unterschiedlichen.

Eine vom Standard abweichende Artikulationsweise, die Farid Bang sicherlich aufweist, und die zumeist von Menschen aus einem bestimmten, insgesamt eher weniger gebildeten Milieu verwendet wird, sollte auch kein Grund sein, einen Menschen zu beleidigen. Nicht umsonst garantiert das Grundgesetzt in Artikel 3 Absatz 3 den Schutz nicht nur vor Diskriminierung aufgrund der „Rasse“, Herkunft, Religion oder Behinderung, sondern auch vor Diskriminierung aufgrund der Sprache.

Allerdings hat Casper in meinen Augen dennoch nicht falsch reagiert. Da ruft (angeblich) ein Casper wohl bekannter Gangsterrapper mit dem vielsagenden Namen „Farid Bang“ an, der in schönstem Assi-Slang redet und fragt, warum Casper mit seiner Ex-Freundin schreibe. Casper hat völlig Recht, wenn er daraufhin fragt, was Farid das überhaupt angehe. Es zeugt von einem äußerst machohaften Weltbild Farids, wenn er glaubt, darüber verfügen zu können, mit wem seine Ex-Freundin schreiben darf (so stellte sich die Situation jedenfalls für Casper dar).

Wenn Farid auf diese Frage, warum ihn das etwas angehe, überhaupt nicht eingeht, sondern nur sagt „Übertreib nicht“, dann ist eine inhaltliche, konstruktive Diskussion offensichtlich nicht möglich. In diesem Moment sieht sich Casper also mit einer Person konfrontiert, die ein misogynes Weltbild hat und ihn irgendwie anschnauzen will. Es ist absolut verständlich, wenn man in solch einem Gespräch auf ein argumentum ad hominem zurückgreift. Das Gespräch ist ohnehin nicht konstruktiv, es geht also nur noch darum, es in eine Richtung zu lenken, in der man es halbwegs kontrollieren kann. Die einfachste Art, Farid Bang auszumanövrieren, ist, auf seinen Intellekt einzugehen.

Lustigerweise streitet Majoe gar nicht ab, dass Farid Bang dumm ist, sagt er doch, er finde es blöd „dann direkt auf den Intelligenzquotient einen zu reduzieren“, was in Anbetracht von Caspers Äußerung einen niedrigen IQ seitens Farid Bang impliziert.

Majoe bemängelt auch, andere hätten ja „cool reagiert“, dann hätte Casper das doch auch tun müssen. Das ist natürlich Quatsch – nur weil andere Leute auf eine bestimmte Art und Weise reagieren, heißt das nicht, dass Casper exakt gleich reagieren muss oder seine tatsächliche Reaktion deshalb illegitim wäre. Da klingt aus Majoe eher der eingeschnappte Junge, der auf die anderen zeigt, weil die das ja auch so gemacht haben.

Schließlich ist Majoe überhaupt nicht in der Position, Casper für sein Verhalten in diesem Gespräch zu kritisieren, hat er ihn doch ab etwa der Mitte des Gespräches fast durchgehend beleidigt. Hier auf der einen Seite Casper für seine Beleidigung des Intelligenzquotienten zu kritisieren, und dann ohne jede kritische Reflexion – selbst im Nachhinein nicht – permanent sein Gegenüber einen Hurensohn zu nennen, ist reichlich merkwürdig.

Rumgehacke auf die deutsche Sprache ist also nicht begrüßenswert, manchmal aber durchaus verständlich.

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Ein Gedanke zu “Das Rumgehacke auf die deutsche Sprache

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