Es gibt da diese Seite, die nennt sich Islam Fakten. Auf dieser werden vor allem belanglose Bilderchen mit belanglosen Motivationssprüchen für Muslime gepostet, gerne auch mit äußerst peinlichen Grammatikfehlern. Neben diesen ziemlich harmlosen und nichtssagenden Gehirnvermüllungen findet man hin und wieder aber auch ziemlich abstoßendes Zeug.

Ein Beispiel dafür ist dieser Post vom 20. November diesen Jahres: Netanyahu knebelt ein Minarett mit einem Tuch, auf dem ein Davidstern zu sehen ist, daneben ein Kirchturm, der zornig arabische Worte schreit, übertitelt mit: „Nachdem Israel den öffentlichen Gebetsruf in Palästina verbot, hat ein Priester am Glockenturm seiner Kirche den islamischen Gebetsruf vollzogen.“

Sowohl am Bild als auch an der Überschrift ist einiges sehr falsch. So falsch, dass dieser Post letzten Endes wenig mehr als plumper Antisemitismus ist. Ich möchte nun der Reihe nach meine Kritikpunkte darlegen.

Zunächst: Warum verbietet Israel den öffentlichen Gebetsruf „in Palästina“? Der israelische Staat erlässt doch Gesetze für den israelischen Staat, also verbietet Israel den öffentlichen Gebetsruf wenn dann in Israel. Dass hier Israel lediglich als Bezeichnung für die israelische Regierung dient, während das Land selbst als Palästina bezeichnet wird, muss aufhorchen lassen. Denn das bedeutet schließlich nichts anderes, als dass Israel ein illegitimer Staat auf fremdem – muslimischem – Boden sei. Dass es Israel nicht geben dürfe, ja, in der Realität des Posterstellers gar nicht so wirklich gibt.

Dabei wird in diesem Post nicht nur zumindest unterschwellig Israel in seinem Existenzrecht angegriffen, sondern gleichzeitig in guter Tradition des muslimischen Antisemitismus das Judentum als Feind der Umma, der islamischen Gesamtgemeinde, präsentiert. Denn auf dem Tuch, mit dem das Minarett geknebelt wird, ist ein Davidstern zu sehen. Und nein, dieser soll nicht für Israel stehen, denn für die israelische Flagge fehlen hier die blauen Balken oben und unten. Es ist also das Judentum, die Juden, die hier durch die israelische Regierung, repräsentiert durch Netanyahu, zur Bedrohung für den Islam stilisiert werden.

Nun, das wären vielleicht Aspekte, über die man diskutieren könnte. Eher nicht, aber wenn man unbedingt wollte, von mir aus. Eindeutiger sieht die Sache bei den antiisraelischen Lügen aus, die hier erzählt werden. Es wird die Behauptung aufgestellt, Israel habe den islamischen Gebetsruf verboten. Das ist aber faktisch schlicht falsch. Am 20. November, also dem Tag, als der Post auf Islam Fakten veröffentlicht wurde, war das Gesetz noch überhaupt nicht verabschiedet, sondern noch ein bloßer Gesetzesvorschlag. Ein Gesetzesvorschlag überdies, der von orthodoxen Juden in der Knesset blockiert wurde. Ob das Gesetz mittlerweile verabschiedet wurde, konnte mir Google bisher nicht verraten – vielleicht ist der geneigte Leser da ja schlauer. Alles was ich gefunden habe, sind Artikel von vor erst wenigen Tagen, die noch über die Verhandlungen zum Gesetz berichten.

Huch, aber warum waren denn jetzt orthodoxe Juden gegen das Gesetz? Sollte dieses denn nicht den islamischen Gebetsruf verbieten? Warum haben Juden was dagegen? Nun, des Rätsels Lösung ist ganz einfach: Es gibt gar keinen Gesetzesentwurf, der den islamischen Gebetsruf verbieten soll. Der vorliegende Gesetzesentwurf soll die Lautsprecher an Gebetshäusern von allen Religionen verbieten. Islam Fakten hat hier den Gesetzesvorschlag also gleich in zweifacher Hinsicht bis zur Unkenntlichkeit verzerrt dargestellt. Denn dieser richtet sich nicht gegen den Gebetsruf an sich, sondern lediglich gegen seine Verstärkung über Lautsprecher. Der Muezzin kann also immernoch so laut schreien, wie er möchte. Zum anderen sind alle Religionen hiervon betroffen, nicht nur der Islam. Darum haben die orthodoxen Juden den Gesetzesvorschlag auch blockiert: Sie fürchteten um ihre Schabbat-Sirenen, die auch betroffen gewesen wären.

Das hält die Palästinenser natürlich nicht davon ab, gleich gegen Israel zu hetzen. „Der Gebetsruf ist älter als die Rassisten. Der Gebetsruf wird die Rassisten überdauern“, sagte Ayman Odeh, Vorsitzender einer gemeinsamen Liste arabischer Parteien in der Knesset. Was der Gesetzvorschlag mit Rassismus zu tun hat bleibt wohl sein Geheimnis. Interessant ist allerdings die implizite Vernichtungsdrohung gegen Israel.

Der Einsatz von Lautsprechern an Moscheen übrigens ist ebenso wie in Europa auch in muslimischen Ländern stark reglementiert. In Saudi-Arabien darf jede Moschee höchstens vier Lautsprecher besitzen, in Mekka ist die Lautstärke eingeschränkt. In den VEA ist die Lautstärke der Lautsprecher ebenfalls beschränkt worden. In Riad werden die Lautsprecher während des Ramadan ausgelassen. In der Schweiz ist der Neubau von Minaretten gar ganz verboten, und in Köln wurde eine Moschee nur mit der Bedingung gebaut, dass keine Lautsprecher benutzt werden. Nun ausgerechnet Israel Rassismus vorzuwerfen, wenn dieses Land gegen Ruhestörung durch alle Religionen vorgeht, ist vollkommen grotesk. Es zeigt, dass Islam Fakten doppelte Standards anlegt: Was andere Ländern dürfen, darf Israel nicht.

Es werden also doppelte Standards angelegt, das Existenzrecht Israel bestritten und Lügen über Israel erzählt, während Israel mit den Juden gleichgesetzt wird. Die Auslassungen dieser Seite sind demnach eindeutiger Antisemitismus, der sich unter dem Deckmäntelchen des Antizionismus notdürftig zu verschleiern versucht.

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