Es gibt Rapper, die rappen, weil es ihnen Spaß macht. Dann gibt es sicher noch Rapper, die rappen, weil sie damit Geld verdienen wollen. Eine Menge Rapper hat vielleicht aus Spaß angefangen und wegen des Geldes weitergemacht. Und dann gibt es da noch diejenigen Rapper, die rappen, um Menschen zu beeinflussen.

Ein solcher Rapper ist S. Castro. Im Interview mit RT Deutsch (dumm genug) sagte er auf die Frage, welche Rolle Musik bei seiner politischen Aktivität spiele:

Die Musik spielt für mich ne sehr große Rolle. Und zwar weil ich einfach schon in der Zeit gemerkt habe, wo ich selber noch keine Rapmusik gemacht habe, da hab ich schon gemerkt, dass Musik einen großen Einfluss auf mich und meine Umgebung hat, dass besonders die Jugend sehr krass auf Rapmusik abfährt. Und da habe ich mir gedacht: Wenn es so einen großen Einfluss hat, warum überlassen wir das Feld, als politische Menschen, warum überlassen wir das Feld an Leute, die sowieso nur dieses System beschönigen? Warum übernehmen wir das nicht selber? Warum nehmen wir das nicht selber in die Hand, um den Leuten richtigen Input zu geben? Oder zumindest um sie zum Hinterfragen zu bringen? Deswegen dachte ich mir, dass ich auf jeden Fall selber in der Musik aktiv werden muss.

S. Castro also ist ein Rapper, der einzig und alleine darum rappt, um politische Propaganda zu verbreiten, der Rapmusik gezielt einsetzt, um Menschen dann zu erreichen, wenn sie am leichtesten zu manipulieren sind: in ihrer Jugend. Politische Agititation, das ist sein Ziel, und wie er in „Wir werden sein“ rappt: „Ich kam durch Hass zum Rap“. Ein hasserfüllter Mensch, der durch seinen Rap die Jugend mit seinem Hass beeinflussen möchte. Das ist ja … super.

Nun, ein hasserfüllter, politisch interessierter Mensch – wen hasst so jemand wohl? Vielleicht haben Sie es schon erraten, geneigter Leser: Natürlich die Juden. Äh, pardon, Israel. „Kritisiere sie und du kriegst Antisemiten-Gelaber“, würde S. Castro jetzt wohl sagen, wie er es in „Venganza“ tut. Nun ist es vollkommen absurd, dass jeder, der Israel kritisiert, sofort als Antisemit bezeichnet wird. Natürlich darf, kann, soll Israel kritisiert werden, genau wie jeder andere Staat auf dieser Welt auch. S. Castro aber übt keine Kritik an Israel, sondern er rappt:

Denn ich war, bin und werde immer sein

So wie der Serhildan in Rojava, Intifada in Gaza

Heb‘ die Fahne zum Kampf für den Frieden so wie Guevara

Denn sie zielen und belagern, schießen, stapeln Kadaver

Kritisiere sie und du kriegst Antisemiten Gelaber

Israel und Palästina, ein Riese mit atomarer Artillerie patroulliert aggressiv

Doch im Panorama sieht man wie sie als mutige Krieger

Die Kriesen als wahrer Friedenspfarrer besiegen und die fiesen Muslime ballern

Komm, sieh in die Tiefe und du siehst die Propaganda

Wie die Medien dirigieren, Rezeptivität unterwandern

Nun zeugt es schon von verschwörungstheoretischem Denken, „den Medien“ als einer homogenen Masse eine bestimmte Agenda zu unterstellen. Dass diese aber angeblich sei, Israel gut darzustellen, ist schlicht grotesk, berichten doch die meisten deutschen – und auch insgesamt westlichen – Medien sehr antiisraelisch, was sich in ungewöhnlich häufigen NS-Vergleichen und Realitätsverdrehung äußert (auch lesenwert: welt). Dieses Missverständnis über die Rolle „der Medien“ im Nahostkonflikt geht natürlich einher mit der präventiven Beschwerde über Antisemitismusvorwürfe – so weit, so Standard. Doch was kritisert S. Castro denn außer „den Medien“? Eigentlich nichts so recht. Stattdessen behauptet er, Israel würde Gaza belagern und Kadaver stapeln, was nichts anderes als ein etwas schüchterner KZ-Vergleich ist. Sowieso ist es blödsinnig, die Gazablockade als Belagerung zu bezeichnen, denn humanitäre und kommerzielle Güter können durchaus nach Gaza eingeführt werden, und Personen können Gaza betreten und verlassen. Das „Kadaver stapeln“ ist dann nichts anderes als eine Dämonisierung Israels, ein verklausulierter Genozid-Vorwurf, der ebenso unsinnig ist: Im gesamten israelisch-palästinensisch/arabischen Konflikt starben erst 35.000 Palästinenser durch politische Gewalt – das ist ein äußert merkwürdiger Genozid. Insbesondere, da die Bevölkerung in Gaza kontinuierlich zunimmt.

Zudem spricht S. Castro von einer nie vergänglichen „Intifada in Gaza“, worauf die Line folgt: „Heb‘ die Fahne zum Kampf für den Frieden so wie Guevara“. Den Kampf der Hamas gegen Israel als Kampf für den Frieden zu bezeichnen ist grotesk, außer man meint mit „Frieden“ die Vernichtung des jüdischen Völkes – schließlich ist genau dies das Ziel der Hamas (siehe Artikel 7 der Hamas-Gründungscharta). Es passt allerdings, die Hamas und Che Guevara im selben Atemzug zu erwähnen, denn auch Guevara war ein Feind des Individualismus und ein Massenmörder. Die Line ist also in sich stimmig, was sie allerdings nicht besser macht, ganz im Gegenteil.

Aber so ein paar alte, durchgekaute Klischees über Israel zu erzählen, bei denen die große Masse bestätigend nickt, reicht natürlich nicht. Es muss noch ein bisschen deftiger werden, um aufzufallen, um dem Zuhörer ein „hohoho, endlich traut sich mal einer“ zu entlocken, und so rappt S. Castro in „Venganza“ an späterer Stelle: „Faschisten pissen auf das Völkerrecht/ Palästina, Kolonie der Vampire, die Hölle brennt“. Israel als einen faschistischen Staat, der gegen das Völkerrecht verstößt, zu bezeichnen, ist so langweilig und durchschnittlich wie falsch. Besonders widerlich ist an dieser Stelle allerdings das Aufgreifen eindeutig antisemitischer Stereotype, wenn Palästina als „Kolonie der Vampire“ bezeichnet wird. Hier wird sehr deutlich auf die Ritualmordlegende referiert, derzufolge Juden Christenkinder töten, um aus deren Blut Mazzen zu backen, ernähren sich Vampire doch vom Blut ihrer Opfer. Juden als Vampire zu verunglimpfen ist eindeutig antisemitisch, da gibt es keinen Zweifel. Umso erbärmlicher ist nur das präventive Rumgejammere über den völlig zurecht erwarteten Antisemitismusvorwurf.

Wer sich als links versteht und gegen Juden hetzt trägt natürlich auch die dazu passenden Klamotten: So posed S. Castro auf seinem Facebook-Profil mit einem roten Palästinenser-Tuch verhüllt vor einem Hafen, und trägt dieses Tuch auch in einem Rapvideo. Das Palästinenser-Tuch hat eine eindeutige politische Botschaft: Terror, Unterdrückung des Individualismus, Nationalismus, Islamismus. Gerade der antisemitische und völkische Gehalt dieses Kleidungsstückes führt dazu, dass es auch von Nazis gerne getragen wird. Während die klassisch schwarz-weiße Variante des Palästinenser-Tuches von Anarchisten bevorzugt wird, tragen Kommunisten eher die rote Variante. In der Farbwahl bestätigt sich also, dass S. Castro dieses Tuch nicht einfach so trägt, sondern sich des politischen Gehaltes dieses Kleidungsstückes bewusst ist, passt doch selbst die Farbwahl zu seiner politischen Gesinnung.

Auch im Track „Krieger 2“ trägt S. Castro das rote Palästinenser-Tuch, und während er aggressive Zeilen rappt, hebt die Masse hinter ihm die rechte Faust nach oben – und einer der Kerle trägt eine rote Armbinde. Eine interessante Bildsprache.

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Wer nun wiederum von einer Verschwörung der Medien faselt und gegen Juden hetzt, der weiß natürlich auch, dass diese Welt von irgendjemandem kontrolliert wird: „Eine handvoll Idioten kontrollieren die ganze Welt“, tut er in „Wir werden sein“ kund. Na, wenn er da mal nicht die Juden meint …

Im selben Track rappt S. Castro auch: „die größte Lüge auf der Welt ist die Demokratie“. Er ist also nicht nur Antisemit, sondern auch Faschist. Es stellt sich allerdings die Frage, warum er etwas gegen die „handvoll Idioten“ hat, die die Welt kontrollieren, wenn er gleichzeitig die Demokratie verteufelt – aber nein, es sind für ihn wohl einfach die falschen „handvoll Idioten“, die die Welt kontrollieren. Wer Che Guevara verehrt, einen Mann, der tausende „Konterrevolutionäre“ und Oppositionelle umbringen ließ und für den der einzelne Mensch völlig in einer homogenen Volksmasse aufzugehen hatte, der ist natürlich auch ein Gegner des Individualismus und ergo der Demokratie. Er weiß, was die homogene Masse zu wollen hat, er weiß, was richtig und was falsch ist.

So verwundert es auch nicht, dass sich S. Castro von Russia Today Deutsch interviewen lässt, einem vom Kreml gesteuerten Propagandasender. S. Castro und Putin dürften sich ihre Meinung über die Demokratie wohl teilen. Und klar, während er präventiv über Antisemitismusvorwürfe wegen seiner „Israelkritik“ jammert, bezeichnet er im selben Track Kritik gegenüber dem russischen Regime als „Russophobie“.

Und wie jeder Putinversteher muss auch S. Castro gegen den Westen hetzen. „Ich buchstabiere euch den Tod: N – A – T – O“, rappt er in „Wir werden sein“. Beständig ist in seinen Texten von imperialistischen Kriegen zu hören, böser Kapitalismus hier, böse Imperialisten da – und natürlich erblödet er sich auch, den Anschlag auf das World Trade Center als Inside Job hinzustellen, der von den Amerikaner ausgeführt wurde, um einen Krieg beginnen zu können („Venganza“).

Es ist als Glück zu bezeichnen, dass S. Castro seit einem Jahr keinen Track mehr veröffentlicht hat. Noch mehr Tracks, in denen Israel dämonisiert, antisemitischer Terror verherrlicht und Verschwörungstheorien verbreitet werden, noch mehr Tracks, in denen Demokratiefeindlichkeit und stumpfer Antiamerikanismus propagiert werden, braucht wirklich keiner.

Erschreckend allerdings ist, dass S. Castro Lehrer wird. Raten sie für welche Fächer – Spanisch, und, natürlich: Geschichte. Da hat wohl jemand neben der Musik noch ein weiteres Feld entdeckt, wo er Jugendliche indoktrinieren kann. Was ein Mensch wie S. Castro im Geschichtsunterricht lehrt, möchte ich glaube ich am liebsten gar nicht wissen.

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Ein Gedanke zu “S. Castro – Truther, Putinfreund, Israelhasser

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